Viel Rauch um nichts? Das könnte man glauben, zumindest wenn man dem Neuköllner Emin A. zuhört. Der äußerte sich am Mittwoch am ersten Tag des lang erwarteten Prozesses gegen den sogenannten Raketen-Influencer Atallah Younes vor dem Berliner Landgericht. Dabei überraschte er Kammer und Staatsanwaltschaft gleichermaßen mit seiner Unbekümmertheit.

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Immerhin war es sein Schlafzimmer, das durch die Rakete des 23-jährigen Palästinensers am Silvesterabend 2024 fast ausgebrannt wäre. Die Tat, davon sind die Ermittlungsbehörden überzeugt, geschah gezielt und unter Vorsatz, um möglichst viele Klicks in den sozialen Medien zu generieren. Younes ließ sich beim Anzünden filmen, das Video wurde innerhalb kürzester Zeit sechs Millionen Mal aufgerufen.
Groll oder Ärger darüber sucht man bei Emin A. drei Monate nach der Explosion in den eigenen vier Wänden aber vergebens. Natürlich sei er zunächst erschrocken gewesen, sagte der 54-Jährige im Zeugenstand aus, nach dem Knall sei alles verrußt, das Fenster zerbrochen gewesen, und es hätten sich Glutnester gebildet. Er habe den Raum aber schnell wiederherstellen können, nur der „wertlose“ Teppich hätte weggeschmissen werden müssen. Der Raum sei weiterhin bewohnbar, „Es war nicht schlimm.“ Das hätten auch Polizei und Feuerwehr bestätigt. Aber: Es hätte natürlich auch anders kommen können, gab er zu.
Rakete in Wohnung geschossen: Entschuldigungsvideo sorgte im Netz für Diskussionen
Das schien auch Younes nach der Tat bewusst gewesen zu sein. In den sozialen Medien inszenierte er einen Entschudigungsbesuch bei Emin A., bat um Verzeihung und bot Kompensationen an. Darauf habe er aber verzichtet, sagte Emin A. „Warum?“, wollte der Vorsitzende Richter Raphael Neef verdutzt wissen. „Ich habe mich in die Lage seiner Eltern versetzt“, so der Familienvater. „Er war ein Tourist in einem fremden Land, das hätte auch meinen Kindern passieren können.“
Auch er habe am Anfang an Absicht geglaubt, sich aber von dem Gegenteil überzeugen lassen. Es sei ein Versehen gewesen. „Ich habe ihm den väterlichen Rat gegeben, so etwas nie wieder zu tun“, sagte der 54-Jährige. Das Video der Entschuldigung – mutmaßlich unter Beteiligung eines islamischen Friedensrichters entstanden – hatte im Januar für Diskussionen gesorgt. A. selbst kommt darin nicht zu Wort, sieht nur betreten zu Boden und wird körperlich von dem jungen Influencer geradezu vereinnahmt. Ob Druck auf ihn ausgeübt wurde, wollte die Staatsanwaltschaft denn auch wissen. „Nein“, sagte A. bestimmt. Beim Abschied lächelte Younes ihm zu und nickte kurz dankbar.
Younes sprach von „rassistisch motivierter Anklage“
Vor Gericht wollte sich der Influencer am Mittwoch allerdings nicht äußern. Sein Mandant werde im Moment keine Stellungnahme abgeben, sagte Verteidiger Axel Czapp. Der 23-Jährige wirkte mitgenommen, machte sich ständig Notizen. Das Dauer-Lächeln aus seinen bekannten Videos, die wieder und wieder im hochherrschaftlichen Gerichtssaal abgespielt wurden, fehlte. Kein Wunder, seit drei Monaten sitzt Younes in Untersuchungshaft, die Polizei nahm ihn am 4. Januar am BER fest, als er nach seinem Berlin-Silvester-Trip ausreisen wollte.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte schwere Brandstiftung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor. Er nannte das zuletzt „rassitisch motiviert“. Was auch die Meinung einiger Zuschauer im Saal war, die dem Verfahren teils mit Palästinenserschals um den Hals gewickelt folgten. „Wir sind hier, um Younes zu unterstützen“, sagten sie.





