Zu Zeiten der Dürre während der vergangenen Jahre sah es in vielen Teilen der Stadt schlecht aus für viele der mehr als 600 Teiche, Tümpel, Laken und Pfuhle, die Berlins Bild prägen. Viele der stehenden Kleingewässer trockneten aus. Diese Tendenz ist durch die vielen Niederschläge des vergangenen Winters zunächst durchbrochen. „Viele Teiche sind wieder gefüllt, Amphibien haben dadurch Möglichkeiten, sich zu vermehren“, sagte Norbert Prauser vom Umweltverband BUND am Dienstag.

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In seinem vierten Kleingewässerreport seit 2020 hat Prauser die letzten vier Bezirke unter die Lupe genommen. In Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau und Treptow-Köpenick ermittelten der Teich-Überwacher und seine Mitstreiter einen einigermaßen guten Zustand der Gewässer: „Es sieht besser aus als in den anderen acht Bezirken, weil die Bezirke im Urstromtal liegen und es deshalb mehr Grundwasser gibt“, sagte der Experte.
Auch auf den Berliner Hochflächen hat der Regen viele Tümpel wieder gefüllt
Aber auch auf den Hochflächen Barnim im Norden und Teltow im Süden der Spree habe sich die Lage stabilisiert. Viele Teiche führten wieder Wasser, hieß es, auch wenn der BUND den aktuellen Zustand der in den vergangenen Jahren betrachteten Kleingewässer nicht noch einmal systematisch erfasst hat.
Für seinen vierten BUND-Report hat Prauser 108 Teiche und Wasserlöcher in Augenschein genommen. In Friedrichshain-Kreuzberg fand er alle acht Gewässer ohne schwere Mängel. In Mitte war von 13 nur das Franzosenbecken an der Panke mit Mängeln versehen. In Spandau sind 14 von 56 Kleingewässern von Austrocknung, Verbuschung oder Verschlammung betroffen, in Treptow-Köpenick sieben von 31. So seien komplette Gewässer verloren gegangen. Das Neuenhagener Mühlenfließ in Friedrichshagen sei komplett zugeschüttet, auch der Egelpfuhl in Staaken sei verschwunden.
An vielen Kleingewässern bremsen hohe Uferkanten Amphibien aus
Prauser beklagte, dass in Berlin zu wenig Rücksicht auf den Artenschutz genommen werde. Denn Wasser alleine hilft Fröschen und anderen Tieren nicht. Sie brauchen auch Lebensraum außerhalb, etwa in hohem Gras, im Schilf oder unter Holzstapeln. Es werde rund um diese Biotope zu viel aufgeräumt, bemängelte der Mann aus dem BUND-Team Naturschutz. Viele Teiche seien zudem für die Amphibien schwierig, weil sie durch Steinkanten begrenzt seien, die die Tiere nicht überwinden könnten. Er lobte, dass einige Seen jetzt amphibienfreundlich umgebaut und mit Ausstiegen versehen würden, wie etwa der Wilhelmsruher See in Pankow. Ein Problem für die Frösche, Lurche und Kröten seien aber auch fremde Arten. Ausgesetzte Goldfische oder Schildkröten würde ihre Larven fressen und um das Futter konkurrieren.
Trotz dieser Kritik verbreiteten die BUND-Naturschützer Hoffnung für die charakteristischen Berliner Kleingewässer als Lebensraum für Amphibien und in der Folge auch für Vögel und andere Tierarten. Die Stadt habe das Thema erkannt, sagte Dirk Schäuble, Referent für Stadtnatur und Artenschutz. 2024/25 gebe es erstmals Geld des Landes in einem Kleingewässerprogramm, mehr als neun Millionen Euro sind im Topf. 60 Projekte hätten die Bezirke angemeldet, die im Regelfall für die Kleingewässer zuständig sind, aber kein spezielles Budget für deren Pflege haben.
Der Umbau Berlins zur Schwammstadt bietet Tümpeln eine neue Chance
Nun Millionen Euro klingt viel, aber einen mittleren Teich zu sanieren, kann leicht Millionen kosten. Der Schlamm, der sich auf dem Grund abgelagert hat, ist als Sondermüll zu entsorgen. Zugleich könne man aber einen Tümpel für wenige Zehntausend Euro reinigen, hieß es beim BUND.
Dauerhaft dürften Berlins 600 Kleingewässer eine wichtige Rolle für die Stadtentwicklung spielen. Der Senat hat sich zum Ziel gesetzt, ein Prozent der Landesfläche pro Jahr von der Kanalisation abzukoppeln und das Regenwasser im Gelände zu versickern. Das sogenannte Schwammstadt-Prinzip kommt natürlichen Tümpeln sehr gelegen. Zudem gibt es in der Stadt schon viele Regen-Rückhaltebecken, die zusammen 18 Hektar Fläche bedecken. Viele davon haben Biotop-Charakter.
Ehe Regenwasser in Teiche laufen kann, sollte es mit Schilf gereinigt werden
Ehe man Wasser von Dächern oder Straßen sammeln und in einen Tümpel leiten kann, muss es aber gereinigt werden. Sonst werden zu viele Nährstoffe oder Gifte in die Gewässer geschwemmt, die Verschlammung schreitet schneller voran. Dazu bieten sich Schilffilter an, durch die das Niederschlagswasser in mehreren Ebenen hindurchfließen kann.
BUND-Referent Schäuble kritisierte ausstehende Entscheidungen des Senats. Denn die Berliner Wasserbetriebe hätten sowohl das Know-how als auch die Lust, das Wassermanagement in Berlin zu übernehmen und nicht nur für Be- und Entwässerung zuständig zu sein. Mit seiner Regenwasseragentur hat das Landesunternehmen für den Neubau bereits Standards gesetzt. Aber im Bestand ist es schwieriger, die Schwammstadt mit der Entwässerung auf dem Grundstück selbst umzusetzen.
Berlins Wasserbetriebe wollen das Wassermanagement übernehmen
Noch fehlt den Wasserbetrieben auch nach langer Diskussion der Auftrag des Senats, den Wasserhaushalt in der Stadt zu managen. Diese neue Aufgabe wäre für das Landesunternehmen mit Kosten verbunden, die der Senat tragen müsste, weil es kaum vermittelbar wäre, solche Projekte aus den Wassergebühren der Kunden zu bezahlen.
Und auch unklare Zuständigkeiten zwischen verschiedenen Stellen im Land und in den Bezirken bremsten bei allem guten Willen die Sanierung von Tümpeln aus. BUND-Teich-Tester Prauser empfiehlt jedenfalls, die Gewässer zu besuchen. Seine neueste Entdeckung ist die Kuhlake im Spandauer Forst. „Das ist der Orinoko Berlins“, schwärmt Prauser.





