Polizei und Zoll haben in Berlin und Brandenburg am Mittwoch zehn Objekte wegen des Verdachts der bandenmäßigen Steuerhinterziehung durchsucht. Das teilte die Berliner Polizei auf der Plattform X mit. In Berlin habe sich der Einsatz der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Zigaretten (GE Zig) des Landeskriminalamts (LKA) und des Zollfahndungsamts auf die Ortsteile Grunewald und Schmargendorf (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf) konzentriert, hieß es auf Nachfrage.

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Im Fokus standen die Produktionsstätten illegaler, unversteuerter Zigaretten, die im Zuge laufender Ermittlungen in Lagerhallen, Garagen und Wohnungen lokalisiert worden waren. Rund 230 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Es geht um den Verdacht der Steuerhinterziehung im Millionenbereich, wie der Sprecher des Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg, Christian Lanninger sagte. Handys und Computer sowie eine scharfe Schusswaffe und Munition seien an mehreren Standorten sichergestellt worden. Auch größere Mengen Bargeld fanden die Einsatzkräfte.

Beamte stehen vor einem Gebäude.
Beamte stehen vor einem Gebäude.© dpa | Sven Kaeuler

Laut Polizeisprecher Florian Nath habe es in einer Lagerhalle in Brandenburg an der Havel am Beetzsee zudem einen „größeren Zufallsfund von Betäubungsmitteln“ gegeben. „Wir haben neben der Anlage zur Zigarettenherstellung auch zwei Drogenlabore ausgehoben, ein funktionsfähiges und eines, das sich noch im Aufbau befand“, so Nath. „Unsere Kräfte konnten bereits mehrere Kilogramm synthetisches Betäubungsmittel sicherstellen.“ Derzeit werde ein Zusammenhang zum Tatvorwurf der Steuerhinterziehung untersucht. Es könne gut sein, dass die Tätergruppierung in verschiedenen Deliktsfeldern aktiv sei. Der Sprecher des Zollfahndungsamtes sprach von einem wichtigen Zufallsfund von mehr als 20 Kilogramm synthetischem Rauchgift. 

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Der Einsatz lief den Angaben zufolge seit 6 Uhr. Die Ermittlungen richteten sich gegen acht Beschuldigte im Alter zwischen 28 und 62 Jahren, gegen die bereits seit längerem ermittelt wird, wie es hieß. Einer von ihnen - ein deutscher Staatsangehöriger - sei auf dem Anwesen mit dem Drogenlabor nahe Brandenburg an der Havel festgenommen worden, so der Sprecher des Zollfahndungsamtes am Nachmittag. Er sollte vor den Haftrichter kommen. Laut Informationen der Berliner Morgenpost sollen die Verdächtigen aus Russland und dem Baltikum stammen. Sie werden der organisierten Kriminalität zugerechnet.

Gewerkschaft der Polizei: „Handel mit unverzollten Zigaretten ist lukrativ“

Für die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP ist der Einsatz schon jetzt ein voller Erfolg. „Wir danken allen beteiligten Kollegen, die den heutigen behördenübergreifenden Verbundeinsatz in Berlin und Brandenburg ermöglicht und bewerkstelligt haben“, sagte GdP-Landeschef Stephan Weh. „Unsere GE ZIG legt seit mehr als 20 Jahren mit ihrer Arbeit den Grundstein dafür, jede Menge große Fische aus dem Verkehr zu ziehen.“

Der heutige Einsatz beweise, wie viel fokussierte Ermittlungsgruppen leisten können. „Bei dem, was man in Brandenburg entdeckt hat, sehen wir, dass sich auch osteuropäische Banden keinesfalls auf eine Einnahmequelle konzentrieren“, so Weh weiter. „Der Handel mit unverzollten Zigaretten ist lukrativ.“ Wer in der Organisierten Kriminalität unterwegs sei, agiere stets international, bleibe innovativ und beschränke seine Gier nach schnellem Geld selten auf nur ein Geschäftsfeld.

Die Ermittlungsgruppe Zigaretten wurde vor 25 Jahren ins Leben gerufen und ist die erste und bisher einzige Ermittlungsgruppe ihrer Art in Deutschland. Anlass für die Gründung im Jahr 1999 waren immer brutaler werdende Auseinandersetzungen im Bereich des illegalen Zigarettenhandels im Osten der Stadt zwischen verschiedenen vietnamesischen Banden und Schmugglergruppen. Die damaligen Strukturen konnten in den Folgejahren erfolgreich zerschlagen werden. Seitdem hat sich der Fokus verändert und liegt jetzt vor allem auf Ermittlungen im Umfeld von Shisha-Bars. Zum Teil wird hier unversteuerter, oft aus Osteuropa oder arabischen Ländern stammender Tabak eingeschmuggelt oder gleich selbst vor Ort, teils unter fragwürdigen hygienischen Umständen, hergestellt.

mit dpa