Zusammenfassung
- Karolin Krause hatte im September 2022 eine Magenbypass-Operation, die ihr Leben verändert hat.
- Nach der OP verliert sie viel Gewicht und beginnt mit dem Laufen.
- Auf Instagram will sie andere Menschen mit Adipositas zu ermutigen, Hilfe zu suchen.
Wenn Karolin Krause von ihren Plänen für die Zukunft erzählt, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ihr Leben bis vor wenigen Jahren noch ein ganz anderes war. Für 2026 ist sie beim Hamburg-Marathon angemeldet und will dieselbe Distanz, allerdings mit erheblich mehr Höhenmetern, beim Rennsteiglauf in Thüringen absolvieren. Für das Jahr darauf hat sie sich bereits den Rom-Marathon vorgenommen und will beim Rennsteiglauf dann sogar über die 74 Kilometer lange Ultra-Strecke starten. „Schon damals“, sagt sie, „hatte ich den Gedanken, dass ich mal über die Ziellinie eines Marathons laufe.“ Mit damals meint sie: die Zeit, in der sie 180 Kilogramm gewogen hat.
Das war im Jahr 2019. Karolin Krause hat, so erzählt sie selbst es, ihr Leben lang mit Übergewicht zu kämpfen gehabt. Hat Diäten gemacht, abgenommen – die verlorenen Kilos aber schnell wieder zugelegt. 2019 erreicht ihr Gewicht einen Höchststand und löst in Krause den Impuls aus, dass sich etwas ändern muss. Wieder nimmt sie ab, ganze 60 Kilo in den folgenden Monaten, „vor allem durch Sport und Fahrradfahren“, sagt sie. Doch auch dieses Mal ist der Erfolg nicht von Dauer.
Kampf gegen Adipositas: „Der erste Arzt, der gesagt hat: Ich verstehe Sie“
Als das Gewicht wieder nach oben klettert, merkt die Brandenburgerin, dass sie allein nicht weiterkommt. Bei einer Online-Suche findet sie das Adipositas-Zentrum von Vivantes in Spandau und lernt den Chefarzt Jürgen Ordemann kennen, der verspricht: Ich helfe Ihnen. „Er war der erste Arzt, der mich nicht verurteilt hat, sondern gesagt hat, ich verstehe Sie“, erzählt sie.
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Nachdem sie Jahre lang von Ärzten immer wieder nur gehört habe, sie müsse abnehmen und sich mehr bewegen, lernt Krause nun, dass Adipositas eine chronische Krankheit ist. „Das war der Gamechanger“, so die 37-Jährige. In den nächsten sechs Monaten bekommt sie eine Ernährungsberatung, erstellt ein Bewegungsprotokoll und wird psychologisch betreut. Trotzdem bleibt es ein Auf und Ab, auch wenn sie der Wille da ist, abzunehmen. „Es wird Dicken oft nachgesagt, dass sie willensschwach sind“, sagt Krause. „Aber das sind sie nicht.“ Nur ist es alles andere als leicht, die Krankheit zu überwinden.
„In den stillen Momenten waren die Zweifel da“
Karolin Krause wird von ihrer Krankenkasse schließlich einen Magenbypass bewilligt. Am 26. September 2022 ist es so weit. Krause erinnert sich noch an die Aufregung und die „absolute Freude“. Vor allem, weil sie vorher den Tiefpunkt ihres Lebens erreicht hatte. „Ich hab mich selber nicht mehr sehen, nicht mehr ertragen können. Es war alles nur noch schwer.“ Lange habe sie sich Dinge schöngeredet. „Du sagst dir, du kannst dir noch die Schuhe zubinden, du kannst dich noch waschen. Und dann fällt dir auf: Eigentlich kann ich das alles gar nicht mehr. Eigentlich bin ich mit meinem ganzen Leben vollkommen überfordert.“ Diese OP ist deshalb auch viel mehr als nur ein medizinischer Eingriff, bei der Krauses Magen verkleinert wird. Sie sagt: „Es war meine Rettung.“
Denn die Operation hat Krauses Leben auf den Kopf gestellt, ob das die Familie, das Umfeld, die Arbeit oder ihr Selbstbewusstsein betrifft. Wer Karolin Krause heute trifft, begegnet einer Frau, die viel und herzhaft lacht, die ohne Scheu und mit fester Stimme von sich erzählt. „Ich war auch früher schon eine Rampensau und habe immer vergessen, wie ich aussah“, sagt sie. „Aber in den stillen Momenten waren die Zweifel doch da.“
Beim ersten Lauf mit ihrem Sohn muss Karolin Krause weinen
Auch wenn es normal ist, im Jahr nach der OP fast von allein stark abzunehmen, sagt Krause zugleich, dass sie selbst viel dafür tut, heute bei einem Gewicht von gut 70 Kilogramm angekommen zu sein. Sie isst anders und viel bewusster. Und sie beginnt, im Januar 2023 ins Fitnessstudio zu gehen, fängt wenig später auch das Laufen an. Der Osterlauf um den Schlachtensee ist in dem Frühjahr ihr erstes offizielles Rennen. „Das war der Anfang vom Ende“, sagt sie und lacht.

