Im Fall des wegen seiner Homosexualität von Schülern gemobbten Berliner Lehrers Oziel Inácio-Stech gerät nun zunehmend auch Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) in die Kritik. Am Freitag hatte Günther-Wünsch zugegeben, doch schon früher – nämlich im Dezember 2024 – von den Vorgängen an der Carl-Bolle-Schule in Moabit erfahren zu haben. Vor rund einer Woche hatte sie noch gesagt, sie habe das anwaltliche Beschwerdeschreiben von Inácio-Stech erst im Mai gelesen.

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„Dass die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch jetzt versucht, ihr Versagen im Fall des gemobbten Lehrers Oziel Inácio-Stech mit zwei halbgaren Sätzen an die Medien auszuräumen, zeugt von schlechtem Stil!“, kritisiert die Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, Bettina Jarasch. „Das Mindeste ist jetzt eine echte Entschuldigung von ihrer Seite an den Betroffenen und ein angemessener Umgang mit seiner Beschwerde.“

Grüne fordern unabhängige Beschwerdestelle in Bildungsverwaltung

Das offensichtliche Versagen der Bildungsverwaltung müsse aber auch strukturelle Konsequenzen haben. „Es braucht sofort eine unabhängige Beschwerdestelle“, fordert Jarasch. Der Vorgang werfe Fragen zur Amtsführung von Günther-Wünsch auf. „Es kann nicht sein, dass sich Berliner Lehrkräfte mit Problemen erst an Anwälte und die Öffentlichkeit wenden müssen, um von der zuständigen Verwaltung Hilfe zu bekommen“, moniert die Grünenpolitikerin. Lehrerinnen und Lehrer dürften mit ihren Problemen nicht derart allein gelassen werden.

Günther-Wünsch hatte ihr Versehen am Freitag mit technischen Problemen erklärt. „Die fehlerhaften Angaben im Bildungsausschuss am 5. Juni und im Plenum am 12. Juni beruhten auf dem damaligen Stand der internen Prüfung“, erläuterte die CDU-Politikerin. Im sogenannten elektronischen Postbuch sei das Schreiben nicht erfasst gewesen. „Dass mir das Vorliegen des Schreibens nicht mehr erinnerlich war, bedauere ich.“

Katharina Günther-Wünsch muss ihre Version der Geschehnisse korrigieren

Oziel Inácio-Stech wurde nach eigenen Angaben von Schülern aus muslimischen Familien monatelang beschimpft, beleidigt und gemobbt. Er beklagt außerdem Mobbing und falsche Vorwürfe durch eine Kollegin. Sein Anwalt hatte im Dezember 2024 per Einschreiben mit Rückschein einen Brief an die CDU-Politikerin geschickt. 

Günther-Wünsch hatte im Abgeordnetenhaus vor acht Tagen erklärt, das umfangreiche Beschwerdeschreiben zunächst nicht gelesen zu haben. Das Schreiben sei an sie persönlich adressiert gewesen und im Dezember in ihrem Büro eingegangen. 

Es sei an die zuständige Stelle in der Bildungsverwaltung weitergeleitet worden. Sie selbst habe es aber erst im Mai gelesen. Als „Person des öffentlichen Lebens“ könne sie nicht jeden an sie adressierten Brief lesen, erläuterte Günther-Wünsch noch vor gut einer Woche. Nun musste sie zurückrudern.