Auf der gesperrten Ringbahnbrücke am Autobahndreieck Funkturm in Berlin-Charlottenburg ist am Freitagnachmittag zwar der Krach des Autoverkehrs verschwunden. Aber laut ist es trotzdem. Unter der Brücke errichtet ein Bagger gerade mit Sand eine Baustellenzufahrt. Das Gerüst, über welches die Experten der Autobahn GmbH in den vergangenen Wochen in das Innere des Bauwerks gelangten, wird vorübergehend zurückgebaut. Zwei Arbeiter stellen rote Schilder an der S-Bahn-Trasse darunter auf. Das kann nichts Gutes bedeuten. Und tatsächlich: Nach der Sperrung für Fahrzeuge bleiben auch die Schienen darunter vorerst dicht.
Kleingartenanlage unter der Brücke wird freigezogen
Um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, hatte die Autobahngesellschaft am Freitag zu einer Pressekonferenz auf der betroffenen Brücke geladen. Das Fazit: Die Sperrung des S-Bahn-Verkehrs unter der kaputten A100-Brücke könnte noch wochenlang oder sogar mehrere Monate andauern. „Sicherheit ist nicht verhandelbar“, sagte Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH.
Die Sperrung des S-Bahn-Verkehrs am Donnerstagabend kam überraschend. Zuvor hatte es noch geheißen, dass bis zum Abriss keine Einschränkungen für den Bahnverkehr zu erwarten sind. Der Riss, der zur Sperrung der Brücke für den Verkehr geführt hatte, habe sich nicht vergrößert, seitdem der Verkehr nicht mehr über den Knotenpunkt rollt.
„Ich nehme die Lage sehr ernst und stehe in engem Austausch mit der Verkehrssenatorin. Die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner steht für mich an erster Stelle. Gemeinsam mit allen Beteiligten wie der Autobahngesellschaft, dem Bundesverkehrsministerium, den betroffenen Bezirken arbeitet die Verkehrssenatorin mit Hochdruck dran, die Situation an der Ringbahnbrücke zu lösen und den Verkehrsfluss in unserer Stadt so schnell wie möglich wiederherzustellen. Der Berliner Senat wird alle ihm zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um diesen Prozess zu beschleunigen“, erklärte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

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Eine unter der Brücke befindliche Kleingartenanlage soll freigezogen werden. In einem Sperrkreis von 50 Metern unter der Ringbahnbrücke sei dies notwendig. Die Vorsichtsmaßnahme diene allein der Sicherheit aller Personen, die sich innerhalb des Sperrkreises unter der Ringbahnbrücke aufhalten, teilte die Autobahn GmbH mit.
Stützen oder sofortiger Abriss? Nun soll eine Variante gewählt werden
In einem statischen Gutachten, das seit Mittwoch vorliegt, sei festgestellt worden, dass sich der bestehende Riss allerdings auch ohne Krafteinwirkung durch den Verkehr weiter ausbreiten könnte. Der Gutachter habe daraufhin die Stützung des Bauwerks empfohlen. Dieser Anweisung komme man nun nach, so die Autobahn GmbH. Im nächsten Schritt soll schnellstmöglich der Abbruch erfolgen. Allerdings wird auch dies eine Zeit dauern. Der Abbruch müsse ebenfalls sicherheitskonform erfolgen.
Die Stützelemente sollen zeitnah angeliefert werden, teilte die Autobahn GmbH weiter mit. Vor Ort beginnt bereits die Einrichtung einer Baustelle. Allerdings könne es auch sein, dass die Brücke direkt abgerissen werde. „Die schnellste Variante wird gewählt“, sagte Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH.
Messe Berlin ist von der Sperrung stark betroffen

In der kommenden Woche soll ein Spitzengespräch mit allen Beteiligten inklusive dem Bundesverkehrsminister stattfinden, so Ute Bonde (CDU), Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Man stehe weiterhin im Austausch mit der Messe Berlin, die von der Sperrung besonders stark betroffen sei. Auch der Wirtschaftsverkehr sei betroffen, aber nicht so schwer, wie man zunächst gedacht habe. Dennoch sollen Gesprächen mit Industrie- und Handelskammer, Wirtschaftsverbänden und Logistikern gesprochen werden.
