Fahrgäste müssen derzeit bei der Berliner U-Bahn immer wieder Ausfälle und Verspätungen hinnehmen. Nun haben sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dazu geäußert und auf den alten Fuhrpark sowie technische Probleme bei den Zügen verwiesen. „Wir haben bei den Fahrzeugen eine herausfordernde Situation“, sagte BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt. Im sogenannten Kleinprofil, auf den schmaleren Linien U1 bis U4, bereite insbesondere hohe Alter der Fahrzeuge Probleme. Manche der Züge sind demnach seit rund 60 Jahren im Einsatz. „Da hätten wir uns gefreut, wenn wir die neuen Züge deutlich früher hätten bestellen können“, sagte Erfurt.

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Wegen rechtlicher Auseinandersetzungen rund um die Ausschreibung für neue U-Bahnen hatte sich zunächst die Bestellung der jüngsten Baureihe lange verzögert. Dann führten Lieferschwierigkeiten beim Berliner Hersteller Stadler zu einer deutlich verspäteten Auslieferung der ersten Testzüge; die ersten Wagen wurden Anfang des Jahres an die BVG übergeben. Die Serienauslieferung soll dem Verkehrsunternehmen zufolge nun erst im kommenden Jahr beginnen. Stadler ließ eine Anfrage am Montag unbeantwortet.
Bislang sind 376 Wagen bei Stadler bestellt worden, doch es dürften noch mehr werden: Im aktuellen, bis 2035 laufenden Verkehrsvertrag zwischen dem Land Berlin und der BVG sind rund 1000 neue Wagen festgelegt, die nötig sind, um alte Züge zu ersetzen und wie vorgesehen das Angebot an Fahrten auszubauen
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Für die Kleinprofillinien U1 bis U4 kündigt die BVG in Reaktion auf die aktuellen Fahrzeugprobleme nun an, dass „gezielte Anpassungen an den Zuglängen sowie punktuell am Fahrplan“ geprüft werden. Das Unternehmen verspricht sich davon mehr Stabilität und eine bessere Planbarkeit für Fahrgäste, für die das auf der anderen Seite aber auch bedeutet, dass es durch kürzere Züge und den Wegfall einzelner Fahrten noch enger in den U-Bahnen werden kann. Noch befinden sich mögliche Änderungen laut BVG in Abstimmung mit dem Land Berlin.
Fahrzeuge müssen länger in die Werkstatt
Auch bei den sogenannten Großprofil-Linien U6 bis U9 gibt es Probleme, die die Fahrgäste im Betrieb spüren. Ein außergewöhnlich hoher Verschleiß an den Radsätzen bestimmter Baureihen sorge derzeit für längere Werkstattaufenthalte der Fahrzeuge, hieß es. „Wir untersuchen noch die Fehlerursache“, sagte der Betriebschef.
„Die Mitarbeitenden arbeiten mit Hochdruck daran, die Züge wieder in den Einsatz zu bringen“, teilte die BVG mit. Doch es fehlen Werkstattkapazitäten, weil die Linie U5 mit ihrer Werkstatt in Friedrichsfelde derzeit vom Netz getrennt ist. Hintergrund ist, dass der marode Waisentunnel als Verbindung zwischen der U5 und dem restlichen U-Bahn-Netz seit Jahren gesperrt ist, der Abriss und anschließende Neubau wird noch Jahre dauern. Die Werkstatt in Britz ist in der Folge stark ausgelastet. Wann die Probleme an den Fahrzeugen behoben sind, ist derzeit noch offen. Bis dahin müssen sich Fahrgäste weiter auf den Ausfall von Fahrten einstellen.
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Dass die Auslastung auf einzelnen Linien aufgrund der Fußball-Europameisterschaft an Spieltagen noch einmal deutlich größer ist, macht es für die BVG und ihre Fahrgäste nicht leichter. Dennoch äußerte sich Erfurt mit dem EM-Verlauf für die BVG zufrieden. „Alles, was fahren und rollen kann, das fährt und rollt“, sagte er. „Wir mussten für die EM-Zeit rund 100 neue Fahr- und Dienstpläne erstellen.“ Die angekündigte Taktverdichtung auf den besonders nachgefragten U-Bahn-Linien funktioniere. Das gehe aber zum Teil auf Kosten von anderen Linien, betonte der BVG-Manager.
Grüne fordern, beim ÖPNV nicht zu kürzen
Mit Blick auf die U-Bahn-Schwierigkeiten drängt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Antje Kapek, darauf, trotz der angespannten Haushaltslage nicht beim ÖPNV zu sparen. „Die aktuellen Kapazitätsprobleme bei der U-Bahn machen eins deutlich: Haushaltskürzungen zu Lasten des öffentlichen Nahverkehrs schaden ganz Berlin“, sagt sie. Statt Gelder zu kürzen, müsse kontinuierlich in neue Wagen investiert werden.
Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbands Igeb, sieht in der aktuellen Lage das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. „Die Problematik ist eine Krise, die über 20 Jahre herangereift ist“, sagt er, und nennt dabei sowohl den alten Fuhrpark, als auch den Mangel an Zügen und Infrastrukturmängel. Von der BVG fordert er, den Berlinern gegenüber offen zu kommunizieren. Aber auch die Politik sei gefragt. „Die Verkehrssenatorin muss mit der BVG gemeinsam zu überlegen, welche betrieblichen Konsequenzen die Lage hat“, so Wieseke. Dann gelte es, zeitnah Entscheidungen zu treffen „und klar zu sagen, was geht und was mit dem aktuellen Fuhrpark nicht möglich ist“.
dpa/jes




