Die Suche nach einem Spitzenkandidaten der Berliner SPD für die Abgeordnetenhaus-Wahlen im September 2026 hat offenbar Fortschritte gemacht. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Steffen Krach (46) für die Sozialdemokraten den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner von der CDU herausfordern und die Bewerber von Grünen und Linken hinter sich lassen. Noch ist Krach gewählter Regionspräsident der Region Hannover. Eine endgültige Entscheidung über den Wechsel ist noch nicht gefallen. Eine offizielle Bestätigung für die Top-Personalie gibt es noch nicht. Landeschef Martin Hikel ließ wissen, man sei in „vertraulichen Gesprächen“.

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Der Politologe Krach ist zwar in Hannover geboren und in Niedersachsen aufgewachsen, aber in Berlin alles andere als ein Unbekannter. Bis 2021 war er unter dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der auch das Wissenschaftsressort leitete, als Staatssekretär de facto amtierender Wissenschaftssenator und genoss seinerzeit in der Landespolitik, aber auch in der Wissenschaft hohes Ansehen. In seine Amtszeit fällt eine mit Müllers politischer und finanzieller Unterstützung ermöglichte goldene Zeit für Berlins Wissenschaftslandschaft mit zahlreichen neuen Projekten.
Steffen Krach wurde in Niedersachsen für das Amt des Wirtschaftsministers übergangen
Krach gilt als politisches Ziehkind des früheren Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner, arbeitete als dessen Referent, war aber auch für die SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres (2011 bis 2016) tätig. In der Bundespolitik ist der 46-Jährige gut vernetzt, leitete zwei Jahre die Bund-Länder-Koordination der SPD-Bundestagsfraktion. Er galt schon lange als einer der aufstrebenden Köpfe in der SPD, die nach höheren Ämtern streben könnten. Als es aber darum gegangen war, Niedersachsens neuen Ministerpräsidenten Olaf Lies als Wirtschaftsminister zu beerben, war Krach im April dieses Jahres jedoch leer ausgegangen. Der Posten ging an den niedersächsischen SPD-Fraktionschef Grant Hendrik Tonne.

Dem Vernehmen nach könnte Krach nun der Personalvorschlag der beiden SPD-Landesvorsitzenden Nicola Böcker-Giannini und Martin Hikel werden. Die beiden Vertreter des rechten SPD-Flügels wollen den Namen der Spitzenpersonalie am 22. September bekannt geben. Auch mit dem einflussreichen linken Parteiflügel um den Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, wird der Name Krach derzeit diskret ventiliert, wie die Morgenpost aus Partei- und Fraktionskreisen erfuhr.
Der mächtige Fraktionschef Raed Saleh würde Kandidatur von Krach unterstützen
Saleh, dem viele inner- und außerhalb der Partei ein großes Interesse an einer Kandidatur für das Rote Rathaus nachsagen, wäre bereit, eigene Ambitionen zugunsten eines aussichtsreicheren Bewerbers zurückzustellen und Krach zu unterstützen.
Es ist wohl Krach selbst, der nun eine gewisse Eilbedürftigkeit für eine Personalentscheidung sieht. Sein Posten als Verwaltungschef der Region um die niedersächsische Landeshauptstadt, den er 2021 in einer Kommunalwahl gewann, ist nur bis Ende nächsten Jahres sicher. Denn die Amtszeit der Regionspräsidenten dauert fünf Jahre. Krach müsste also zumindest intern demnächst sagen, ob er in Niedersachsen weitermachen möchte. Noch dringlicher sind die Parteiwahlen. Krach ist Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Region Hannover, aber auch Beisitzer in dem übergeordneten Bezirk Hannover, den bisher Bundestags-Fraktionschef Matthias Miersch leitet.
Krach steht vor schwierigen Parteiwahlen in Hannover und muss sich schnell entscheiden
Dort stehen am 27. September beim Bezirksparteitag Vorstandswahlen an. Krach hat sich auf die Bewerberliste schreiben lassen. Er wirbt für sich mit dem Versprechen, die SPD noch stärker zum Bollwerk gegen rechts zu machen und durch qualifizierte, respektvolle Arbeit auf der Kommunalebene das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Wie es in der niedersächsischen Presse heißt, habe Krach aber keine großen Chancen in dem „Machtkampf“ um die Miersch-Nachfolge
Ehe sich in Berlin das Pendel in Richtung Krach neigte, waren neben Saleh auch andere Namen für die SPD-Spitzenkandidatur genannt worden. Ex-Handwerkspräsident und Wirtschaftssenator Stephan Schwarz, der nach der Wiederholungswahl 2023 und dem Ende des rot-grün-roten Senats von Franziska Giffey in die SPD eingetreten war, hat ebenso abgesagt wie der Spandauer Bundestags-Wahlkreisgewinner Helmut Kleebank.
Franziska Giffey hatte mit Ruf nach Mitgliederentscheid die Linie des Vorstandes verlassen
Auch Ex-SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert war im Spiel. Der Schöneberger ist aber zehn Monate nach seinem gesundheitsbedingten Ausstieg aus der Politik im Oktober 2024 noch keine Option. Es wäre leicht, ihm mangelnde Belastbarkeit für den Knochenjob eines Regierungschefs vorzuhalten. Zuletzt war Kühnert aber wieder in den Medien präsent, in der SPD wird ein Comeback des einstigen Hoffnungsträgers nicht ausgeschlossen.

Deutliches Interesse an einer erneuten Spitzenkandidatur hatte in den vergangenen Monaten Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey erkennen lassen. Aber die frühere Regierende Bürgermeisterin (2021 bis 2023) und Bundesministerin ist bei vielen Parteifunktionären nicht gut angesehen. Sie werfen ihr vor, nach den Wahlen 2023 nicht die Chance ergriffen zu haben, ihre linke Koalition auch mit der erreichten knappen Mehrheit weiterzuführen und stattdessen Juniorpartner der CDU zu werden. Zuletzt hatte sie viele in der SPD-Führung mit dem Ruf nach einem Mitgliederentscheid zur Spitzenkandidatur verärgert, bei dem sie sich bessere Chancen ausrechnet. Mit Krach könnte es nun einen Kandidaten geben, hinter dem sich die SPD komplett versammelt.





