Berlin rutscht beim Bildungsmonitor auf Platz 15. Nur das Bundesland Bremen schneidet schlechter ab. Die ersten beiden Plätze belegen die Bundesländer Sachsen und Bayern. Die Vergleichsstudie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert und Fachkräftesicherung fördert.
Insgesamt ist laut der Studie in ganz Deutschland das Bildungsniveau gesunken. „Die Kitas und Schulen haben noch keine gute Antwort darauf gefunden, dass die Schülerschaft in den vergangenen Jahren deutlich heterogener wurde, ein steigender Anteil zu Hause nicht Deutsch spricht oder nur wenige Bücher im Haushalt besitzt“, erklärte Studienautor Axel Plünnecke vom Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Die Berliner Schulen schneidern vor allem in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung, Bildungsarmut, Schulqualität und Integration schlecht ab. Besondere Defizite gibt es bei Berliner Schülerinnen und Schülern in den Fächern Deutsch und Mathe: Die durchschnittlichen Kompetenzen sind niedrig, viele Kinder und Jugendliche erreichen die Mindeststandards nicht. Auch besteht ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg. Vor allem bei Grundschülerinnen und Grundschülern im Bereich des Lesens wird dies deutlich.
Die Schulabbrecherquote liegt mit 6,3 Prozent geringfügig über dem Bundesdurchschnitt (6,2 Prozent), bei ausländischen Schulabgängern ist sie allerdings deutlich höher: 15,7 Prozent.
Berlin: Wenig Ausbildungsplätze, viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
Auch bei der beruflichen Bildung gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf. Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter werden in Berlin weiterhin relativ wenig betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Mit 50,1 Prozent verzeichnet Berlin die niedrigste Quote in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 67,6 Prozent) und nimmt im Ranking den letzten Platz ein. Ebenso wie bei der Quote der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz (12,9 Prozent).
Stärken weist das Land Berlin laut Bildungsmonitor wiederum bei der Betreuungsrelation auf: 2021 kamen 13,6 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten auf eine Lehrkraft. Das ist der beste Wert aller Bundesländer.
Bildungsmonitor: Unternehmer fordern Verbesserung bei den Kernfächern
Ebenso punktet Berlin mit einer guten Förderinfrastruktur. Gut 82 Prozent aller Grundschüler besuchten 2021 eine Ganztagsschule. Damit übersteigt Berlin den Bundesdurchschnitt erheblich, der gut 48 Prozent beträgt.
Angesichts der Ergebnisse des Bildungsmonitors forderte die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg, dass die Schulen in Berlin dringend die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schülern in den Kernfächern verbessern müssten. „Ohne ausreichendes Wissen in Mathematik, in Deutsch oder Englisch können die Jugendlichen den Start ins Berufsleben kaum schaffen“, hieß es. Die Interessenvertretung der Familienunternehmer befürchtet einen abschreckenden Effekt auf neue Arbeitskräfte: „Wer möchte schon in einer Stadt wohnen, wo er sich nicht auf eine gute Bildung für seine Kinder verlassen kann?“



