Wegen der Belastung mit Schimmel musste die Berliner Polizei zu Silvester insgesamt fast ein Viertel aller Verpflegungseinheiten entsorgen. Von den rund 3500 Lunchbeuteln, die für die sich im Einsatz befindlichen Dienstkräfte geordert wurden, landeten circa 820 auf dem Müll. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus behördeninternen Kreisen. Ob tatsächlich alle 820 belastet waren, ist demnach unklar. Einige sollen vorsorglich aussortiert worden sein.

Laut Polizei hatte ein beauftragter Caterer die Lunchbeutel am Vormittag des 31. Dezember geliefert, die in Teilen wohl auch an die Dienstkräfte ausgegeben wurden. Allerdings wurde der Schimmel schnell bemerkt und die betreffenden Beutel zurückgerufen.

Einige Polizisten erhielten stattdessen eine zweite warme Mahlzeit. Wer keine Kaltverpflegung bekam, für den zahlte die Behörde eine Aufwandsentschädigung von 14 Euro. Bei 820 entsorgten Einheiten entspräche das insgesamt 11.480 Euro.

Stellungnahme des Caterers steht auch nach einer Woche noch aus

Deutlich ist der Schimmel an den Brötchen zu erkennen.
Deutlich ist der Schimmel an den Brötchen zu erkennen.© DPolG Berlin | DPolG Berlin

Die Polizei sieht die Schuld beim Caterer und gab bereits vergangene Woche an, die Lebensmittel nach Lieferung ordnungsgemäß in Kühlzellen gelagert zu haben. Daher werden rechtliche Schritte erwogen, wie die Behörde bereits in der vergangenen Woche sagte. Allerdings soll das Berliner Unternehmen vorher die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten. Diese steht dem Vernehmen nach noch aus.

Es soll der erste Fall sein, bei dem der Caterer verdorbene Lebensmittel geliefert hatte. Es soll sich um das einzige Unternehmen gehandelt haben, das sich auf die jüngste europaweite Ausschreibung bewarb. Beschäftigtenvertreter sprachen von einer Respektlosigkeit.

Offenbar hat keiner der Einsatzkräfte verdorbenes Essen zu sich genommen. Zumindest ist über entsprechende Erkrankungen nichts bekannt. Dennoch hat das Polizeipräsidium reagiert und möchte bis Ende Januar die Geschäftsanweisung über die Versorgung in der Polizei Berlin überarbeiten. Darin sollen neue Qualitätsstandards aufgenommen werden.

„Es kann nicht sein, dass Menschen sich 24/7 in den Dienst dieser Stadt stellen und dafür mit Schimmelbrötchen abgespeist werden. Wir können froh sein, dass die Betroffenen das gleich in den Eimer geworfen haben und man mittels Reserven wenigstens zwei Einsatzhundertschaften noch verpflegen konnte. Wir danken der Behördenleitung, dass sie hier lückenlos und transparent aufklärt und dem Gesamtpersonalrat, dass er sich der Problematik sofort angenommen und die Aufklärung vorangetrieben hat“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Polizei zu Silvester insgesamt mit fast 4000 Kräften im Einsatz

Rund um den Jahreswechsel war die Berliner Polizei mit einem Rekordaufgebot von rund 3200 eigenen und 680 Unterstützungskräften aus anderen Ländern im Einsatz. Zwischen 18 und 6 Uhr verzeichnete die Behörde 1328 „silvestertypische“ Straftaten und identifizierte 788 Tatverdächtige. Mindestens 27 Beamte wurden verletzt, davon zwölf durch Pyrotechnik. Insgesamt verzeichnete die Behörde 73 Attacken auf Polizeikräfte sowie zwei weitere Mitarbeiter von Rettungsdiensten und keine auf Kräfte der Berliner Feuerwehr.