Auch mehr als drei Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine finden weltweit immer wieder Demonstrationen für das überfallene Land statt – so auch am Sonntagnachmittag in Berlin. Die Kampagnen-Organisation Campact und Vitsche, ein Verein ukrainischer Aktivisten, hatten für Sonntag zu der Veranstaltung mit dem Titel „Jetzt erst recht: Stand with Ukraine“ aufgerufen. Die Demonstration startete um 17 Uhr am Brandenburger Tor.

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Die Veranstalter wollen mit der Demonstration ein Zeichen setzen: „Für die Ukraine. Für unsere Freiheit. Für ein starkes Europa“, wie Vladyslava Vorobiova von Vitsche im Vorfeld der Veranstaltung gegenüber der Morgenpost sagte. Dies sei gerade jetzt, nachdem sich die USA von der Ukraine abgewendet hat, umso wichtiger. Die Menschen in Berlin, Deutschland und Europa müssten „ihre Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck bringen“.

In seiner Rede auf der Demonstration sagte Campact-Vorstandsmitglied Christoph Bautz: „Wir wussten alle, dass es bitter wird, wenn Donald Trump an die Macht kommt. Aber wir haben vielleicht nicht gedacht, dass es so bitter wird mit seinem Schulterschluss mit Russland.“ Er forderte eine Reform der Schuldenbremse: „Es braucht jetzt humanitäre Hilfe und Waffenlieferungen, damit sich die Ukraine verteidigen kann.“ Um sich von Despoten wie Putin unabhängig machen zu können, müsse Deutschland weg von Kohle und Gas und hin zu erneuerbaren Energien kommen.
Politische Vertreter sprechen auf der Demonstration
Konkret fordern die Veranstalter eine uneingeschränkte Unterstützung der ukrainischen Souveränität sowie mehr militärische und humanitäre Hilfe, dass eingefrorene russische Vermögenswerte genutzt werden sowie eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Europa.
Roderich Kiesewetter von der CDU forderte die Teilnehmer auf, sich bewusst zu machen, was „auf dem Spiel steht“ durch diesen Krieg: „Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung für ganz Europa.“ Für ihn ist klar: „Nicht wir schützen die Ukraine aus Solidarität, sondern die Ukraine beschützt uns.“ Der SPD-Politiker Adis Ahmetović forderte eine europäische Sicherheitsarmee, denn: „Einen Krieg kann man nicht mit schönen Worten beenden, sondern nur, wenn man verteidigungsfähig ist.“ Auch Katharina Dröge (Grüne) war vor Ort. In den Farben der Ukraine gekleidet, sprach sie von ihrer festen Überzeugung, dass die „Demokratie und unsere gemeinsamen Werte am Ende stärker als Diktatur und Unterdrückung“ sein werden.
Berlin: Immer weniger und kleinere Demos für die Ukraine
Neben den Vertretern der Politik standen auch Reden etwa vom ukrainischen Menschenrechtsaktivisten Maksym Butkevych und der Evangelischen Kirche auf dem Programm, das darüber hinaus von musikalischen Einlagen begleitet wurde. Viele Teilnehmer hatten ukrainische Flaggen mitgebracht. Zum Sonnenuntergang erstrahlte der Platz des 18. März in einem Lichtermeer, als die Demonstranten ihre Handylichter anschalteten.
Seit der russischen Invasion am 24. Februar 2022 hat Vitsche nach eigenen Angaben allein in Berlin mehr als 100 Demonstrationen abgehalten. Anfänglich seien es sogar zwei Veranstaltungen wöchentlich gewesen, so Vorobiova. Doch die Demonstrationen sind kleiner und weniger geworden. An der Demonstration am Sonntag nahmen rund 1500 Menschen teil, wie die Polizei Berlin, die mit etwas mehr als 150 Einsatzkräften vor Ort war, auf Morgenpost-Anfrage mitteilte. Zum Vergleich: Im Februar 2022, kurz nach dem Überfall Russlands auf das Nachbarland, waren für Demonstrationen für die Ukraine in Berlin mitunter 20.000 Menschen angemeldet worden. Ein Polizeisprecher sagte damals gegenüber der Morgenpost, dass es „durchaus wahrscheinlich“ sei, dass zu der Veranstaltung mehr als die angemeldeten 20.000 Teilnehmer strömen werden.
Vitsche: Ukraine-Demos nun wichtiger denn je
Dass die Berlinerinnen und Berliner grundsätzlich demonstrationsmüde sind, lässt sich so jedoch nicht sagen: Bei der Demo anlässlich des Frauentags am Samstag (8. März) kamen 9000 Menschen auf dem Oranienplatz zusammen. Und auch vor der Bundestagswahl, als Menschen im ganzen Land gegen Rechtspopulismus auf die Straßen gingen, versammelten sich am Brandenburger Tor teils 30.000 Demonstranten.
Vor dem Hintergrund der Aussagen aus dem Weißen Haus und dass die USA die Ukraine-Hilfen eingefroren haben, sei es nun wichtiger denn je, sich weiterhin solidarisch mit der Ukraine zu zeigen. „Diese Entwicklungen betreffen auch Europa“, das mit weiteren Aggressionen rechnen muss, wenn die Ukraine fällt, wie es auf der Website von Vitsche heißt.





