Unbekannte haben in der Nacht zu Dienstag in Berlin-Wilmersdorf eine Blitzersäule auf geradezu spektakuläre Art und Weise zerstört. Wie die Polizei mitteilte, explodierte das am Kurfürstendamm aufgestellte Gerät gegen 2.15 Uhr. Teile der Anlage wurden bis zu 60 Meter entfernt vom ursprünglichen Standort aufgefunden, hieß es weiter. Andere Beschädigungen oder verletzte Personen wurden aber nicht bekannt, wie die Polizei mitteilte. Die modernen Messgeräte, der Schreck der zu schnellen Autofahrer, kosten – je nach Ausstattung – bis zu 130.000 Euro.
Am Tag danach ist von den Trümmern nichts mehr zu sehen. Rot-weißes Absperrband ist um den nach der Explosion zurück gebliebenen Sockel der Anlage gewickelt. Der Verkehr schleicht auf der stark befahrenen Straße zur Mittagszeit ohnehin nur im Schneckentempo vorbei. In einem rund um die Uhr geöffneten Spätkauf in der näheren Umgebung, geben zwei Mitarbeiter an, nichts von der Tat mitbekommen zu haben. Nur an eine frühere Explosion könne man sich erinnern.
Denn eine Sache ist besonders kurios: Die gesprengte Blitzersäule war gerade erst wieder neu aufgestellt worden und noch gar nicht in Betrieb genommen. An derselben Stelle war es nämlich erst Ende Oktober zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, als zwei Männer dabei beobachtet worden waren, wie sie das Vorgängermessgerät sprengten. Auch damals flogen Trümmerteile viele Meter durch die Luft. Die Täter flüchteten unerkannt. Sie leiteten nach internen Informationen Gas ein und brachten dieses anschließend zur Explosion.
Staatschutz ermittelt bei jeder Art von Sprengstoffdelikt
Anders bei der Tat am Dienstagmorgen. Einsatzkräfte sicherten noch in der Nacht Spuren, die diesmal auf die Verwendung eines pyrotechnischen Gegenstands schließen lassen. Die weiteren Ermittlungen wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion hat – wie in solchen Fällen üblich – daher ein Fachkommissariat des Polizeilichen Staatsschutzes des Landeskriminalamtes übernommen. Unabhängig von einem politischen oder terroristischen Hintergrund ist dieses bei jedem Sprengstoffdelikt zuständig.
„Es ist schon extrem, mit welch krimineller Energie hier gezielt zerstört wird“, sagt der Landeschef der Berliner Polizeigewerkschaft GdP, Stephan Weh. „Die Säulen stehen da nicht zum Spaß, sondern weil man Raser präventiv davon abhalten möchte, Menschenleben zu gefährden.“ Es sei bekannt, dass gerade diese Straßen oft für illegale Fahrzeugrennen und Profilierungsfahrten genutzt würden, so Weh.

„Wir sollten uns auch vergegenwärtigen, dass Straftäter sicher ein Interesse daran haben, nicht geblitzt zu werden, wenn sie bei der Flucht mit 180 km/h über den Ku’damm brettern.“ Da das in diesem Bereich nicht zum ersten Mal vorgekommen sei, sollte man vielleicht über intelligente Videotechnik nachdenken. Schon jetzt werden die Geschwindigkeitsdaten direkt erfasst und an die zuständigen Stellen übermittelt, weswegen die nachträgliche Zerstörung nach dem Blitzen keinen Sinn mehr macht.
Blitzer auf dem Kurfürstendamm gegen Raser und PS-Protze
Die Berliner Polizei hat den Kudamm bei der Thematik tatsächlich besonders im Visier. Ganz in der Nähe der Stelle, wo der Blitzer explodierte, hatte es im Jahr 2020 einen schweren Unfall gegeben, der durch einen Raser verursacht worden war. Infolgedessen wurde im Dezember 2022 der Tempoblitzer vor der Schaubühne am Lehniner Platz aufgestellt.
Der Kudamm wird immer wieder von Rasern und PS-Protzen als Rennstrecke oder Showbühne für getunte Fahrzeuge missbraucht. In diesem Jahr ist aus diesem Grund ein weiterer stationärer Blitzer an der Ecke Joachim-Friedrich-Straße installiert worden. Auf Höhe der Gedächtniskirche wird derzeit ein sogenannter Lärmblitzer getestet, um getunte Autos zu erfassen. Die SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf fordert derzeit einen sogenannten Ampelblitzer am oberen Kurfürstendamm, auf Höhe der Schwarzbacher Straße. Am Donnerstag steht der Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf der Tagesordnung. Im Verkehrsausschuss ist der Vorschlag zuvor allerdings abgelehnt worden.
Die Polizei stellte im vergangenen Jahr 107 illegale Rennen von Autofahrern fest. Dazu wurden 185 Raser gefasst, die einzeln so schnell unterwegs waren, dass ihr Vergehen juristisch als „Einzelrennen“ eingeordnet werden kann. Außerdem flüchteten 214 Raser vor der Polizei.
120.550 Euro Gesamtschaden durch Blitzer-Vandalismus im Jahr 2023
Gleichzeitig werden stationäre Blitzeranlagen immer häufiger beschädigt, beklebt oder gar zerstört. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, wurden im laufenden Jahr 2023 vier Blitzersäulen gezielt beschädigt. Dadurch entstand ein Gesamtschaden von insgesamt 120.550 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 kam es zu sechs Fällen von Blitzer-Vandalismus und einem Gesamtschaden von lediglich 2500 Euro.
Weitaus größer scheinen da die Verluste, die das Land Berlin durch die fehlenden Einnahmen einer außer Gefecht gesetzten Blitzeranlage einfährt. Knapp 22 Millionen Euro nahm das Land etwa vom 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen ein, im Jahr 2022 ahndeten die 36 modernen Blitzer der Stadt ganze 164.042 Verstöße.


