Während der deutsche Tennis-Profi Alexander Zverev derzeit sportliche Erfolge bei den French Open in Paris feiert, geht vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin auch die juristische Auseinandersetzung mit seiner Ex-Freundin Brenda Patea in die nächste, in die entscheidende Runde. Der Auftakt am Freitag gab bereits einen Vorgeschmack darauf, wie sich der Prozess in den angesetzten zehn Verhandlungstagen zu einer wahren Schlammschlacht entwickeln könnte. Auf Antrag von Zverevs Verteidiger Alfred Dierlamm beendete Richterin Barbara Lüders den ersten Prozesstag, ohne die Zeugin Patea überhaupt anzuhören.
Dierlamm argumentierte, dass ihre Aussage die Intimsphäre und die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten und dessen Tochter verletzen würde. Daher solle sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Darüber muss das Gericht nun bis Montag entscheiden. In der Tat sind die behandelten Details pikant. Zverev ist wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt, die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Patea, die Mutter der gemeinsamen Tochter Mayla, im Mai 2020 nachts im Flur ihrer gemieteten Airbnb-Wohnung in Charlottenburg bei einem Streit heftig an die Wand gedrückt und gewürgt zu haben. Patea habe darauf unter Luftnot und erheblichen Schmerzen gelitten und hätte sich nur durch eine Flucht weiterer Gewalt entziehen können, hieß es.
Nicht die erste Anschuldigung gegen Alexander Zverev
Der Vorwurf stützt sich allein auf Aussagen Pateas. Die Influencerin, die 2017 in der TV-Show „Germanys Next Topmodel“ auftrat, als Model arbeitet und von Ende 2019 bis Sommer 2020 mit Zverev zusammen war, ist Nebenklägerin. Wegen des Vorfalls war schon im Oktober 2023 ein sogenannter Strafbefehl vom Amtsgericht gegen Zverev verhängt worden, wonach er ohne Prozess eine Geldstrafe von 450.000 Euro wegen Körperverletzung zu zahlen habe.
Dagegen legte der Profisportler Einspruch ein und lehnte auch jeden Vergleich und jede Einigung ab. Er weist die Vorwürfe komplett zurück. Zverev sagte erst vor einigen Tagen am Rande der French Open: „Ich glaube, dass ich dieses Verfahren nicht verlieren werde. Das ist absolut ausgeschlossen.“ Persönlich vor Gericht erscheinen muss er nicht.
Es ist dabei nicht die erste Anschuldigung dieser Art gegen den in Monaco lebenden Tennis-Star, der mittlerweile mit der Moderatorin Sophia Thomalla liiert ist. Auch eine weitere Ex-Freundin, Olga Scharypowa, hatte ihn in der Vergangenheit beschuldigt, sie geschlagen und gewürgt zu haben. Die Ähnlichkeit dieser Anschuldigungen waren allerdings für Zverevs Verteidiger Alfred Dierlamm ein Beweis dafür, dass sich Patea den Vorfall nur ausgedacht, ihn quasi „kopiert“ habe. Er zeichnete in seiner Auftaktrede das Bild Pateas als einer manipulativen Lügnerin, der es nur um den eigenen Vorteil, ein Luxusleben und die kommerzielle Vermarktung ihrer Tochter gehe.
Verteidigung zeichnet extrem negatives Bild von Brenda Patea

Für Dierlamm sind die Vorwürfe gegen seinen Mandanten dementsprechend frei erfunden, widersprüchlich und nicht belastbar. Pateas Anzeige gegen ihn erst eineinhalb Jahre nach dem angeblichen Vorfall im Mai 2020 stehe in engem Zusammenhang mit einem Streit um das Sorgerecht, „völlig überzogene“ Unterhaltsforderungen für die im März 2021 geborene gemeinsame Tochter Mayla und Eifersucht gegenüber Zverevs neuer Lebensgefährtin Sophia Thomalla.
Der Verteidiger sagte, Fotos, Videos, Chat-Verläufe und Zeugenaussagen aus den Tagen nach dem angeblichen Angriff Zverevs auf sie würden eindeutig belegen, dass keine Verletzungen sichtbar gewesen seien und das Paar sich bestens verstanden habe. So habe man etwa gut gelaunt mit ihrer Mutter in Hamburg gegessen und mit Freunden einen Jachtausflug vor Monaco gemacht. Ein Gutachten des angesehenen Berliner Rechtsmediziners Michael Tsokos würde im Laufe des Verfahrens beweisen, dass der angebliche Angriff nie stattgefunden habe.
Brenda Patea soll Lügnerin sein

Zverevs Verteidiger sagte, der damaligen Freundin sei es bei der Beziehung vor allem darum gegangen, ihre Followerzahlen bei Instagram und Tiktok zu erhöhen und ein Leben wie im Jetset mit teuren Restaurants, Weltreisen, angesagten Partys und „Shoppen ohne Limit“ zu führen. Dabei habe sie schon in der Vergangenheit in Veröffentlichungen im Internet immer wieder über ihr Leben und ihr Einkommen gelogen, sich etwa als Finanzberaterin und Hotelbesitzerin bezeichnet und auch das angebliche Kennenlernen mit dem Tennisprofi in Paris für die Medien frei erfunden.
Zverev habe ihr des Weiteren die hohen Ausgaben für Reisen, Hotels, Luxus-Einkäufe und die Wohnung in Berlin gezahlt. Man werde im Prozess seine Kreditkartenabrechnungen vortragen. Patea wiederum habe erst spät erkannt, dass ein Tennisprofi in Wirklichkeit ein anderes Leben als das von ihr angestrebte führe: mit harter Disziplin, viel Training, kontrollierter Ernährung und ohne Partys und Alkohol, behauptete Dierlamm. Sie habe Zverev immer wieder damit gedroht, wie schon Scharypowa an die Öffentlichkeit zu gehen, um so ihre übertriebenen Geldforderungen durchsetzen zu können.
Anwalt: Patea soll von der Gegenseite eingeschüchtert werden
Für Pateas Verteidiger Michael Nitschke ein durchschaubarer Versuch, die Glaubwürdigkeit seiner Mandantin zu untergraben. „Sie versuchen, ihr zu drohen, sie psychisch zu zermürben und zu ruinieren“, so Nitscke am Rande der Verhandlung. Patea gehe es nicht ums Geld, sondern um Gerechtigkeit. Einschüchtern lasse sie sich davon aber nicht.
„Sie ist nicht verängstigt, ihr geht es gut“, betonte Nitschke. Allerdings koste so ein langer Prozess viel Geld und „irgendwann ist sie wirtschaftlich am Ende“. Das Vorgehen der Verteidigung, lauter Gutachter auszufahren, sei nicht seriös, es überrasche ihn aber nicht, so der Anwalt. Die Verteidigung Zverevs hatte angekündigt, dass sie beantragen wolle, die Ex-Freundin unter Eid aussagen zu lassen, um sie so der Lüge zu überführen.



