Das niederländische Technologie-Unternehmen ASML baut seinen Standort Berlin weiter aus. Am Mittwochabend eröffnete der Konzern am historischen Behrens-Ufer in Oberschöneweide eine neue Produktionsanlage. Dort produziert ASML nun ein weiteres Bauteil für seine weltweit begehrten Maschinen zur Chipherstellung. Etwa 200 Menschen haben nach Angaben des Unternehmens ihren Arbeitsplatz am neuen Standort.

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„Das ist eine super Nachricht“, betonte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey während der Eröffnungsfeier am Mittwochabend. Ob Start-up oder Industrieunternehmen, sie alle benötigten heute moderne Chips, sagte Giffey. ASML sei „der erste große Anker“ für das Entwicklungsgebiet Behrens-Ufer. In den kommenden Jahren soll auf dem rund zehn Hektar großen Gelände ein modernes Gewerbestadtquartier mit rund 10.000 Arbeitsplätzen entstehen.
Der Einzug in historische Gebäude auf dem Behrens-Gelände sei als „Bekenntnis“ des Unternehmens zu Berlin zu verstehen, betonte der Berliner ASML-Chef Markus Matthes zur Eröffnung. „Wir sind hier, um zu wachsen“, versicherte er. Mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in der Nachbarschaft lägen am Behrens-Ufer gute Bedingungen dafür vor. Neben der Produktion soll sich Oberschöneweide auch als Forschungs- und Ausbildungsstandort für ASML Berlin etablieren.
ASML hat Produktion aus den USA nach Berlin verlegt
Produziert wird in der neuen Anlage im Dreischichtsystem. Der niederländische Tech-Konzern hat dafür moderne CNC-Maschinen in eine sanierte, denkmalgeschützte Halle am Behrens-Ufer stellen lassen. Einige präzise Spezialwerkzeuge seien eigens für ASML gefertigt worden, berichtete ein Mitarbeiter während einer Führung durch die neue, 13.000 Quadratmeter große Produktionshalle am Mittwochabend. Einige Räume haben ein eigenes Fundament, um Erschütterungen durch vorbeifahrende Baufahrzeuge auf dem Gelände zu minimieren. Die Produktion läuft gerade an. Mit Beginn des kommenden Jahres soll sie in Serie gehen.

ASML stellt in Oberschöneweide das Bauteil EPA (Encoder Plate Assembly) her. Es wird verbaut in der Wafer-Klemme, einer Schlüsselkomponente in den Lithografie-Maschinen zur Chipherstellung von ASML. Eine Wafer-Klemme, ungefähr so groß wie ein Plattenspieler, habe den Wert einer kleinen Eigentumswohnung, berichtete Thomas Polzer, Geschäftsführer Produktion bei ASML Berlin. Eine komplette Lithografie-Maschine zur Chipherstellung von ASML kostet mehrere Hundert Millionen Euro. Der Konzern, einst eine Sparte des niederländischen Unternehmens Philips, hat mit den Maschinen ein weltweites Monopol.
Das nun in Oberschöneweide hergestellte Bauteil kam vorher aus den USA. Wie Polzer berichtete, habe das Unternehmen die Produktion „aus strategischen Gründen“ nach Berlin geholt. Damit seien weniger Transporte nötig, da auch andere Bauteile dieser Maschinenkomponente in Berlin gefertigt würden.

Die Mehrzahl der Berliner ASML-Beschäftigten arbeitet einige Kilometer weiter im Bezirk Neukölln. Am dortigen Standort im Stadtteil Britz baut das Unternehmen ebenfalls aus. Der etwa vier Hektar große Firmencampus wird dort Stück für Stück erweitert. Ende 2020 hatte ASML das dort ansässige Unternehmen Berliner Glas übernommen. Mehr als 500 Beschäftigte sind nach Angaben des Unternehmens seitdem hinzugekommen. Rund 1800 Menschen arbeiten derzeit für ASML in Berlin.
ASML profitiert vom Megatrend Künstliche Intelligenz
Erst im Sommer hatte das Unternehmen zwei neue Grundstücke mit einer Fläche von 13.000 Quadratmeter im Britz erworben. Sie grenzen an das dortige Firmengelände an. Wie Polzer berichtete, will das Unternehmen dort schon im kommenden Sommer eine neue Produktion aufnehmen. Die Zahl der ASML-Beschäftigten in Berlin soll in den kommenden Jahren weiter steigen.
ASML zählt seit Jahren zu den wertvollsten Unternehmen Europas. Allerdings dämpfte der Konzern zuletzt die Erwartungen und berichtete von einem gesunkenen Auftragsvolumen. Der Börsenwert gab daraufhin deutlich nach. Die Aktien sind nun ein Drittel weniger wert als noch im Sommer. Wenn ASML seine Monopolstellung behält, dürfte das Wachstum des Unternehmens dennoch weitergehen. Denn der Chipmarkt wird immer größer.
Ein Grund dafür ist der Megatrend Künstliche Intelligenz. „Ohne die neuesten Anlagen von ASML würde Künstliche Intelligenz nicht funktionieren“, sagte Polzer. Auch der Standort Oberschöneweide könnte davon zukünftig profitieren. Polzer schließt ein weiteres Wachstum seines Unternehmens auf dem historischen Behrensgelände nicht aus.




