An der Bushaltestelle blicken die Wartenden im Wechsel hektisch auf ihre Handys, den ausgehängten Fahrplan und auf die Straße. Hat der Bus nur Verspätung, ist er gänzlich ausgefallen – und vor allem: Wann ist mit dem nächsten zu rechnen?

Auskunft darüber gibt an einigen wenigen Haltestellen das Dynamische Auskunfts- und Informationssystem (DAISY). Mit digitalen Anzeigetafeln sind jedoch gerade einmal 17 Prozent der 6600 Berliner Bushaltestellen ausgerüstet, bei den Straßenbahnhaltestellen sieht es besser aus, dort haben 95 Prozent einen digitalen Informationsanzeiger. Nach mehr als 30 Jahren sind deren Design und verfügbare Funktion jedoch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Mit der neuen Generation, die die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Mittwoch vorstellten, soll sich das ändern.

An der Bushaltestelle „U Rotes Rathaus“ an der Spandauer Straße in Mitte ist die technische Neuerung zu sehen. Dort enthüllten am Mittwoch Franziska Giffey (SPD), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, sowie die BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Manja Schreiner (CDU), Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, sowie Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG, eine der neuartigen Leuchtstelen.

Neue Infostele der BVG: Klassisches Design, digitaler Inhalt

Zwar sehen diese 3,50 Meter hohen, viereckigen Stelen auf den ersten Blick genauso aus, wie das mehr als 30 Jahre alte Vorgängermodell. Im Gegensatz zur alten enthält die neue aber keinen ausgedruckten und damit manchmal veralteten Fahrplan. Sondern sie versorgt die Fahrgäste mit digitalen Fahrplänen, Linieninformationen oder Anschlussverbindungen – „und zwar in Echtzeit“, wie BVG-Chef Henrik Falk betonte.

Zum Vergleich:  An der Bushaltestelle Jüdenstraße in Berlin-Mitte steht eine der klassischen BVG-Infostelen, die ohne digitale Ausstattung lediglich den gedruckten Fahrplan präsentiert.
Zum Vergleich: An der Bushaltestelle Jüdenstraße in Berlin-Mitte steht eine der klassischen BVG-Infostelen, die ohne digitale Ausstattung lediglich den gedruckten Fahrplan präsentiert.© Isabell Jürgens | Isabell Jürgens

Moderne Technologie ermögliche es, dass die von der BVG liebevoll „Diggi“ genannten neuen Stelen nicht nur, wie die bisherigen digitalen DAISY-Anzeigetafeln, die Minuten herunterzählten, bis der nächste Bus kommt. Sie zeigten auch an, wenn – „was sehr selten vorkommt“, wie Falk betonte – ein Bus ausfallen sollte. Dies sei bisher nicht möglich gewesen, die Fahrgäste hätten bislang nur gesehen, wie der Countdown läuft – und der Bus schließlich kurz vor der angezeigten Ankunft von der Anzeige verschwindet.

Neue Infostele mit Vorführeffekt: Im Testlauf versagt „Diggi“

Am Mittwoch funktionierte „Diggi“ allerdings noch nicht wie angekündigt: Ein ausgefallener Bus wurde prompt nicht angezeigt. „In Kürze“, versprach Falk, werde das System aber online gehen. Wann genau, konnte er auf Nachfrage nicht sagen.

Mit den „Diggi“-Stelen sollen in diesem Jahr noch 80 weitere Haltestellen ausgestattet werden, in den kommenden Jahren dann jährlich 40, wie Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sagte. Finanziert werde der Ausbau mit einer Förderung in Höhe von insgesamt 5,4 Millionen Euro, die sich Bund und Land hälftig teilten. Die Kosten pro Stele belaufen sich auf rund 25.000 Euro. Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) bezeichnete die neuen Säulen als weiteren „Baustein, um immer mehr Menschen vom Umstieg auf Busse und Bahnen zu überzeugen“.

Geplant ist, dass zunächst 20 Prozent der digitalisierten Stelen an Straßenbahn-Haltestellen stehen, 80 Prozent an Bus-Haltestellen. Standorte sind zum Start vor allem in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf geplant. Über Befragungen sollen die Fahrgäste Feedback geben können, bei Bedarf können Anordnung und Layout der Anzeigesysteme dann nach BVG-Angaben angepasst werden.

Die flächendeckende Ausstattung aller Bushaltestellen mit digitalen Anzeigetafeln ist jedoch nicht geplant: „Das wäre aufgrund der Kosten nicht darstellbar“, so der BVG-Chef. Und verweist darauf, dass seit 2020 bereits mehr als 1300 Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Haltestellen mit neuen Anzeigen ausgestattet wurden. Inzwischen seien 2000 der mehr als 7500 BVG-Haltestellen mit digitalen Anzeigern ausgestattet.

Verbesserte Lesbarkeit auch auf den U-Bahnhöfen

Zudem wird auch an den bestehenden Anzeigetafeln gearbeitet. So hat die BVG in ihren U-Bahnhöfen bereits vor zwei Jahren die Anzeigentafeln für eine bessere Lesbarkeit überarbeitet und dafür das Layout von DAISY verändert. Seitdem sind die Minuten-Angaben deutlich größer und so auch mit weiterem Abstand besser erkennbar. Ebenfalls angepasst wurde in dem Zusammenhang der Hinweis auf barrierefreie Züge.