Im Fahrschulunterricht lernt man die Bedeutung von Verkehrszeichen in der dritten Unterrichtsstunde. In Friedrichshain-Kreuzberg brauchen Autofahrer offenbar den Wink mit dem Felsbrocken: Um sie vom Parken auf frisch entsiegelten Flächen abzuhalten, musste das Bezirksamt 28 Findlinge entlang des Straßenrandes verteilen.
Eigentlich geht es um 18 bedrohte Japanische Schnurbäume in der Ruhlsdorfer Straße, nahe des Mehringdamms. Damit sie überleben, ihre Wurzeln Platz bekommen, Nährstoffe wieder fließen können, hat der Bezirk auf Anraten der Leiterin des Baummanagements just jene angrenzende Asphaltfläche der Fahrbahn – wie im August berichtet – herausschneiden lassen. Der Erdboden liegt nun wieder frei. Die im Umgang mit Kfz-Verkehr nicht gerade zimperliche Stadträtin Annika Gerold (Grüne) sorgte dafür, dass dadurch 37 Parkplätze wegfielen. Die Kosten für die gesamte Maßnahme betragen 183.000 Euro.
In Kreuzberg stellt man uneinsichtigen Autofahrern Felsbrocken in den Weg
Schon 2019 (Fels-)blockte der Bezirk Falschparker. Das Land Berlin ließ damals die Friesenstraße umbauen, der Bereich vor der Marheinekehalle in der Bergmannstraße wurde zur Sackgasse und prompt missverstanden Autofahrer den Baustellenbereich als günstiges Parkplatzangebot. Weil den Wagenführern offenbar die Lektion aus der Fahrschule entfallen war, derzufolge man auf Baustellen eher nicht sein Auto abstellten sollte, sorgte der damals zuständige Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) für die Ausbreitung der Steine auf der Fahrbahn.

Jene Brocke waren bei einem Kiestagebau in Mecklenburg-Vorpommern geordert worden. Der Weg von dort nach Berlin war nicht ihr längster. 10.000 Jahre zuvor waren sie während der Weichsel-Eiszeit aus dem südlichen Finnland nach Mitteleuropa geschwemmt worden. Die aktuell verwendeten Brocken sind dies nicht. Sie wurden jetzt neu geordert und kosteten insgesamt rund 5600 Euro.
Fortschrittliches Projekt ohne öffentliches Verständnis
Während 2024 viele Berliner unter dem Eindruck des Klimawandels den Sinn derartiger Aktionen zum Baumschutz verstehen, traf Stadtrat Schmidt und überhaupt das gesamte Bezirksamt 2019 der Zorn von Anwohnern und Medien. Die Baukammer veröffentlichte gar die Vermutung, es handele sich um einen „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“. In den Augen vieler reihte sich Schmidts damalige Spur der Steine, die er als „Kreuzbergrocks“ umschrieb, in die Umgestaltungs-Ideen für die Bergmannstraße ein, zu denen etwa Parklets und grüne Punkte auf der Fahrbahn gehört hatten.
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2019 wurden die Steine nach Ende der Bauarbeiten abgeräumt, an der Ruhlsdorfer Straße bleiben sie laut Bezirksamt vorerst weiterhin zum Schutz der Ex-Parkplätze.


