Es ist eine große Überraschung: Das längst verschollen geglaubte Ölgemälde der Madam Kitty Schmidt, das im berühmt-berüchtigten Nazi-Bordell „Salon Kitty“ in der Giesebrechtstraße in Berlin-Charlottenburg an der Wand hing, ist wieder aufgetaucht. Das teilte der Berlin Story Verlag am Freitag mit. Die Freude bei den Autoren des Sachbuches „Kittys Salon. Legenden, Fakten, Fiktion“ (2020), Urs Brunner und Julia Schrammel, ist groß. Sie hatten lange nach dem Bild gesucht – auch im Ausland.

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Nun kommt heraus: Das Gemälde war nie weit weg, es war im Nachbarbezirk Spandau. Dort hing es in den vergangenen 24 Jahren in einem Wohnzimmer. Die Besitzerin, Ilona Jurczyk, eine Frau mittleren Alters, berichtete, das Gemälde einst in einem Trödelladen in der Adamstraße gekauft zu haben, weil es ihr so gut gefallen habe. Eines Tages habe sie ein Freund aus Hamburg besucht. „Er fragte mich, ob ich wüsste, wer denn die Frau auf dem Bild sei – ich wusste es nicht“, schilderte sie. „Wir sind dann mit seiner Bilderkennungs-App auf die Homepage www.kittys-salon.de gestoßen und dann hab ich die Autoren kontaktiert.“

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Die Freude bei Co-Autorin Schrammel ist groß. „Von Fotos wussten wir immer, dass das Gemälde existiert und nicht mehr in Familienbesitz war. Ich habe damals beinahe alle Auktionshäuser und Antiquitätenhändler in Berlin angeschrieben.“ Laut „Tagesspiegel“ war Schrammel sogar nach Slowenien zur Familie der Schwiegerenkelin von Kitty Schmidt gefahren. Doch auch dort kannte niemand das Gemälde. „Meine persönliche Vermutung war: Kitty Schmidts Enkel, bei dem es zuletzt in der Wohnung hing, muss es noch vor seinem Tod 2009 verkauft haben – oder eher seine Frau nach seinem Tod, denn er hing sehr an seiner Großmutter“, schilderte sie der Zeitung. „Dass wir es nun gefunden haben, ist für uns von großer Bedeutung.“

Was passiert nun mit dem Gemälde? „Wir haben es käuflich erworben, in der Hoffnung, dass es eines baldigen Tages in einem Berliner Museum ein permanentes Zuhause finden wird. Was auch immer dort geschehen ist, der berühmt-berüchtigte Salon Kitty und seine Madame, die Kitty Schmidt, sind Berliner Stadtgeschichte“, erklärte Autor Urs Brunner. Ein Experte soll nun Künstler und auch das noch unklare Entstehungsjahr erforschen.

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Verwanzte Zimmer oder Mikrofone unter Kopfkissen: Um das Nazi-Bordell im Westen Berlins ranken sich viele Legenden. Brunner und Schrammel versuchten in ihrem Buch, den Mythen auf den Grund zu gehen. Ihr Fazit: Viel Belastbares weiß man nicht, sicher ist nur, dass es den Salon Kitty wirklich gab, und zwar protegiert von ganz oben.

Das Bordell wurde 1939 von Kitty Schmidt, bürgerlich Kätchen Emma Sophie Schmidt, eröffnet. Er florierte bis 1943, zog nach britischer Bombardierung dann ins Erdgeschoss. Unter Führung der SS sollen hier ausländische Diplomaten, aber auch hohe Tiere aus den eigenen Kadern von Prostituierten ausgehorcht worden sein. Laut dem Buch von Brummer und Schrammel ist bis heute unklar, ob Kitty Schmidt freiwillig mit den NS-Größen kooperierte oder dazu gezwungen wurde. „Nazi-Opfer, Kollaborateurin oder Opportunistin?“, fragt Brunner. Da gingen die Meinungen auseinander.