Sie ist 2,40 Meter breit und ganze 50 Meter lang: die neue Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die zugleich die längste in der Geschichte des Verkehrsunternehmens ist. Am Mittwoch wurde das erste Fahrzeug von Hersteller Alstom offiziell präsentiert. Es soll in Zukunft auf der meist genutzten Berliner Tram-Linie, der M4, eingesetzt werden und dort die Kapazität erhöhen. 312 Fahrgäste finden in der neuen Straßenbahn laut BVG maximal Platz, davon 92 auf Sitzen. Derzeit fahren auf der M4 zwischen Mitte und Lichtenberg zwei gekoppelte Züge von jeweils 30 Meter, die insgesamt 300 Menschen transportieren können. Pro Tag kommt die M4 demnach auf 100.000 Fahrgäste.

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Bis die neue Straßenbahn bei der BVG angekommen ist, sind einige Jahre vergangen. Wie Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die auch Aufsichtsratsvorsitzende des Verkehrsunternehmens ist, sagte, es gab erste Gespräche für die neuen Fahrzeuge bereits im Jahr 2016. Als die BVG im Jahr 2021 dann ein erstes Modell der Tram vorstellte, rechnete man noch damit, dass erste Exemplare Ende 2022 durch die Hauptstadt fahren würden. Dass sich der Termin mehrfach verzögerte, wurde unter anderem mit den Folgen der Corona-Pandemie sowie die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs begründet.
Tram der BVG soll leiser sein und Verschleiß an Trassen reduzieren
Insgesamt produziert Alstom maximal 117 Trams für die BVG, worunter aber nicht nur die extralangen, sondern auch 30-Meter-Fahrzeuge sind. In einem ersten Schritt hat die BVG nun 20 der 50 Meter langen Straßenbahnen bestellt, die bis 2026 ausgeliefert werden. Mit dem ersten der Fahrzeuge, von der BVG „Urbanliner“ genannt, finden nun zahlreiche Tests statt, Anfang 2025 sollen dann auch Fahrgäste die Tram nutzen können – und nicht nur vom gestiegenen Platzangebot profitieren.
Müslüm Yakisan, Präsident der DACH-Region bei Alstom, sprach von „immensen Innovationen“, die die Straßenbahn biete. Dazu gehöre ein neu entwickeltes Fahrzeuggestell, das Vorteile für Fahrgäste, Anwohner und die BVG selbst bringen soll, weil Erschütterungen reduziert werden und die Straßenbahnen ruhiger sind. Und auch der Verschleiß der Straßenbahn-Trassen soll abnehmen, verspricht der Hersteller.
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BVG: Neue Straßenbahn soll Sicherheit verbessern
Was außerdem neu ist: Im Innenraum gibt es ein verändertes Beleuchtungskonzept, das je nach Jahres- und Tageszeit mal für kälteres, mal für wärmeres Licht sorgt. An den Türen gibt es nun LED-Streifen, die rot oder grün leuchten und Fahrgästen damit signalisieren, wann sie ein- und aussteigen können. Um die Barrierefreiheit zu verbessern, sollen große Mehrzweckabteile viel Platz für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen bieten, außerdem gibt es Sitze mit unterschiedlichen Höhen von 40 bis 51 Zentimetern.

Und auch die Sicherheit soll durch die neuen Straßenbahnen zunehmen. Erstmals besitzt eine Tram der BVG jetzt keine Außenspiegel mehr, sondern stattdessen ein System von Kameras. Dieses soll den Blick der Fahrer nach hinten verbessern und dafür sorgen, dass es keinen toten Winkel mehr gibt. Ein Assistenzsystem werde die Tram-Fahrer außerdem vor Hindernissen im Fahrbereich warnen, heißt es von der BVG.
Neue Straßenbahnen sollen alte Berliner Trams ersetzen
Perspektivisch könnten die neuen Straßenbahnen auch auf der Linie M10 eingesetzt werden, die im vergangenen Jahr bis zur Turmstraße verlängert wurde und weiter in Richtung Jungfernheide sowie Hermannplatz ausgebaut werden soll. „Die Straßenbahn ist auf Wachstumskurs“, sagte BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt. Das gelte für das Streckennetz, für das es abgesehen von der M10 weitere Ausbaupläne gibt, aber auch für die Fahrgastzahlen. Auch die Straßenbahnstrecke zur Turmstraße wird von deutlich mehr Menschen genutzt als vor der Eröffnung prognostiziert.
Mit den neuen Straßenbahnen sollen auch alte Fahrzeuge ersetzt werden, die aus den 1990er-Jahren stammen. Die Nutzungsdauer der ersten Straßenbahn vom Typ GT6 ende im August 2025, sagte Rico Gast, BVG-Bereichsleiter Straßenbahn. Planmäßig sollen 2026 dann zehn bis 20 alte Fahrzeuge ausgemustert werden – auch weil der Platz auf den Betriebshöfen begrenzt sei. Was genau mit den alten Bahnen passiert, muss noch entschieden werden.

Gast schloss außerdem nicht aus, dass die Berliner Straßenbahnen in Zukunft noch länger werden könnten, auch wenn man zunächst Erfahrungen mit den 50-Meter-Bahnen sammeln müsse. „Wenn die Nachfrage es hergibt, dass wir noch längere Straßenbahnen brauchen, steht dem nichts entgegen“, so Gast. Ein Großteil der Tramhaltestellen in der Stadt sei auf 60 Meter ausgelegt.





