„Ich beschreibe Ihnen mal eben den Raum, Frau Martini“, sagt Heike Rau zu der Frau, die sie untergehakt am Arm führt. Rau ist Projektleiterin beim Begleitservice der Verkehrsbetriebe Berlin-Brandenburg (VBB). „Der Raum hat 20 Quadratmeter und wir haben die Tische zu einem U aufgebaut.“ Birgit Martini lacht und setzt sich auf ihren Platz. Die 47-Jährige ist seit neun Jahren blind. Um sich in Berlin mit Bus und Bahn besser bewegen zu können, nimmt sie seit sechs Jahren die Dienste des VBB-Begleitservices in Anspruch.

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Das Angebot biete ihr eine unkomplizierte Möglichkeit, selbständig aktiv zu sein, sagte Frau Martini bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Anlass ist eine Kundenumfrage, die der VBB zu seinem Begleitservice hat durchführen lassen. Die Ergebnisse lassen sich kurz zusammenfassen: Die Kunden sind äußerst zufrieden mit dem Angebot. Ohne den Begleitservice, das haben 96 Prozent der Befragten angegeben, hätten sie ihren Weg mit Bus und Bahn gar nicht oder nur eingeschränkt bewältigen können.

Berlin: Kundenumfrage mit Bestnoten für den VBB-Begleitservice
Für Frau Martini ist der Service vor allem „ein Baustein für mehr Selbstständigkeit“. Als Blinde alleine unterwegs zu sein, koste sehr viel Konzentration. Mit einer Begleiterin oder einem Begleiter seien die Wege viel angenehmer. Sie schätzt die Hilfe auf Augenhöhe und bekomme in Begleitung auch leichter einen Sitzplatz. Außerdem werde sie durch die Begleiter immer gut unterhalten, sagt Frau Martini mit einem Lächeln.
Die Umfragedaten bestätigen das: Zwei Drittel der Befragten gaben an, durch das Angebot mehr Selbstvertrauen gewonnen zu haben, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und sich wieder stärker als Teil der Gesellschaft zu erleben.
Warum Barrierefreiheit mehr ist als eine Frage der Infrastruktur
In Berlin sind, laut VBB-Geschäftsführer Martin Fuchs, 95 Prozent der U-Bahnhaltestellen und 93 Prozent der S-Bahnhaltestellen barrierefrei. Die Zahl der abgesenkten Bushaltestellen ist hingegen deutlich niedriger.

Frau Rau erinnerte am Mittwoch jedoch daran, dass Barrierefreiheit mehr sei als eine Frage der Infrastruktur. So würden die Dienste des Begleitservice zum Beispiel immer stärker von Menschen nachgefragt, die an psychischen oder demenziellen Erkrankungen leiden.
Appell an den Senat: Bitte spart nicht an diesem Angebot
Seit 2008 bietet der VBB den Begleitservice für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste wie Frau Martini an. Die 76 Mitarbeiter begleiten pro Tag, von sieben bis 22 Uhr, bis zu 100 Menschen von Tür zu Tür. Der Service ist kostenlos. Finanziert wird das Angebot durch das Arbeitsmarktprogramm „Solidarisches Grundeinkommen“, die Berliner Job-Center und durch die Senatsverwaltungen für Soziales und Mobilität.
Sparen, das wurde von den Verantwortlichen, mit Blick auf die laufenden Haushaltskürzungen betont, sollte man in diesem Bereich nicht.





