Gut zwei Wochen vor dem Start der Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin am 1. August sieht sich die Deutsche Bahn gut vorbereitet auf die gigantische Baustelle und die neunmonatige Vollsperrung. Am Donnerstag stellten zwei Verantwortliche den Stand der Planung vor: Karsten Erhardt, Leiter Infrastrukturprojekte Ost bei der Deutsche-Bahn-Tochter DB InfraGO und Julian Fassing, Projektleiter Generalsanierung Hamburg–Berlin bei der DB InfraGO. Das Großprojekt folgt auf die Anfang des Jahres abgeschlossene an die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim.

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Auch bei diesem Projekt sind allein die Zahlen gigantisch. Auf 280 Kilometern Strecke durch fünf Bundesländer sollen 28 Bahnhöfe und Stationen saniert und mit mehr Komfort ausgestattet werden. Darunter sind 13 in Brandenburg: Seegefeld, Falkensee, Finkenkrug, Brieselang, Nauen, Paulinenaue, Friesack (Mark) (alle im Havelland), Neustadt (Dosse), Breddin (beide Landkreis Ostprignitz-Ruppin), Glöwen, Bad Wilsnack, Wittenberge und Karstädt (alle in der Prignitz).

Bauarbeiten am Schienennetz der Deutschen Bahn
In Ludwigslust arbeiten Bauarbeiter an einer neuen Bahnunterführung für Fahrzeuge und Fußgänger am Bahnhof - ab 1. August an will die Bahn die Hauptstrecke zwischen Hamburg und Berlin erneuern. © Jens Büttner/dpa | Jens Büttner

Insgesamt elf Stationen davon sollen sogenannte Zukunftsbahnhöfe werden. Sie bieten nach Angaben der Bahn mehr Komfort durch verstärkten Wetterschutz, neue Wartemöbel, mehr Barrierefreiheit, umweltfreundliche Beleuchtung und bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Auch die Station Berlin-Albrechtshof in Spandau soll ein Zukunftsbahnhof werden.

„Manche Stellkwerke laufen noch mit 286-er Rechnern und Disketten“

165 Kilometer Gleise werden komplett erneuert, weitere 61 Kilometer instandgesetzt. 249 Weichen werden eingebaut, auf 25 Kilometern werden Oberleitungen getauscht, auf 22 weiteren erneuert. Dazu kommen sechs sogenannte Überleitstellen, an denen Züge auf Gleise in andere Richtungen geleitet werden können.

Eine der größten Herausforderungen seien die Stellwerke, erläuterte Julian Fassing bei dem Pressegespräch: sechs Stellwerke entstehen neu, 19 werden modernisiert und angepasst. Es gebe heute noch immer komplett mechanische Stellwerke, und selbst jene, die nach der Wiedervereinigung ab den 1990er-Jahren im Zuge der ersten Erneuerung der Strecke modernisiert wurden, seien heute extrem veraltet, so Julian Fassing: „Manche laufen noch mit 286-er Rechnern und Disketten.“

Umleitung für den Fernverkehr: Die Bahnstrecke Berlin-Hamburg wird für mehrere Monate wegen einer Gesamtsanierung der Strecke gesperrt.
Streckensperrung bei der Bahn ab 1. August: Wer nach Büchen, Ludwigslust oder Wittenberge will, muss den Ersatzverkehr nutzen.© Berliner Morgenpost Infografik/OSM | C. Schlippes /Deutsche Bahn/dpa

2,22 Milliarden Euro sind für die Sanierung veranschlagt, bei der die vielfrequentierte Strecke mit aktuell 470 Zügen und bis zu 30.000 Fahrgästen pro Tag ab 1. August und bis 30. April 2026 komplett gesperrt wird. Auf verschiedenen Routen werden Güter- und Personenverkehr umgeleitet. Allein sieben große Unternehmen sind betroffen, die ihre Güter über die Bahn transportieren.

Größter Schienenersatzverkehr, den die Bahn je organisiert hat

Für die Fahrgäste bedeutet die Sperrung längere Fahrtzeiten und viele Unwägbarkeiten. Während der Fernverkehr über Stendal und Uelzen umgeleitet wird, werden viele Regionalzüge ausfallen. Dafür wurde ein umfangreiches Ersatzverkehrskonzept erstellt. Pendler müssen aber mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen: Eine Fahrt von Wittenberge im Nordwesten Brandenburgs zum Berliner Hauptbahnhof wird nicht mehr eineinhalb Stunden dauern, sondern dreieinhalb Stunden. Von Perleberg nach Berlin wird es mit dem Ersatzverkehr drei Stunden dauern. Derzeit sind es knapp zwei Stunden. Einige Regio-Linien seien für die Umleitungen eigens geschaffen worden, so die Deutsche Bahn, zwei Richtung Berlin, eine nach Lübeck. Von den Bauarbeiten betroffene Anwohner seien direkt informiert worden, etwa zu Lärm.

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Allein der Schienenersatzverkehr mit Bussen soll 86.000 Kilometer Strecke abdecken, hieß es am Donnerstag. Es sei der mutmaßlich größte Schienenersatzverkehr, den man je organisiert habe. Wie kompliziert die Wege nach Hamburg ab 1. August werden, verdeutlicht allein die Karte für die Umleitungen und den Schienenersatz verkehr, die die Bahn inzwischen ins Netz gestellt hat, samt Antworten auf zahlreiche weitere Fragen der Fahrgäste.

„Wie schaltet man eigentlich 280 Kilometer Oberleitung ab?“

Entfallende Halte werden von Bussen angefahren, heißt es, jedoch teils mit erheblich längeren Fahrzeiten. Inzwischen sei auch die Versorgung mit ausreichend Bussen sichergestellt, die unter anderem über Lademöglichkeiten und Wlan verfügen sollen, hieß es. Bis nach Berlin fahren die Ersatzbusse allerdings nicht – um zu vermeiden, dass sie im Hauptstadtstau landen. Stattdessen enden sie an Bahnhöfen, wo noch Züge halten, die ab hier wiederum nach Berlin fahren: etwa Wustermark, Elstal oder Dallgow-Döberitz.

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Ob wirklich alles klappt, räumen die Bahn-Planer ein, werde sich in den ersten ein, zwei Wochen zeigen. Man habe einen gewissen zeitlichen Puffer eingeplant, außerdem aus Fehlern bei der Riedbahn gelernt, so Projektleiter Julian Fassing: „Wir vermeiden nun, dass zu viele Dinge parallel an der Strecke erneuert werden, etwa zeitgleich Schienen und Stellwerktechnik.“ Gleichzeitig kämen auch überraschende Fragen auf. „Wie schaltet man eigentlich 280 Kilometer Oberleitung ab? Damit beschäftigen wir uns gerade.“ Voraussichtlich werde das einige Tage dauern. 

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Bahn setzt auch auf Erfahrung seiner älteren Mitarbeiter

Fassing geht davon aus, dass innerhalb der ersten sieben Bautage bereits die Bagger anrücken. Geplant sei, dass die Arbeiten an den Gleisen bis zum Jahresende erledigt werden. Danach folge dann die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik.

Was für die veraltete Technik gilt, gilt übrigens nicht für das Personal der Bahn. Es gebe viele Mitarbeiter, die auch schon bei der ersten Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin in den 1990er-Jahren dabei gewesen, hieß es. Sie seien bei der jetzigen Generalsanierung besonders wertvoll, denn sie brächten nun viel nützliches Fachwissen mit, hieß es.