Kopf heben, auf die Vorderpfoten stemmen und dann kräftig gemeckert - es ist ganz schön was los in der Panda-Kinderstube. So klein, und schon so eine laute Ansage. Säugetierkurator Florian Sicks zeigt ein Video von der „Babystation“ und ist selbst ganz beeindruckt von dem knatternden Jungtier. Am Sonntag, 22. September, werden die beiden Panda-Mädchen ein Monat alt. Sie haben nicht nur die kritische Anfangsphase überstanden, sondern sich tatsächlich prächtig entwickelt. „Wir sind rundum zufrieden“, sagt der Kurator bei einem Treffen vor dem Panda Garden im Zoo.
Pandas in Berlin: Beide Jungtiere wiegen schon über ein Kilogramm
Bei ihrer Geburt wogen die zweieiigen Zwillinge nicht einmal 200 Gramm, sie waren gerade 14 Zentimeter groß und nackt mit einer gläsernen rosafarbenen Haut. Das hat sich schnell verändert: Heute wiegen sie 1140 und 1202 Gramm, also beide mehr als ein Kilo, und sind so groß wie ein Zwergkaninchen. Der kleine Gewichtsunterschied hat den beiden auch schon ihre ersten Namen von den Pflegern eingebracht. Sie werden einfach „die Große“ und „die Kleine“ genannt, wobei die Große auch die Erstgeborene ist, die zudem an einem Knick im Schwanz zu erkennen ist.

Nach vier Wochen sind die Jungtiere schon gut behaart. Bereits nach einigen Tagen haben sie die typischen schwarzen Flecken an Augen, Ohren und Schultern bekommen, zwei Wochen nach der Geburt kam zu den weißen Härchen der erste Ansatz eines schwarzen Fells. „Wenn sie ausgewachsen sind, ist die Haut einheitlich hell und nur noch das Fell hat die schwarz-weiße Färbung“, erläutert Florian Sicks.

Noch schlafen beide viel. Anfangs haben sie noch elf Mal innerhalb von 24 Stunden getrunken, aber nur sehr kleine Mengen. „Heute reichen ihnen drei bis vier Male am Tag, aber dann sind es auch schon mal 80 Milliliter statt anfangs fünf“, so der Kurator. Sie bekommen nur Muttermilch und sind abwechselnd bei Meng Meng auf dem Bauch oder im Arm. Für sie sei das im Moment alles sehr anstrengend, berichten auch die Pfleger, die ihr ein paar längere Ruhephasen gönnen würden. Aber sie wird dafür verwöhnt und bekommt nur ihren Lieblingsbambus. Dazu gibt es jeden Tag fünf Kilogramm Bambussprossen.

Von dieser Delikatesse bekommt auch Panda-Vater Jiao Qing etwas ab. Zu seiner großen Freude. Mit seinem Nachwuchs hat er ansonsten nichts zu tun, wahrscheinlich weiß er nicht einmal, dass es ihn gibt. An diesem Vormittag sitzt er in seinem Glasgehege auf der Bank und knackt genüsslich einen Bambusast nach dem anderen. Tiefenentspannt und entschleunigt. Da er nie in den Innenbereich gelassen wird, wo sich Meng Meng mit dem Nachwuchs aufhält, ist er jederzeit für die Zoobesucher zu sehen. So können sie wenigstens einen Großen Panda beobachten.
Vielleicht werden die Panda-Zwillinge noch dieses Jahr der Öffentlichkeit vorgstellt.
Denn die Jungtiere sind noch lange nicht zu sehen. Das zeigt die Erfahrung von Pit und Paule. Sie waren die ersten Pandabären, die jemals in Deutschland geboren wurden. Im August 2019 kamen sie im Zoo Berlin auf die Welt, nach 100 Tagen wurden sie das erste Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Da wurden sie aber noch im Babybettchen auf den Vorplatz des Panda-Geheges geschoben und verschwanden gleich wieder in den Backstage-Bereich. Ende Januar 2020 waren sie auf der Anlage zu sehen, ab Ostern dann auch im Außengehege. So ähnlich könnte der Zeitplan auch diesmal bei den Panda-Schwestern aussehen.
Mindestens zwei Jahre bleiben Mutter und Nachwuchs zusammen
Mindestens zwei Jahre können die Zoo-Besucher dem Nachwuchs beim Aufwachsen zusehen. Solange werden sie noch von Meng Meng gesäugt und können nicht von der Mutter getrennt werden. Pit und Paule waren am Ende sogar vier Jahre im Zoo, weil sie sich gut verstanden. Heute leben sie zusammen im chinesischen Chengdu in einer Aufzucht- und Forschungsstation. Große Pandas sind immer Leihgaben der Volksrepublik, deshalb gehört auch der Nachwuchs China.

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Auf der Panda-Anlage ist derzeit von der großen Aufregung rund um den Nachwuchs im Innenbereich noch nicht viel zu spüren. Die meisten Besucher erfreuen sich an Jiao Qing. Aber auf einem Monitor, auf dem vorher die Entwicklungsschritte von Pit und Paule gezeigt wurden, sind nun die aktuellen Bilder der beiden Panda-Mädchen zu sehen.





