Propalästinensische Aktivisten haben am Mittwochnachmittag den Emil-Fischer-Hörsaal der Humboldt-Universität zu Berlin besetzt. Nach Angaben eines Polizeisprechers waren die Aktivisten gegen 14 Uhr in das Gebäude eingedrungen. Die HU ließ das Gebäude räumen. „Das Präsidium der Humboldt-Universität zu Berlin hat entschieden, die Polizei um Räumung des Gebäudes zu ersuchen“, sagte eine Uni-Sprecherin.

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Einem Polizeisprecher zufolge mussten sich die Einsatzkräfte gewaltsam Zutritt zu dem Raum verschaffen, in dem sich die Aktivisten verbarrikadiert hatten. Nach und nach wurden alle Personen nach draußen geführt, um dort ihre Identität festzustellen. „Gegen alle Personen, die sich in dem Raum befinden, werden wir Strafermittlungsverfahren einleiten – mindestens wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs“, sagte der Sprecher der Polizei. Scheiben waren vielfach mit roter Farbe beschmiert worden, rote Hamas-Dreiecke wurden aufgemalt und auch strafbare Parolen wie „From the River to the Sea“ sind zu lesen.

Die Polizei war nach den Worten des Sprechers mit 300 Einsatzkräften vor Ort. Rund 90 Menschen seien aus dem Gebäude herausgeführt und ihre Personalien festgestellt worden, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Demnach leisteten die Besetzer, die auch Türen verbarrikadierten, bei der Räumung zumeist keinen Widerstand. Ein Mann habe die Einsatzkräfte angegriffen und sei bei der Auseinandersetzung mit Polizeibeamten verletzt worden. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die Besetzer schmierten rote Dreiecke, Erkennungszeichen der Terrororganisation Hamas, auf Scheiben.
Die Besetzer schmierten rote Dreiecke, Erkennungszeichen der Terrororganisation Hamas, auf Scheiben.© Julian Würzer | Julian Würzer

Aufgeheizte Stimmung vor Ort

Die Stimmung vor Ort war aufgeheizt. Vor der Universität riefen Aktivisten Parolen, aus dem Gebäude waren Krach und Schreie zu hören. Um kurz vor 17 Uhr ging das Ersuchen auf Amtshilfe von Seiten des HU-Präsidiums bei der Polizei ein. Einem Polizeisprecher zufolge hatten rund 100 Personen den Saal besetzt. Sie sollen die Türen verbarrikadiert haben. Wie Bilder zeigen, trugen Beamte Rammen ins Gebäude, um die Türen aufzubrechen.

Von den Besetzern wurden Banner aus den Fenstern gehängt. Die Aktion richte sich gegen die mögliche Ausweisung der vier pro-palästinensischen Aktivisten, die sich im Oktober 2024 an der Besetzung des Präsidiums der Freien Universität Berlin beteiligt hatten. Ihnen wird vorgeworfen, bei den Protesten im Oktober des vergangenen Jahres Beschäftigte mit Äxten und Knüppeln bedroht zu haben.

Polizisten haben das besetzte HU-Gebäude umstellt.
Polizisten haben das besetzte HU-Gebäude umstellt.© BM | Julian Würzer

Seit dem 7. Oktober 2023 immer wieder Uni-Besetzungen in Berlin

Inzwischen gibt es auch erste Reaktionen aus der Berliner Politik zu der Besetzung: „Ich setze sehr darauf, dass dieser Spuk kurzfristig beendet wird“, teilte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Martin Matz mit. „Schon die Symbolik der Hamas und Schriftzeilen wie ‚Bis zum Sieg‘ zeigen, dass es um Sympathisanten der verbotenen Terrororganisation Hamas geht – und die sind nie diskussionsbereit.“

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Seit dem 7. Oktober 2023 kommt es in Berlin immer wieder zu Besetzungen von Universitäten durch pro-palästinensische Aktivisten. Vor rund einem Jahr sorgte die Besetzung des sozialwissenschaftlichen Instituts der Humboldt-Universität für Aufsehen. Damals hatte die HU-Präsidentin Julia von Blumenthal die Besetzung zunächst für eine kurze Frist geduldet, der Polizei aber kein Hausrecht erteilt. Erst durch ein Machtwort des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) kam es letztlich zur Räumung des Gebäudes.

Mit Material von dpa; Mitarbeit: Chiara Lang