Nachdem in Berlin-Kladow ein Känguru von einem Privatgrundstück ausgebüxt ist, stellen sich viele Fragen: Eine der drängendsten – wem das Tier gehört – scheint beantwortet zu sein. Nach Informationen dieser Redaktion wird das Tier vom Journalisten und Erben des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, Jakob Augstein, gehalten – zusammen mit fünf weiteren Kängurus. Bei dem Tier handelt es sich um ein Wallaby, eine Unterart von Kängurus. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist der Unterschied zwischen einem Känguru und einem Wallaby?

Wallabys sind deutlich kleiner als andere Kängurus. Sie gehören zu den kleinsten Känguruarten und werden maximal 80 Zentimeter groß. „Normalerweise verbringen Wallabys den Tag mit Ruhen, Schlafen und Fressen“ erklärt eine Sprecherin des Zoologischen Gartens Berlin.

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Ist die Haltung von Wallabys in Berlin erlaubt?

Wallabys und andere Wildtiere dürfen in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen gehalten werden. Je nach Tierart muss das Tier lediglich dem Bezirksamt gemeldet werden. Für manche Tierarten wird vorab eine Genehmigung benötigt, sagt Derk Ehlers, Wildtierbeauftragter von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Die Bezirke kontrollieren auch, wo die Tiere herstammen und ob sie artgerecht gehalten werden.

Wo leben Wallabys und was fressen sie?

Laut einer Sprecherin des Zoologischen Gartens Berlin ernähren Wallabys sich vegetarisch. Sie fressen demzufolge Gräser, Blätter, Rinde oder Kräuter. Wälder könnten neben Schutz also auch potenzielles Futter für die Tiere bereitstellen. „Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist Australien, hier bevorzugen sie buschige und bewaldete Gebiete“, heißt es von der Sprecherin.

Wird das Känguru die Temperaturen von teilweise fünf Grad Celsius in der Nacht überleben?

„Die Temperaturen in Berlin sind für ein Wallaby in der Regel kein Problem“, sagt der Wildtierexperte Derk Ehlers. Es komme im konkreten Fall auf das Tier an: Ob es in einem Außengehege gehalten wurde und schon seit längerer Zeit an die Witterung in unseren Breitengraden gewöhnt ist. „Grundsätzlich kommen Wallabys mit unserem Klima zurecht“, sagt Ehlers. In ihrem üblichen Verbreitungsgebiet können die Temperaturen nachts auf -5 oder -10 Grad fallen. Viel wichtiger sei, dass das Tier die passende Nahrung finde. Pflanzen werde das Tier auch in Berlin finden. „Die Frage ist, ob der Magen-Darm-Trakt des Tieres damit zurechtkommt“, sagt Ehlers.

Derk Ehlers ist Wildtierreferent der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Derk Ehlers ist Wildtierreferent der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.© Stiftung Naturschutz Berlin | Stiftung Naturschutz Berlin

Ist ein Wallaby gefährlich?

Die Polizei Berlin geht davon aus, dass keine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht. Trotzdem rät Polizeihauptkommissar Martin Halweg zur Vorsicht: „Es handelt sich um ein Wildtier, also gilt: nicht reizen, nicht gefährden, nicht in die Enge drängen.“ Laut dem Wildtierexperten Ehlers ist das Wallaby wahrscheinlich eher verängstigt und orientierungslos statt aggressiv.

Welche Gefahren lauern für das Tier?

„Die größte Gefahr ist der Mensch“, sagt Ehlers. Zwar sei das Wallaby durch seine Haltung auf einem Privatgrundstück den Kontakt mit Menschen gewohnt, allerdings nur mit seinen Bezugspersonen wie dem Halter oder Tierpflegern. Auch die unbekannte Umgebung könnte das Tier dem Wildtierexperten zufolge verunsichern. „Eine der großen Gefahren für das Tier geht vom Straßenverkehr aus“, sagt der Wildtierexperte.

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Was müssen Autofahrer beachten, die in Kladow unterwegs sind?

Weil das Tier den Umgang mit Menschen gewohnt ist, geht der Experte davon aus, dass sich das Wallaby eher in Straßensiedlungen aufhalten wird. Dort lauern aber auch Autos. „Autofahrer sollten immer damit rechnen, dass ein Lebewesen auf die Straße springen kann“, sagt Ehlers. Wallabys kommen besonders weit: Sie können, je nach Art, bis zu zwei Meter weit springen. Das sollten Autofahrer in Kladow im Hinterkopf behalten. Wahrscheinlich sei aber auch, dass das Tier in einer Art Schockstarre auf der Fahrbahn stehen bleiben könnte. „Bleiben Sie vorsichtig“, rät der Referent für Wildtiere.

Wie gut lässt sich das Känguru einfangen?

Das Wallaby ist Ehlers zufolge den Umgang mit Menschen gewohnt und wird sich nicht komplett scheu verhalten. Allerdings sei damit zu rechnen, dass es verängstigt ist, sagt Ehlers. Er hält für wahrscheinlich, dass sich das Wallaby von einer seiner Bezugspersonen gut einfangen lassen könnte. „Es gibt auch die Möglichkeit, das Tier zu betäuben“, so Ehlers. Dafür gebe es Experten, die in Zusammenarbeit mit Tierärzten und dem bezirklichen Veterinäramt das Tier zunächst betäuben und zum Halter zurückbringen könnten.

Wenn das Fangen nicht gelingen sollte, kann das Wallaby in freier Wildbahn überleben?

„Das ist nicht das erste Mal, dass in Deutschland Wallabys abhandenkommen“, sagt Ehlers. Die Tiere können dem Experten zufolge auch in freier Wildbahn überleben. Vor zwei oder drei Jahren habe er einen ähnlichen Fall im Landkreis Barnim erlebt. In dem Fall seien die Tiere ebenfalls bis nach Berlin gekommen. „Je länger das Tier draußen lebt, desto eher verwildert es wieder“, so Ehlers. Auch in Baden-Württemberg leben Ehlers zufolge drei Wallabys in freier Wildbahn.

Was sollten Menschen tun, die das Tier sichten?

„Die Polizei ist zunächst der beste Ansprechpartner“, sagt Wildtierexperte Ehlers. Zwar sei sie nicht dafür ausgebildet, das Wallaby zu fangen. Sie könne aber den Halter kontaktieren und Experten wie Ehlers hinzuziehen, um das Tier einzufangen. Wer das Wallaby sieht, sollte also die Polizei rufen und das Tier idealerweise mit einem großen Abstand beobachten und begleiten, sodass der aktuelle Standort weitergegeben werden kann. Außerdem gilt, sagt Ehlers: „Nicht auf das Tier zugehen, es nicht einengen, nicht versuchen, es zu fangen, das Wallaby nicht anfassen.“