Die Tickets im öffentlichen Nahverkehr des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) werden zum neuen Jahr wohl um rund 7,5 Prozent teurer. Eine Einzelfahrt im Bereich Berlin AB dürfte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dann 3,80 Euro kosten. Das sind erneut 30 Cent mehr als bislang. Der Preis für die beliebte Vier-Fahrten-Karte dürfte um 80 Cent auf 11,60 steigen. Der entscheidende Beschluss des VBB-Aufsichtsrats steht jedoch noch aus.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das Gremium hatte Mitte Oktober anders als geplant noch nicht über die höheren Ticketpreise entschieden, weil nicht genügend Mitglieder anwesend waren. Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg, etwa aus der Senatsverkehrsverwaltung, dem Infrastrukturministerium, aber auch aus den verschiedenen Brandenburger Landkreisen. Stattdessen soll die Beschlussvorlage im schriftlichen Verfahren angenommen werden, das derzeit noch läuft. Mit einer Entscheidung wird laut VBB in zwei bis drei Wochen gerechnet.
Auch interessant
Steigende Ticketpreise: Verweis auf Entwicklung von Strom und Kraftstoffpreisen
Bei der Berechnung der Fahrpreise wird für den „VBB-Tarifindex“ die Entwicklung der Lebenshaltungs-, Strom- und Kraftstoffpreise der vergangenen 60 Monate berücksichtigt. Die Inflationsrate in Deutschland hatte sich laut Statistischem Bundesamt zuletzt stabilisiert. Gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt sie im Oktober voraussichtlich zwei Prozent. Die Preise für Energie lagen demnach sogar deutlich niedriger als im Vorjahresmonat.
Zu weiteren Details wollte sich der VBB am Mittwoch nicht äußern – weder dazu, inwieweit auch andere Ticketpreise um denselben Prozentsatz erhöht werden, noch ab wann die Preiserhöhung greifen könnte oder warum eine Entscheidung dieses Mal auf schriftlichem Weg getroffen werden soll. Diese Details könne man erst kommunizieren, wenn der Beschluss gefasst sei, hieß es.
BVG und S-Bahn – Mehr zum Thema
Zu hören war aber, dass auch wohl auch Zeitfahrkarten teurer werden sollen. Die „Berliner Zeitung“ berichtet etwa, dass die Monatskarte für das Berliner Stadtgebiet im nächsten Jahr dann 106 Euro statt der bisherigen 99 Euro kosten soll. Die Berliner Senatsverkehrsverwaltung wollte die mögliche Preiserhöhung auf Anfrage nicht kommentieren. Aus dem Brandenburger Infrastrukturministerium heißt es mit Blick darauf, inwieweit höhere Ticketpreise dem Ziel entgegenstehen, Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen: „Die Kosten für Mobilität sind durchweg stark gestiegen. Auch unter Berücksichtigung der dem VBB-Aufsichtsrat zur Entscheidung vorliegenden Tariferhöhung, zu der ein Beschluss allerdings noch aussteht, stellt der ÖPNV weiterhin ein kostengünstiges Mobilitätsangebot dar.“

S-Bahn und BVG: Ticketpreise ähnlich wie in anderen deutschen Städten
Zuletzt waren die Fahrpreise im Verkehrsverbund zu Beginn dieses Jahres um durchschnittlich 6,7 Prozent angehoben worden. Ein Einzelfahrausweis für den Berliner Tarifbereich AB kostet seitdem 3,50 Euro, also 30 Cent mehr als zuvor. 2025 wäre damit auch bereits das dritte Jahr infolge, in dem die Fahrkarten in Berlin und Brandenburg teurer werden. Auch 2023, damals im April, stiegen die Ticketpreise um 20 Cent beim Einzelfahrschein AB. Deutlich wird der Preisanstieg vor allem, wenn man noch weiter zurückschaut: Vor der Pandemie kostete das Ticket 2,80 Euro, also noch ein Euro weniger als es 2025 der Fall sein soll. Das ist ein Plus von mehr als einem Drittel innerhalb von sechs Jahren.
Im deutschlandweiten Vergleich bewegt sich Berlin mit dem Ticketpreis etwa auf dem Niveau anderer Großstädte. In München zahlen Fahrgäste für den Einzelfahrschein 3,90 Euro, in Hamburg sind es 3,80 Euro. Etwas günstiger sind Köln und Frankfurt am Main mit 3,50 beziehungsweise 3,65 Euro. International fällt der Vergleich etwas schwieriger, weil in den Städten unterschiedliche Regelungen für erlaubte Umstiege oder die Zoneneinteilung gelten. Für eine Metro-Fahrt in Paris werden 2,15 Euro fällig, in Wien zahlen Fahrgäste für eine Fahrt, die jedoch nicht mit einer Pause unterbrochen werden darf, 2,40. In London sind es je nach Uhrzeit und Bezahlart zwischen 3,23 Euro und 8,02 Euro, sofern man sich nur in der Innenstadt bewegt.
Preiserhöhung im ÖPNV: Fahrgastvertreter äußern Kritik
Kritisch gegenüber der geplanten Preiserhöhung äußerte sich der Fahrgastverband Igeb. „Wenn ich die Ticketpreise anhebe, verschlechtert sich Situation im Bereich der Kundengewinnung“, sagt Christian Linow. Denn durch höhere Kosten beim Einzelfahrschein oder der Vier-Fahrten-Karte belaste man vor allem Spontanfahrer. „Es erhöht sich die Hemmschwelle, auf den ÖPNV umzusteigen“, so Fahrgastvertreter Linow.
Zwar sehe man auch die steigenden Energiepreise, gleichzeitig verwies Linow aber auf das Ziel der Mobilitätswende. Statt immer nur die Fahrkartenpreise weiter zu erhöhen, um steigende Kosten für die Verkehrsunternehmen abzufangen, sei es sinnvoller, auf eine „dritte Finanzierungssäule“ zu setzen. Bereits in der Vergangenheit wurde mehrfach darüber diskutiert, etwa in Form einer City-Maut, einer Arbeitgeberabgabe oder in dem Parkgebühren gezielt für den ÖPNV genutzt werden.
Auch Matthias Oomen vom Landesverband Berlin/Brandenburg des Fahrgastverbands Pro Bahn äußerte sich kritisch und verwies auf den teils miserablen Zustand des ÖPNV. „Der öffentliche Nahverkehr im VBB ist entweder schlecht oder überlastet“. Preiserhöhungen hielten Menschen davon ab, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. In Berlin sei der öffentliche Nahverkehr so schlecht wie lange nicht, sagte Oomen. Mit Blick auf die Berliner U-Bahn sprach er von „einer regelrechten Schlechtleistung“. mit dpa
Verkehr in Berlin – Mehr zum Thema:
- Nach Chaos bei wichtiger S-Bahnlinie: Neue Zumutungen kommen
- Wackeres Comeback: Hier sorgen Felsbrocken für neuen Auto-Frust
- Umstrittene Schnellstraße: Darum steht die TVO auf der Kippe
- Gehwege im Dunkeln: Was tun, wenn in Berlin Laternen ausfallen?
- Radweg-Drama in der Kantstraße: Die Chronologie des Scheiterns