Im September 2023 steht sie das erste Mal gemeinsam mit ihrem Sohn an der Startlinie des Berliner Tierparklaufs. Bei dem Lauf habe sie viel geweint, erinnert sich Krause, denn: „Ich habe ganz viel von meinem Sohn verpasst.“ Dabei geht es um vermeintliche Kleinigkeiten. Etwa, dass sie aufgrund ihres Gewichts nicht einfach auf dem Spielplatz zusammen die Rutsche herunterrutschen konnten. Umso größer ist das Glück darüber, was heute alles möglich ist. Dazu gehören regelmäßige Laufevents, mit ihrem Sohn und alleine. Der Sport ist zu ihrer Leidenschaft geworden. Im Oktober wird Krause so als Teil des offiziellen Morgenpost-Laufteams am Berliner Morgenpost Great 10K teilnehmen.
5000 Follower verfolgen auf Instagram ihre Geschichte
Ihre Geschichte und ihren Alltag teilt Krause über ihren Account karo_nimmt_ab auch mit mehr als 5000 Followern auf Instagram. Dort will sie anderen an Adipositas erkrankten Menschen zeigen, dass sie sich Hilfe holen können und was man schaffen kann. Und sie will Aufklärung betreiben in der Läufer-Community, in der sich viele noch nie mit dem Thema beschäftigt haben. Bestärkt wird Krause von Menschen, die ihr schreiben, dass sie aufgrund ihrer Beiträge selbst ihre Laufschuhe eingepackt haben. Auf der anderen Seite bleiben aber auch negative Kommentare nicht aus. Die lässt Krause aber gar nicht erst an sich heran. „Es ist mein Weg, den teile ich mit Menschen. Jeder, der damit ein Problem hat, muss mir nicht folgen“, sagt sie.

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Vor wenigen Wochen konnte man auf Instagram auch verfolgen, wie Krause sich ihren langjährigen Traum, einmal über die Ziellinie eines Marathons zu laufen, erfüllt hat: Beim Thüringer Rennsteiglauf, den sie auch für die kommenden Jahre bereits eingeplant hat, ist sie im Mai zum ersten Mal die 42 Kilometer bewältigt. Trotz Magen-Darm-Problemen und Krämpfen. Krause glaubt, es war ihre mentale Stärke, die sie sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat, die sie durch das Rennen getragen hat.
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Bei all den Läufen geht es ihr aber weniger darum, Bestzeiten zu jagen. Vor allem will sie die Events genießen und sich das Besondere bewahren. „Ich will nicht, dass es zur Normalität wird“, sagt die 37-Jährige. Denn die Rennen stehen auch dafür, was sie erreicht hat. „Jedes Mal, wenn ich über die Ziellinie laufe, denke ich: Das ist das Leben, dass du dir erkämpft hast.“
Der Berliner Morgenpost Great 10K findet am 12. Oktober mit Start und Ziel am Schloss Charlottenburg statt, zur Auswahl stehen zehn Kilometer oder die Kurzdistanz über 4,2 Kilometer. Alle Details zum Laufevent gibt es unter berlin-laeuft.de/great10k






