Bereits zwei Tage vor dem Jahrestag des Überfalls der radikalislamischen Hamas auf Israel kam es am Sonnabend zu Zusammenstößen zwischen pro-palästinensischen Demonstranten und der Polizei. Bei einem Aufzug unter dem Titel „Ein Jahr Genozid in Gaza“ vom Platz der Luftbrücke in Tempelhof nach Mitte, der zwischenzeitlich auf circa 1800 Teilnehmer anschwoll, wurden zahlreiche verbotene Skandierungen, Symbole und Parolen registriert. Laut Angaben der Polizei wurden im gesamten Einsatz 49 Freiheitsbeschränkungen durchgeführt und 42 Strafverfahren eingeleitet

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Unter den Demonstranten waren viele Kinder und Frauen. Einige trugen Bettlaken vor sich her, die mit Kunstblut beschmiert waren. Der Großteil der Demonstranten trug zudem Kufiyas, sogenannte Palästinensertücher. Neben der Palästinaflaggen wurden auch Fahnen des Libanon geschwungen. Parolen wie „Terrorismus ist keine Staatsräson“, „Stop Israels war crimes“ oder „Israel tötet“ standen auf zahlreichen Plakaten, „Deutsche Medien lügen!“ und „Olaf Scholz nach Den Haag“ wurde skandiert. Weitere Rufe bezogen sich auf einen Boykott Israels und eine neue Intifada, also Terrorwelle, gegen den israelischen Staat. Redner prangerten die angebliche Polizeigewalt in Berlin und die israelischen Militäreinsätze in Gaza, Libanon und im Jemen an.

Demonstrationszug schaffte es nicht bis zum Brandenburger Tor

Die Polizei begleitete die Demonstration engmaschig, war mit etwa zwanzig Streifenwagen vor Ort. Zunächst verlief der Protest weitgehend friedlich, Übergriffe auf einzelne Journalisten und Anfeindungen gegen eine zehnköpfige Gegendemonstration auf der Strecke wurden rasch unterbunden. Eigentlich hatte die ohnehin schon verspätete Demonstration noch bis zum Brandenburger Tor ziehen sollen. Doch bereits an der Zwischenkundgebung am Checkpoint Charlie, nachdem die Menge die enge Kochstraße passiert hatte, eskalierte die Situation zusehends.

Einige Personen versuchten, den nachgestellten Kontrollpunkt am Berliner Wahrzeichen - wie vor einem Jahr den Neptunbrunnen - zu erklettern, wurden aber von Polizeibeamten daran gehindert. Zudem versuchten Teilnehmer der Pro-Palästina-Demo hier eine Frau und ihren Vater, die sich als proisraelisch zu erkennen gaben, in den Demozug zu ziehen. Der Vater verletzte sich an der Hand. Polizisten schritten ein, es kam zu mehreren Festnahmen. Die polizeilichen Maßnahmen wurden wie üblich von Demonstranten von allen Seiten mit Handykameras aufgenommen und für die Follower als „faschistisch“ gebrandmarkt. Der Aufzug wurde gegen 20:30 Uhr beendet.

Auch am Sonntag sind viele Demonstrationen angemeldet

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sieht ein Jahr nach dem Terrorangriff der Hamas erhebliche Gefahren für jüdisches Leben in Deutschland. Die Hemmschwelle, zu Gewalt gegen Juden aufzurufen und auch auszuüben, sinkt“, sagte Schuster der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist eine erschütternde Entwicklung, die wir nicht einfach so hinnehmen können.“ Jüdinnen und Juden in Deutschland fühlten sich häufig alleingelassen. Dabei würden tief verwurzelte Traumata geweckt. Es gebe eine „anhaltende Explosion antisemitischer Taten“ und einen „Mechanismus des Hasses“, warnte Schuster. Am häufigsten sei Israel-bezogener Antisemitismus. Anti-Zionismus sei als Schlachtruf wieder salonfähig geworden.