Beide Optionen, sowohl Abstützung wie Abriss, müssten nun umfangreich geplant werden. Die S-Bahn könnte also wochenlang gesperrt bleiben. Sogar eine monatelange Sperrung ist möglich. Bei der S-Bahn habe zum Glück bereits ein Plan in der Schublade gelegen, weil man es bereits geahnt habe. Die Ringbahn fährt deshalb jetzt bis Charlottenburg, das sonst kein Halt der Linie ist. Dennoch hätte man sich mehr Vorlauf gewünscht, so Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH.
Ringbahn wegen Brückenschäden unterbrochen: Das sind die Alternativen
Am S-Bahnhof Westkreuz sei es für die Züge nicht möglich zu wenden, daher könne dieser Halt nicht genutzt, so Buchner. Ziel sei es jetzt auch, den S-Bahn-Verkehr schnell wieder zum Laufen zu bekommen. Betroffen sind die Ringbahnlinien S41 und S42 sowie die S46. Der Zugverkehr ist deshalb zwischen Halensee und Charlottenburg unterbrochen.
Die S41 fährt zwischen Westend und Halensee im Zehn-Minuten-Takt, sowie zwischen Halensee und Charlottenburg im 20-Minuten-Takt. An den Werktagen soll zwischen Westend und Tempelhof der Takt verdichtet werden. Dieselben Takte gelten für die S42 in die andere Richtung. Die S46 verkehrt zwischen Königs Wusterhausen und Bundesplatz. Zwischen Halensee und Westend ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden.
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Am Donnerstagabend hatten die S-Bahn und die Autobahn GmbH des Bundes noch mitgeteilt: „Die Ringbahnbrücke der A100 im Dreieck Funkturm muss zusätzlich gestützt werden. Wie lang der Bahnverkehr unterbrochen bleibt, ist derzeit nicht bekannt!“
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wurde nach eigenen Angaben, wie zuvor bei der Sperrung der Brücke für den Autoverkehr, nicht über die Sperrung der S-Bahn informiert. Auf Nachfrage erklärte das Bezirksamt, man sei „erneut fassungslos, dass hier ohne Vorankündigung gehandelt wurde.“ Scharfe Kritik kommt auch vom Bezirkselternausschuss des Bezirks, der um die Sicherheit der Schulkinder fürchtet, die durch den massiven Umleitungsverkehr gefährdet seien.
S-Bahn-Sperrung wegen A100-Brücke: Bezirkselternausschuss übt Kritik
Man habe zwar Verständnis für die großen Herausforderungen durch die kurzzeitigen Sperrungen, verstehe aber nicht, warum der gesamte Umleitungsverkehr durch Charlottenburg-Wilmersdorf geführt werde. Durch die S-Bahn-Sperrung müssten Kinder zudem teilweise weite Umwege in Kauf nehmen und stark befahrene Straßen überqueren.
Der Bezirkselternausschuss fordert deshalb die Autobahngesellschaft und die Senatorin auf, ein neues Umleitungskonzept vorzulegen, das die Schulwegsicherheit berücksichtige.
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Die Autobahn GmbH hatte die Ringbahnbrücke vergangene Woche überraschend gesperrt, weil sich ein Riss im Tragwerk der Brücke unerwartet vergrößert hatte. Infolge der Sperrung kam es an dem bundesweit wichtigen Verkehrsknoten zu Chaos. Seit Anfang der Woche fließt der Verkehr in Richtung Norden wieder. Er wird einspurig über die Gegenfahrbahn umgeleitet. Die Brücke soll komplett abgerissen werden. Einen Zeitplan dafür gibt es noch nicht.
dpa/BMO







