Trotz seiner Finanznöte leistet sich das Land Berlin für seine Beamten und Angestellten immer noch viel zu große Arbeitsräume. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Senatsfinanzverwaltung hervor. Anstatt der seit Jahren vereinbarten 15,2 Quadratmetern im Durchschnitt pro Kopf stehen den Landesbediensteten immer noch knapp 20 Quadratmeter zur Verfügung. Die Flächennutzung sinkt nur langsam. Die vielen vom Senat angemieteten Büros verursachen erhebliche Kosten für den Landeshaushalt.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
In den Chefetagen von Landesämtern, Senatsverwaltungen und Bezirksämtern genießt das Thema keine hohe Priorität. Von 41 Verwaltungseinheiten haben nur eine Handvoll dargelegt, wie sie in absehbarer Zeit den Richtwert von 15,2 Quadratmetern erreichen wollen. Das sind der Rechnungshof, die Bezirke Lichtenberg und Mitte sowie die Senatsverwaltungen für Finanzen und für Wirtschaft. „Insgesamt sind die Bemühungen der Verwaltungen zur Flächenreduzierung wenig ambitioniert“, schreiben die Beamten von Finanzsenator Stefan Evers (CDU).
Das Ziel ist, teuer angemietete Immobilien aufzugeben und Landesgebäude zu nutzen
Wegen der schleppenden Umsetzung der Vorgaben denkt die Finanzverwaltung darüber nach, in der nächsten Legislaturperiode eine zentrale Personalplanung einzuführen, um schneller den kostspieligen Flächenverbrauch zu reduzieren. Die Beschäftigten könnten zusammenrücken, man könnte den Homeoffice-Anteil und das flexible Arbeiten ausweiten. Ziel ist es, teuer angemietete Immobilien aufzugeben und die Mitarbeitenden in landeseigenen Gebäuden unterzubringen.
Die Mieten, die die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) als Verwalterin der Landes-Objekte verlangt, liegen oft noch unter zehn Euro pro Quadratmeter und damit zwei bis dreimal unter dem, was private Vermieter abrechnen. Das gilt auch dann noch, wenn sich die BIM wie beauftragt für neu hergerichtete Gebäude mit guten Standards stärker an den Preisen auf dem freien Büromarkt orientiert.
Freie Landesgebäude könnten auch an Dritte vermietet werden
Frei werdende Flächen in eigenen Objekten könnte die BIM auch an freie Träger oder private Unternehmen vermieten und so echte Einnahmen erzielen, so die Vision der Finanzverwaltung. All das erfordert aber langfristige Konzepte, denn Mietverträge müssen auslaufen, Ersatzquartiere hergerichtet und die technische Ausstattung verbessert werden.
In dem Bericht geht es um 85.000 Landesbedienstete, die zusammen fast 1,7 Millionen Quadratmeter belegen. Die Unterschiede zwischen den Dienststellen sind erheblich. So nutzt jeder Bezirks-Beschäftigte 21,6 Quadratmeter, in den Landesämtern sind es sogar knapp 25. Bei den Gerichten, die oft in historischen Gebäuden sitzen, sind es über 30. Polizisten wiederum sind dem Richtwert mit 15,7 Quadratmetern schon ziemlich nahe. Nur das Landesverwaltungsamt, die Senatsverwaltung für Soziales und die Feuerwehr haben das Flächenziel schon erreicht.
Der Finanzsenator geht davon aus, dass der Personalbestand sinken wird
Das Thema Büroflächen pressiert, weil Berlins öffentlicher Dienst vor massiven Veränderungen steht. Bis 2030 wechselt ein Drittel der Beschäftigten in den Ruhestand, weitere scheiden aus anderen Gründen aus. Der Finanzsenator geht davon aus, dass Berlin künftig weniger Menschen beschäftigen wird als bisher.
Gleichwohl erreichen die Finanzverwaltung immer noch zahlreiche Anträge, neue Gebäude anmieten zu dürfen. Seit Jahresbeginn 2024 wurden 64 solcher Anträge gestellt. 22 haben Evers‘ Beamte abgelehnt. Zustimmung ab es fast nur, wenn die Behörden landeseigene Flächen beziehen wollten, wenn es um Übergangsphasen ging oder wenn belastbare Konzepte zur Flächenreduzierung vorlagen.
Wie auch immer es sich entwickelt: Senat muss den Flächenverbrauch besser steuern
Noch ist nicht absehbar, wie viele Menschen in den kommenden Jahren noch in welchen Funktionen für Berlin arbeiten werden. Im Zuge der Verwaltungsreform sollen viele Aufgaben wegfallen, die Digitalisierung viele Prozesse effizienter machen.
Der Bericht präsentiert zwei Szenarien bis 2030, die beide aktiver Steuerung durch den Senat bedürfen. Die erste Variante geht von einem gleichbleibenden Personalbestand aus. Dann müssten die Dienststellen 71.000 Quadratmeter Fläche zusätzlich beschaffen. Denn in den nächsten fünf Jahren laufen Mietverträge für 219.000 Quadratmeter aus. Diesen Verlusten stehen bisher nur 148.000 zusätzlich gesicherte Quadratmeter durch bestehende Umzugspläne oder in den nächsten Jahren fertig zu stellende Landesflächen entgegen.
Sollten die Personalzahlen nur um zehn Prozent schrumpfen, würde der Bedarf deutlich sinken. Mit den bereits avisierten zusätzlichen Flächen hätte Berlin in fünf Jahren 200.000 Quadratmeter Bürofläche zu viel. Zum Vergleich: Das wäre dreimal der neue Amazon-Tower an der Warschauer Brücke.





