Der aus dem Westjordanland stammende Influencer Atallah Younes muss mit einem Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Berlin rechnen, weil er am Silvesterabend in Neukölln eine Feuerwerksrakete durch ein offenes Fenster in ein Wohngebäude schoss. Gezielt, so die Ansicht der Staatsanwaltschaft, die nun Anklage gegen den 23-.Jährigen wegen versuchter schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung erhoben hat. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Younes, der die Tat selbst filmte und über Social Media verbreitete, war am 4. Januar von der Polizei wegen Fluchtgefahr am Flughafen BER festgenommen worden, als er abreisen wollte. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ein Haftprüfungsantrag seines Rechtsanwalts scheiterte.
Staatsanwaltschaft sieht vorsätzliches Handeln für Klicks auf Social Media

„Die Rakete traf das Fenster der Wohnung im dritten Obergeschoss und zerstörte es“, heißt es von der Staatsanwaltschaft. „Durch die brennende Rakete wurde das Mobiliar im Schlafzimmer des 53-jährigen Wohnungsinhabers beschädigt.“ Nur aufgrund seines schnellen Eingreifens, als er die brennenden Überreste der Rakete aus dem Fenster warf, habe ein Übergreifen des Feuers auf die Wohnung verhindert werden können. Die Familie des Mannes in der Wohnung und er selbst seien nur dadurch unverletzt geblieben.
Die StA hat Anklage gegen den Raketen-Influencer Atallah Younes erhoben - Gut so, denn versuchte schwere Brandstiftung, versuchte gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung wird im Rechtsstaat nicht „persönlich von Araber zu Araber“ geklärt, sondern durch ein Gericht
— Benjamin Jendro (@Djeron7) 29. Januar 2025
Das überlegte Filmen des Raketenschusses ist für die Ermittler ein Beweis für den Vorsatz der Tat. Younes soll es vordergründig darum gegangen sein, ein möglichst großes mediales Interesse auf sich zu ziehen, um so ein breites Publikum zu erreichen. Auf Instagram hat er 300.000 Follower. Rücksichtslos und aus Eigennutz soll er dabei die Gesundheit und das Eigentum anderer Menschen seinem eigenen Interesse untergeordnet haben, beschreibt es die Staatsanwaltschaft.
Denn: Nach weniger als 24 Stunden soll das Video auf der Social-Media-Plattform bereits über sechs Millionen Mal auf seinem Account aufgerufen worden sein. Younes wiederum soll das Video erst nach mehr als 36 Stunden gelöscht haben. Der Angeschuldigte schweige derzeit zu den Vorwürfen, heißt es.
Atallah Younes selbst sprach von einem Versehen
Das war allerdings nicht immer so. Unmittelbar nach der Tat hatte der Influencer noch von einem Versehen und einem Unfall gesprochen und sich an seine Follower gewandt. Er verstehe die Aufregung nicht, so der damalige Tenor. „Ich wollte niemanden absichtlich verletzten“, sagte der junge Mann in einem „Zeit“-Interview. Wie eine Rakete funktioniere, habe er vor dem Jahreswechsel gar nicht gewusst. Die Ermittlungen der Polizei bezeichnete er als „rassistisch motiviert“, der verursachte Schaden sei zudem ohnehin gering. Aufsehen hatte auch sein Versuch erregt, die Angelegenheit über einen islamischen Friedensrichter direkt mit dem Geschädigten zu klären.





