Öffentlicher Nahverkehr

Neuer Standard: Erste barrierefreie Bushaltestelle eröffnet

Die Bushaltestelle an der Spandauer Obstallee soll den Einstieg für Rollstuhlfahrer ohne Rampe möglich machen.

An der Obstallee in Spandau wurde die erste barrierefreie Haltestelle in Berlin eröffnet, die ein 22 Zentimeter hohes Bord hat und so einen Einstieg ohne Rampe ermöglicht.

An der Obstallee in Spandau wurde die erste barrierefreie Haltestelle in Berlin eröffnet, die ein 22 Zentimeter hohes Bord hat und so einen Einstieg ohne Rampe ermöglicht.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. In Spandau ist am Mittwoch die erste barrierefreie Bushaltestelle Berlins nach neuem Standard eingeweiht worden. Diese hat ein 22 Zentimeter hohes Einstiegsbord, sodass es insbesondere für Rollstuhlfahrer möglich sein soll, ohne das Ausklappen der Rampe vom Bus einzusteigen. Der Höhenunterschied zum Fahrzeug wird so auf ein bis zwei Zentimeter verringert. „Das ist das, was man unter selbstbestimmter Mobilität versteht“, sagte Gerlinde Bendzuck, Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin, bei der Einweihung an der Obstallee im Kiez Heerstraße Nord.

Bisher galt eine Bushaltestelle dann als barrierefrei, wenn sie ein 16 Zentimeter hohes Bord und ein Blindenleitsystem hat; mit dem neuen Nahverkehrsplan wurde die Höhe von 22 Zentimeter zur Regellösung erklärt. Nur an Haltestellen, an denen der Platz nicht ausreicht, soll auf die 16 Zentimeter zurückgegriffen werden.

Von gut 6500 Bushaltestellen in Berlin nur zehn Prozent barrierefrei

Wie die BVG erklärt, kann die höhere Variante lediglich bei Haltestellen verwendet werden, an die der Bus gerade und zügig heranfahren kann, andernfalls könnte das Fahrzeug beschädigt werden. Allerdings ist auch der alte Standard bislang noch nicht allzu weit verbreitet: Laut Senatsverkehrsverwaltung waren mit Stand Mitte 2019 von gut 6500 Bushaltestellen in Berlin nur zehn Prozent barrierefrei.

Zuständig für den Umbau sind die Bezirke selbst, finanzielle Unterstützung soll aber vom Land kommen: Für dieses Jahr sind 3,5 Millionen Euro im Landeshaushalt für den barrierefreien Umbau eingeplant; 2021 sind es fünf Millionen Euro. Für den Bau neuer Haltestellen gibt es im Fördertopf Siwana weitere vier Millionen, wie Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese am Mittwoch sagte. Der Umbau in Spandau hat laut Bezirksamt 40.000 Euro gekostet, finanziert über ein kommunales Investitionsprogramm.

Es gebe bereits Anfragen von weiteren Bezirken, die Bushaltestellen mit dem 22 Zentimeter hohen Bord ausrüsten wollen, so Streese. „Es ist gut, dass wir jetzt damit starten und das neue Modell ausbauen, um unser Ziel von barrierefreien Bushaltestellen in Berlin zu erreichen.“

Neues Einstiegsbord in Spandau erfordert noch Übung

In der Praxis zeigte sich, dass es noch etwas Übung braucht, bis der Einstieg ohne Rampe tatsächlich immer funktioniert. Dafür müssen die Busfahrer möglichst dicht an die Kante steuern – sonst ist die Lücke insbesondere für kleine Räder zu groß. Bislang wurde das 22 Zentimeter hohe Bord an zwei Betriebshöfen der BVG getestet und das An- und Abfahren geübt. Wie ein BVG-Vertreter sagte, würde der Lernprozess weitergehen – in Spandau ist das nun auch im laufenden Verkehr möglich.

Wie Verkehrsstadtrat Frank Bewig (CDU) am Mittwoch sagte, sei die Haltestelle auch durch den starken Einsatz vom Spandauer Beirat für Menschen mit Behinderung umgebaut worden. Man wolle nun schauen, an welchen weiteren Haltestellen ein solches, höheres Bord installiert werden kann. In den nächsten Monaten sollen fünf bis sechs weitere Haltestellen im Bezirk barrierefrei werden – allerdings aus Platzgründen nach dem alten Standard. Bislang gibt es in Spandau rund 20 barrierefreie Bushaltestellen.

Wie Kathrin Geyer, stellvertretende Vorsitzende vom Landesbeirat für Menschen mit Behinderung, sagte, gebe es einige Rollstuhlfahrer, die Busse wegen der bisherigen Hürden nicht nutzen. Das Ausklappen der Rampe sorge für Verzögerungen, errege zudem große Aufmerksamkeit, sagte sie. Das soll sich durch den neuen Standard ändern. Dieser spare allen Zeit und zudem Abgase, weil die Haltezeit verkürzt wird, so Geyer.

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