Das ist satt: Über sieben Prozent sollen die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr steigen. Nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Geltungsgebiet des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Die Einzelfahrscheine sollen dann 3,80 Euro kosten, 30 Cent mehr als bisher. Das trifft vor allem die Menschen, die nur hin und wieder BVG und S-Bahn in Berlin nutzen. Wer zum Beispiel einmal wöchentlich zu einer Physiotherapie muss, zahlt dann 7,60 Euro für eine Hin- und Rückfahrt. Oder abends nochmal schnell zu zweit zum Weihnachtsmarkt? Macht dann 15,20 Euro zusätzlich zum Glühwein. Das ist spürbar.

Preisanstieg kommt zur Unzeit

Die beabsichtigte Preisanhebung kommt zu einer Unzeit: Ausgerechnet in dem Moment, in dem die BVG in ihrer größten Krise seit Jahren steckt. Es fehlen U-Bahnzüge, Bus- und Tramfahrer. Viele Bahnen sind verspätet, das Busnetz ist ausgedünnt. Besserung ist über Jahre nicht in Sicht. Mittlerweile heißt es, die BVG ist die schlechtere S-Bahn. Erinnern Sie sich noch? Die Bahntochter S-Bahn steckte wegen fehlender Investitionen 2009 in einer riesigen Krise.

Steigende Kosten bei Unternehmen

Normalerweise müssten die Preise bei sinkendem Angebot gesenkt werden, denkt man. Aber die BVG kämpft auch mit deutlich gestiegenen Personalkosten aufgrund der hohen Tarifabschlüsse der Vergangenheit und hohen Energiekosten. Und dennoch: Mit 7,5 Prozent Preissteigerung werden die Nahverkehrsunternehmen zum Preistreiber in der Region.

Im Zweifel das Auto

Weil es auch an anderen Stellen für Kunden nicht stimmt – die Züge und Bahnhöfe sind häufig verdreckt, man fühlt sich abends nicht sicher und man braucht in den Außenbezirken viel Zeit –, werden es sich viele Berliner überlegen, ob sie im Zweifel nicht doch das eigene Auto nehmen. So kommt die Verkehrswende ins Stocken.