Luftbrücke, erster Großflughafen und letztlich doch geschlossen. Die Geschichte des Flughafen Tempelhof ist bewegt. Fünf ausgewählte Fakten zum hundertjährigen Jubiläum.
1. Los ging alles mit zwei Holzhütten

Kaum vorstellbar, doch der Tempelhofer Flughafen ging vor 100 Jahren, am 8. Oktober 1923, mit zwei provisorischen Holzhütten an den Start. Die hölzernen Flugzeughallen von je 1000 Quadratmetern Grundfläche standen am Eingang Richtung Hasenheide. Das erste ‘echte’ Flughafengebäude entstand zwischen 1927 und 1929: Drei Hallen, ein Scheinwerferturm, eine Funkstation und ein Abfertigungsgebäude sowie ein Flughafenrestaurant mit Besucherterrasse und ein Flughafenhotel. Schon vor der Fertigstellung war klar, dass das Flughafengebäude zu klein sein würde für den stark wachsenden Flugverkehr in Tempelhof.
2. „Mutter aller Flughäfen“ wurde von den Nationalsozialisten in Auftrag gegeben
So wurde der ‘alte Hafen’ bald ersetzt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann 1934 die Planung für einen Großflughafen. Beauftragt wurde der Architekt Ernst Sagebiel. Der 1941 fertiggestellte neoklassizistische Bau erfüllte alle Anforderungen eines modernen Großflughafens. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung war er einzigartig und ist Vorbild für moderne Flughafenanlagen geworden. Der britische Architekt Lord Norman Foster bezeichnete ihn als „Mutter aller Flughäfen“. Seit 1995 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
3. Ein dunkles Kapitel: „Konzentrationslager Columbia“
Am Nordrand des Tempelhofer Felds, neben dem neuentstehenden Großflughafen, befand sich zwischen 1934 und 1936 das einzige Konzentrationslager auf Berliner Boden. Insgesamt waren in dem KZ mindestens 8000 Männer eingesperrt: politische Gefangene, jüdische Häftlinge und Homosexuelle. Die Haftbedingungen waren grausam, die hygienischen Verhältnisse erbärmlich. Im November 1936 wurde das KZ Columbia aufgelöst und die Gefangenen ins KZ Sachsenhausen gebracht.
4. Berühmt für die Luftbrücke 1948/49
Das von den Nationalsozialisten errichtete Flughafengebäude, rettete wenige Jahre später, während des Kalten Krieges, vielen Menschen das Leben. Während der Berlin-Blockade versorgten die Westalliierten die Bewohner West-Berlins aus der Luft. Lebensmittel, Medizin, Kohle und Rohstoffe für die Industrie: Die sogenannten Rosinenbomber der Amerikaner und Briten brachten über Tempelhof Hilfsgüter in die Stadt. Zwischen dem 26. Juni 1948 und dem 6. Oktober 1949 transportierten Flugzeuge in 278.000 Einsätzen mehr als 2,3 Millionen Tonnen Fracht nach West-Berlin.
5. Am 30. Oktober 2008 starteten die letzten Flugzeuge
1951 erfolgte die Wiederaufnahme des zivilen Flugverkehrs. Doch stieß der Flughafen in den 60er Jahren an die Kapazitätsgrenzen und man stellte 1975 den Betrieb ein, bis er nach dem Mauerfall wieder aufgenommen wurde. Doch nur auf Zeit: Mit dem Beschluss, Schönefeld zum Flughafen Berlin Brandenburg auszubauen, waren die Tage gezählt. Am 30. Oktober 2008 starteten mit einem DC 3-Rosinenbomber und einem Junkers-Oldtimer die letzten beiden Flugzeuge aus Tempelhof.



