Anlässlich des sogenannten Nakba-Tages sind Tausende Menschen bei einer propalästinensischen Demonstration von Kreuzberg aus zum Roten Rathaus in Mitte gezogen. Angemeldet waren etwa 2000 Teilnehmer. Die Polizei sprach in der Spitze von 6200 Demonstranten, die Veranstalter behaupteten, 10.000 Menschen hinter sich versammelt zu haben. Die Stimmung war teils deutlich aufgeheizt. Mehrmals musste der Zug von der Polizei wegen des Einsatzes von Pyrotechnik und weiteren Verstößen gegen die Auflagen zum Stehen gebracht werden. Insgesamt waren circa 500 Polizeibeamte vor Ort.
Für besonderes Aufsehen sorgte die FDP-Politikerin Karolin Preisler, die mit einem Transparent mit der Aufschrift „Believe Israeli Women“ und „Rape Is Not Resistance“ sowie einem Foto der von der Hamas am 7. Oktober entführten und jüngst tot aufgefundenen deutschen Staatsbürgerin Shani Louk gegen die Kundgebung protestierte und den Zug begleitete. Ein Dutzend Polizisten mussten sie vor wütenden propalästinensischen Demonstranten schützen. Nahe der Fischerinsel verwendete einer der Rednerinnen im Lautsprecherwagen die verbotene Parole „From the river to the sea“.
Bei ihrer darauffolgenden Festnahme kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Mehrere Teilnehmer wurden abgeführt, mindestens eine Person aus dem Umfeld der Veranstalter musste mit einem Krankenwagen abgeholt werden. Die Polizei ermittelt zu 25 Strafanzeigen. Außerdem setzten die Polizisten in 25 Fällen „freiheitsbeschränkende“ Maßnahmen auf der Demo ein, um etwa Personalien festzustellen, wie ein Sprecher am Sonntagmorgen mitteilte.
Ausschreitungen In Neukölln in der Nacht möglich
Eigentlich fand der Nakba-Gedenktag (Nakba ist Arabisch für Unglück oder Katastrophe) am 15. Mai statt. Er erinnert an die Flucht und Vertreibung hunderttausender Palästinenser im ersten Nahostkrieg 1948 nach der Staatsgründung Israels. Schon am Mittwochabend gab es in Charlottenburg eine friedliche Demonstration mit etwa 600 Teilnehmern. Im Anschluss kam es jedoch in Neukölln zu Tumulten und Auseinandersetzungen mit Polizeibeamten. Einige Demonstranten setzten dort Mülleimer in Brand, auch Feuerwerk und bengalisches Feuer wurde gezündet. Die Polizei habe genau im Blick, ob sich ähnliche Bildungen kleiner, gewaltbereiter Gruppen nach dem Protestzug vom Sonnabend auch in der Nacht auf Sonntag in den entsprechenden Gegenden Neuköllns ereignen könnten, so eine Polizeisprecherin auf Nachfrage.



