Das Video sorgte vor einem Jahr für Entsetzen. Aufgenommen am Neujahrsmorgen 2024 gegen 0.40 Uhr in der Notaufnahme des Sana-Klinikums in Lichtenberg. Ein Mann schlägt einen Pfleger nieder, der liegen bleibt, ein anderer einem Arzt direkt ins Gesicht.

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Wie kaum ein zweites stand das Video damals sinnbildlich für die unzähligen Übergriffe auf Rettungskräfte zu Silvester. Seit Dienstag stehen nun zwei der drei mutmaßlichen Angreifer unter anderem wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Die Brüder Darko (26) und Ljubomir T. (21), räumten die Vorwürfe ein. Das Verfahren gegen einen ursprünglich ebenfalls angeklagten dritten Bruder (17) wurde laut einer Gerichtssprecherin vorläufig „wegen unbekannten Aufenthalts“ eingestellt.

Jüngerer Bruder schnitt sich vorher Hand an einem Glas

Die drei suchten die Rettungsstelle damals gemeinsam mit ihrem Vater auf, nachdem sich Ljubomir T. nach eigenen Angaben die Hand an einem Glas geschnitten hatte. Die Verletzung sei jedoch nicht lebensgefährlich gewesen, sagte Arzt und Nebenkläger Peter R.*. Er habe sich daher erst anderen Patienten mit schwereren Verletzungen zuwenden wollen.

R. und der zweite Nebenkläger, Pfleger Jonas K.*, gaben an, dass es relativ zügig laut in der Notaufnahme geworden sei. Die Männer hätten darauf bestanden, dass Ljubomir bevorzugt behandelt wird. „Es war aber schwierig, an Patienten heranzukommen“, so K. weiter. Immer wieder seien seine Hände weggeschlagen worden. Pfleger und Arzt gaben an, alle bis auf den Verletzten der Notaufnahme verwiesen zu haben. Daraufhin hätten sie versucht, die Männer hinauszuschieben.

In einem Video ist zu sehen, wie brutal das Krankenhauspersonal der Sana Klinik in Lichtenberg attackiert wurde.
In einem Video ist zu sehen, wie brutal das Krankenhauspersonal der Sana Klinik in Lichtenberg attackiert wurde.© Überwachungskamera Sana Klinikum | Überwachungskamera Sana Klinikum

Arzt schlägt Patienten mit Handballen ins Gesicht

Auch der Verletzte selbst sei aggressiv geworden. Er sei es gewesen, der ihm ins Gesicht geschlagen habe, so Mediziner R. Der jüngste Bruder habe dann den Pfleger niedergestreckt. Beide erlitten Gesichtsverletzungen. „In sieben Jahren in der Rettungsstelle habe ich so etwas noch nie erlebt“, so der Arzt.

Der räumte auch ein, seinem Patienten mit dem Handballen ins Gesicht geschlagen zu haben – nach eigenen Angaben zur Verteidigung. Ljubomir T. trug zusätzlich unter anderem auch eine gebrochene Nase davon.

Schließlich griffen die Angehörigen einer anderen Patienten ein und schoben die aggressiven Männer aus der Rettungsstelle. Der Wachdienst sei da bereits geflohen. „Wir haben mittlerweile einen neuen“, gab R. zu Protokoll. Bis zu ihrer Festnahme hätten die Familienmitglieder ihn weiter beleidigt und mit dem Tod bedroht.

Auf der Anklagebank gaben sich die beiden Angeklagten nun kleinlaut. „Entschuldigen Sie bitte, es tut mir wirklich leid“, sagte der Ljubomir T. und verwies auf die großen Mengen Alkohol, die er damals trank. Bei einem errechneten Wert von bis zu 2,25 Promille Alkohol im Blut könne er damit zum Tatzeitpunkt als vermindert schuldfähig gewesen sein, wie ein Sachverständiger aussagte.

Darko T. gab an, Angst um seinen Bruder gehabt und vorher drei Joints geraucht zu haben. Der Prozess gegen die beiden arbeitslosen Männer wird am 28. Januar fortgesetzt. Ein Urteil ist für den 11. März geplant.

*Namen von der Redaktion geändert.