Der perfekt geschnittene Rasen, der unermüdlich von einem Sprenger gewässert wird, war gestern. Heute geht es um Artenvielfalt, Insektenhotels, Biotope für Frösche und Kröten, Pflück- und Bürgergärten. Das sind die neuen Schlagworte, wenn es um die Berliner Kleingärten geht. Vielfältig, nachhaltig, zukunftsfähig – das waren die drei am häufigsten genannten Worte am Sonnabend auf der Preisverleihung für die besten Kleingartenanlagen in Berlin.
Gärtner auf dem Gelände einer ehemaligen Straßenbahnschleife
Gewonnen hat dann auch einer, der vieles davon vereint und als einer der Favoriten ins Rennen gegangen ist: der Kleingartenverein Bornholm I in Prenzlauer Berg. Er konnte mit seinem Gemeinschaftsprojekt „Schleifengarten“, bei dem Menschen aus dem Kiez auf dem Gelände einer ehemaligen Straßenbahnschleife gemeinsam gärtnern, aber auch mit seinen Schautafeln, Veranstaltungen und seiner ökologischen Wegebeleuchtung punkten. Der Sieger bekam viel Beifall, auch von den anderen Gartenfreunden im Publikum im Veranstaltungshotel Meliá an der Friedrichstraße.

Aufgerufen zum Wettbewerb „Natur pur – Bereit für die Zukunft“ hatte der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V., der ihn in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit der Senatsumweltverwaltung ausrichtete. Alle vier Jahre findet der Wettbewerb statt. Während sich 2021 sechs Kleingartenvereine beteiligten, waren es dieses Mal bereits neun Teilnehmer, die sich auf ganz Berlin verteilten, von Hellersdorf bis Steglitz.
Acht Personen in der Fachjury haben die Punkte vergeben
Leiter der Fachjury, zu der acht Personen gehörten, war der Vizepräsident des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e. V., Thorsten Fritz. Vor der Preisbekanntgabe berichtete er von den drei intensiven Tagen im August, an denen sich die Jury die Parzellen aller Bewerber angesehen hat. Nicht nur die 36 Grad sind ihm noch gut in Erinnerung gewesen. Er lobte vor allem die engagierten Menschen, die kreativen und individuellen Konzepte, das feine Gespür, das Herzblut und den Gemeinschaftsgeist. „Alle haben aber einen Preis für Freundlichkeit verdient“, sagte Fritz.

Die Jurymitglieder konnten zehn Kriterien, wie Obst- und Gemüseanbau, naturnahe Gestaltung, nachhaltige Bewirtschaftung, Förderung der Artenvielfalt, bewerten und jeweils maximal zehn Punkte vergeben. Am Ende wurden die Punkte zusammengezählt. Der Verein mit der höchsten Summe der Bewertungen ging als Sieger hervor.
„Auch wenn man nicht alle Bewertungskriterien auf den ersten Blick nachvollziehen kann – die Vereinsgemeinschaft, die gärtnerischen Kräfte und die Liebe zur Natur sind überall spürbar“, sagt Jury-Leiter Thorsten Fritz. Die verschiedenen Lehrpfade, Schaugärten, kreative Angebote und offene Veranstaltungen mache jede Anlage einzigartig. Alle Wettbewerbsteilnehmer seien eine starke Konkurrenz zum Erstplatzierten gewesen.
Siegerprämie fließt im Prenzlauer Berg in die Kanalisation
Die beste Kleingartenanlage Bornholm I, die mit Qualität und der Umsetzung seines Gesamtkonzeptes überzeugte, konnte ein Preisgeld von 3000 Euro entgegennehmen. Der Kleingartenverein will für 40.000 Euro das Vereinsheim an die Kanalisation anschließen, die Siegerprämie soll mit in diesen Topf fließen.

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Die Öko-Kleingartenanlage „Wildkraut e.V.“ aus Lichterfelde konnte den zweiten Platz und damit 2000 Euro für sich verbuchen. Die Anlage sei ein Paradies für Tiere und Pflanzen, heißt es in der Begründung. Auf den Parzellen werde die Artenvielfalt intensiv gefördert.
In Lichterfelde sind in der Gartenanlage die Wildschweine unterwegs
Das Besondere aber sind die Gärten, die keine Zwischenzäune haben. Das kann aber auch Probleme mit sich bringen. „Bei uns sind die Wildschweine unterwegs“, sagt Catrin Freiberg, Vorsitzende der Kleingartenanlage „Wildkraut“. Daher werde man die Summe nutzen, um die Zäune rings um die Anlage zu erneuern.
Mit einem umfassenden kreativen Naturlehrpfad konnte die Kolonie „Freiheit e.V.“ den 3. Platz belegen, der mit 1000 Euro dotiert war. Lobend hervorgehoben wurde auch ein kleiner Fitnesspark und ein Schaugarten für Getreide.
Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr von der Senatsumweltverwaltung Sonderpreise von 100 bis 300 Euro vergeben. Sie gingen an drei Einzel- und Gemeinschaftsgärten mit ausgeprägter kleingärtnerischer Nutzung. So wurden Gärtnerinnen zum Beispiel für ihre besondere Mischkultur ausgezeichnet. Auf ihren Beeten sind Sellerie, Kohlköpfe und Bananenstauden nebeneinander zu finden.
Gärtnern als Selbstversorger und noch für die anderen
Andere wiederum zeichneten sich durch eine hohe Diversität an Blühpflanzen, Obstgehölzen und Gemüse aus. Eine Gärtnerin bekam den Sonderpreis, weil sie innerhalb von zwei Jahren ihren Garten am Hohernzollerndamm in Wilmersdorf so schnell und so intensiv bewirtschaftet hat, das die Pflanzen nicht nur alle gesund und vital sind. Sie hat so viel Obst und Gemüse, dass sie neben der Selbstversorgung auch noch an andere abgeben kann.
Einer der Wettbewerbsgewinner wird für den Bundeswettbewerb 2026 ausgewählt. Im Jahr 2022 gewann die Anlage Habsburg-Gaußstraße in Charlottenburg und holte im Folgejahr sogar Silber im Bundeswettbewerb. Damit haben seit 1990 sieben Vereine des Landesverbandes viermal Gold und dreimal Silber nach Berlin gebracht.
Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V. ist die Dachorganisation des Berliner Kleingartenwesens. Er setzt sich dafür ein, dass der gesellschaftliche, ökologische und klimatische Stellenwert von Kleingärten auch im 21. Jahrhundert anerkannt wird und erhalten bleibt.





