Hupkonzerte, wütende Autofahrer am Steuer, eine Fahrradfahrerin, die die Fahrzeugschlange auf dem Radweg umfahren muss: Die Verkehrssituation am Mittwochmorgen auf der Elsenstraße ist gewohnt chaotisch – und eine geeignete Kulisse für die Grünen, die zwei Wochen nach Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 zu einem Pressetermin eingeladen haben, um ihren Forderungen nach Verkehrsregulierung Nachdruck zu verleihen. Diese wollen die Grünen in Form eines Dringlichkeitsantrags am Donnerstag im Plenum einbringen.

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„Durch die Zunahme des Verkehrschaos hat die Bereitschaft, Regeln einzuhalten, noch weiter abgenommen“, erklärte Antje Kapek, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus. „Schon bei 25.000 Kfz pro Tag, die über die Elsenbrücke gefahren sind, hatten wir hier Verkehrschaos.“ Die Autobahn GmbH habe mitgeteilt, dass es nun durch die neue Autobahnanbindung das dreifache sei. „Ich mache seit 20 Jahren Politik und habe noch nie gesehen, dass die Polizei an einer regulären Kreuzung, also nicht vor einer Schule, die Schulwegsicherheit sicherstellen muss. Das ist auf gut Deutsch die Anerkennung des absoluten Ausnahmezustands“, sagte sie mit Blick auf die Einsatzkräfte, die an diesem Morgen an der Kreuzung standen.

Grünen-Politikerin Antje Kapek im Gespräch mit zwei Polizeikräften, die den Verkehr am Treptower Park überwachen.
Grünen-Politikerin Antje Kapek im Gespräch mit zwei Polizeikräften, die den Verkehr am Treptower Park überwachen.© Alexander Rothe | Alexander Rothe

A100: Das sind die Forderungen der Grünen, um das Verkehrschaos zu beenden

„Wir schließen uns der Forderung an, dass es eine Sperrung des Teilstücks geben muss, weil das eine Situation ist, die weder vom Planfeststellungsverfahren gedeckt ist, noch in irgendeiner Art und Weise verkehrssicher“, sagte Claudia Leistner, Bezirksstadträtin aus Treptow-Köpenick – ebenfalls Grüne.

Zudem müssten Ampelschaltungen geändert und Bus- und Fahrradspur geschützt werden. Der Linienverkehr über die Elsenbrücke ist weiterhin gesperrt. „Gerade mit Blick auf ältere Menschen und Schulkinder, die auf den Bus angewiesen sind, ist es aus unserer Sicht unverantwortlich“, ergänzte ihre Amtskollegin aus Friedrichshain-Kreuzberg, Annika Gerold (Grüne). „Es kann nicht sein, dass der ÖPNV in irgendeiner Form derart gegenüber dem Kfz benachteiligt wird.“

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Weiterhin: „Wir brauchen dringend ein Verkehrskonzept für die anliegenden Kieze“, sagte Gerold. Die Mittel für diese, so ihre Kollegin aus Treptow-Köpenick Leistner, werden nicht mehr durch den Senat gestellt. „Dafür werden wir als Bezirk nun selbst Geld in die Hand nehmen.“

Grüne werfen Verkehrssenatorin mangelnde Kommunikation vor

Die beiden Grünen-Bezirksstadträtinnen werfen Verkehrssenatorin Bonde außerdem vor, nicht mit ihnen zu sprechen. „Wir sind sehr abgespeist worden in den letzten Monaten und Jahren“, beschwerte sich Gerold. Hinsichtlich der Lösungsansätze für die aktuellen Verkehrsprobleme habe es bislang keine Absprachen mit ihrem Bezirk gegeben, behauptet auch Leistner. In beiden Bezirken seien Resolutionen zu dem Thema eingebracht worden.

Für Freitag sei ein Krisentreffen im Rathaus Treptow-Köpenick anberaumt. Eingeladen sind laut Leistner die BVG, die Polizei, der FUSS e. V., der ADFC sowie die Verkehrssenatorin. „Bisher haben wir aber noch keine Zusage von der Senatsverkehrsverwaltung.“

Im Mobilitätsausschuss am Mittwoch wollen die Grünen darüber hinaus Bonde auffordern, die Simulation für den Verkehr nach Öffnung des 16. Bauabschnitts offenzulegen. „Wir werden darauf bestehen, dass man uns erläutert, an welcher Stelle Fehlannahmen getroffen wurde“, sagte Kapek. „Wenn sie sich weigert, werden wir Akteneinsicht beantragen.“