Der Mann hat in seiner Amtszeit vier Regierende Bürgermeister erlebt. Und als Jan Eder am Mittwoch im Ludwig Erhard Haus an der Fasanenstraße nach 22 Jahren als Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer mit einer launigen Revue verabschiedet wurde, waren natürlich Eberhard Diepgen (1984-1989 und 1991-2001) Klaus Wowereit (2001-2014), Michael Müller (2014-2021), Franziska Giffey (2021-2023) und auch der amtierende Senatschef Kai Wegner unter den 250 Gästen an der Fasanenstraße.

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„Die Stadtgesellschaft verneigt sich vor einer Größe der Berliner Wirtschaft”, sagte IHK-Präsident Sebastian Stietzel, der letzte Vorgesetzte des ewigen Chefs des hauptamtlichen Kammer-Apparats mit seinen fast 500 Mitarbeitenden, den er seit 2003 führte. Vor einem guten Jahr hatte er seinen Abschied für 2025 angekündigt, inzwischen hat Ex-Senatorin Manja Schreiner das Geschäftsführer-Büro bezogen. „Jan Eder war über mehr als zwei Jahrzehnte die Konstante in der IHK Berlin“, würdigte Stietzel den 62-Jährigen. Er habe die Kammer als relevante Größe und Stimme der Berliner Wirtschaft in der Stadt und insbesondere gegenüber der Politik etabliert. „Dabei hatte er immer die Bedürfnisse der Berliner Unternehmen im Blick und legte in der öffentlichen Debatte gerne den Finger in die Wunde“, so der IHK-Präsident, der auch seine Vorgänger Eric Schweitzer, Beatrice Kramm und Daniel Jan Girl begrüßte.

Jan Eder zum Abschied von der IHK Berlin „Es war mir eine große Ehre“

„Jenseits von Eder“, so lautete das Motto. Viele geladene Gäste kamen später, wegen des Staus in der Innenstadt. Die Band „Der letzte infantile Gedanke“ mit zwei IHK-Mitarbeitenden gestaltete den musikalischen Rahmen mit einem Medley von Eders Lieblingsliedern. In mehreren Talk-Runden ließ Moderator Volker Wieprecht Eder und seine vielen Weggefährten auf das Wirken des aus Helmstedt gebürtigen Juristen für die 340.000 Berliner Kammer-Mitgliedsunternehmen Revue passieren. „Es war mir eine große Ehre, über eine so lange Zeit die Fahne und die Interessen der Berliner Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung hochzuhalten“, sagte Eder. Das sei „nicht immer konfliktfrei“ gewesen, „denn die Wirtschaft hatte – und hat – nicht immer einen leichten Stand in dieser Stadt“.

IHK-Präsident Sebastian Stietzel (links) und Ex-Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, hier mit Jan Eder beim IHK-Sommerfest, würdigten nach 22 Jahren im Amt den ausgeschiedenen IHK-Langzeitchef.
IHK-Präsident Sebastian Stietzel (links) und Ex-Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, hier mit Jan Eder beim IHK-Sommerfest, würdigten nach 22 Jahren im Amt den ausgeschiedenen IHK-Langzeitchef. © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Zum Abschied formulierte er ein ehrliches Begehren an die Stadt und ihre Politik. „Ich wünsche mir und den Berliner Unternehmen deshalb, dass die Politik die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen so gestaltet, dass die Wirtschaft wieder wachsen kann“, so der frühere Hauptgeschäftsführer: „Denn eine prosperierende Wirtschaft ist nun einmal die Basis für ein erfolgreiches Berlin.“

In den 22 Jahren von Eders Wirken wurde Berlin zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort

Eder hat seine ganze berufliche Laufbahn bei der Berliner IHK verbracht. 1992 begann er als Referent in der damaligen Abteilung Recht und Stadtentwicklung, wurde dann Bereichsleiter Personal sowie Geschäftsführer für Zentrale Funktionen. Im Jahr 2000 avancierte er zunächst zu stellvertretenden Hauptgeschäftsführer. Das Amt als Hauptgeschäftsführer übernahm er am 1. Januar 2003.

Zunächst musste sich der neue Chef noch mit massiven wirtschaftlichen Problemen herumschlagen. Der Neubau der Kammer, das „Gürteltier“ an der Fasanenstraße im Berliner Westen, war zu teuer geworden. Eder gelang es, diese Krise zu überwinden, auch indem er zahlungskräftige Mieter ins Haus holte. In seine Amtszeit fällt aber nicht nur die wirtschaftliche Gesundung der IHK, sondern auch der Aufstieg der Berliner Wirtschaft aus der Krise der 2000-er Jahre hin zu einem zumindest in teilen weltweitwettbewerbsfähigen Standort.

22 Jahre Hauptgeschäftsführer und 33 Jahre IHK Berlin seien eine lange Zeit, so Eder zum Abschied. Es sei ihm eine große Ehre gewesen, „über eine so lange Zeit die Fahne und die Interessen der Berliner Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung hochzuhalten“. Dies sei nicht immer konfliktfrei gewesen, „denn die Wirtschaft hatte – und hat – nicht immer einen leichten Stand in dieser Stadt. Zum Abschied, so Eder, wünsche er sich und den Berliner Unternehmen deshalb, „dass die Politik die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen so gestaltet, dass die Wirtschaft wieder wachsen kann. Denn eine prosperierende Wirtschaft ist nun einmal die Basis für ein erfolgreiches Berlin!“ Eder selbst plant nach seinem Abschied unter unter anderem, die jüdische Geschichte der IHK aufzuarbeiten.