Es ist Tag eins der neuen Freibad-Regeln in Berlin und im Sommerbad am Insulaner liegen bereits die Nerven blank. Gegen 14.30 Uhr am Sonnabend ist das Freibad in Steglitz gesperrt, ein gutes Dutzend Polizisten steht davor, weitere Einsatzwagen fahren herbei. Ist das Bad gesperrt, weil es dort zu voll ist oder wegen eines Polizei-Einsatzes im Bad? Auskünfte sind nicht zu bekommen, die Menge wird unruhig.

Seit Sonnabend gelten neue Sicherheitsvorkehrungen in Freibädern, Ausweispflicht und Einlassstopps bei Überfüllung. Vor vielen Freibädern bilden sich Schlangen. Am Insulaner wird sie nun länger und länger.

Freibad in Steglitz: 30 Personen äußern aggressiv ihr Missfallen

Das Sommerbad Am Insulaner in Steglitz.
Das Sommerbad Am Insulaner in Steglitz.© dpa | Gregor Fischer

Ein offenbar verletzter Mann mit bandagiertem Arm liegt am Eingang und wird medizinisch versorgt, die Polizei bittet Abstand zu halten, immer mehr Menschen kommen an, stehen in der prallen Sonne, eine Schlange bildet sich, die zunehmend ungehalten wird. „Sie können nicht einfach zumachen.“ „Wenn’s dem Bademeister zu voll ist.“ „Jetzt sind wir umsonst hergefahren.“ „Gibt es noch ein Bad in der Nähe?“ „Ein bisschen brutal das Vorgehen der Security, es hat ja keiner randaliert.“ Ein aggressiv auftretender Sicherheitsmann verbietet, Fotos zu machen. Ob das Bad noch einmal öffnet? Unklar.

Nachfrage bei der Polizei-Pressestelle: „Es war so, dass sich die Badleitung entschlossen hat, den Einlass zu schließen, aufgrund des hohem Personenaufkommens bei dem Wetter“, teilte eine Sprecherin mit, „Menschen, die vor dem Eingang standen, hat das nicht gefallen, 30 Personen haben das aggressiver geäußert.“ Die mobile Wache vor Ort habe Unterstützung angefordert, aber als die kam, habe sich die Situation schon beruhigt. Die Person am Eingang sei wegen der Hitze kollabiert, weil ihr zu warm war.

Durchsagen in Bahn und Bus, dass Bad zu voll ist

Von Polizeiseite sei entschlossen worden, die BVG zu bitten, Durchsagen in Bussen zu machen, dass das Bad vorerst geschlossen habe, weil immer mehr Menschen ankamen. Auch in der Straßenbahn, gab es Durchsagen. „Damit es sich nicht staut und Leute verärgert sind“, wie die Polizei-Sprecherin erklärt. Dann könne es zu Handgreiflichkeiten kommen, die es am Insulaner aber nicht gegeben habe.

Die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) bestätigten auf Nachfrage am Sonnabend die Schließung des Einlasses. Dieser sei wegen Überfüllung geschlossen worden „und bleibt wahrscheinlich heute geschlossen“, sagte eine Mitarbeiterin am Telefon. Es könne sein, dass Inhaber von Online-Tickets aufgerufen werden, falls Plätze frei würden. Aber die Kassen blieben zu, und freiwillig gingen wohl nur wenige Menschen hinaus.

Stunde vor Schließung twittert die Polizei noch freundlich

Es war ein ungünstiges Timing, dass die neuen Regeln in Berliner Freibädern am bisher heißesten Tag des Jahres eingeführt wurden. Auf bis zu 35 Grad kletterte das Thermometer, doch in vielen Freibädern behielten die Menschen trotz langer Schlangen die Nerven. Bis zum Sonnabendnachmittag lagen der Polizei keine weiteren Berichte über Einsätze in Freibädern vor, nur die Schließung des Insulaner-Bads.

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Dabei hatte die mobile Wache, eine von fünf in Berlin, die nun öfter vor Freibädern stehen sollen, noch eine Stunde vor Schließung des Bads ein Bild von drei Polizisten am Einlass auf Twitter veröffentlicht mit dem Text: „Auch heute wünschen wir allen Badegästen des Sommerbades Am Insulaner in Steglitz eine schöne Zeit und reichlich Abkühlung. Neben den Mitarbeitenden stehen Ihnen auch unsere Kollegen der mobilen Wache im Eingangsbereich für Fragen und Hinweise zur Verfügung.“ Dann wurde es unruhig.

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Sommerbad in Kreuzberg:Fast jeder kam herein

Eine Polizeibeamtin beobachtet am Prinzenbad in Kreuzberg die ankommenden Badegäste.
Eine Polizeibeamtin beobachtet am Prinzenbad in Kreuzberg die ankommenden Badegäste. © Paul Zinken/dpa

Andernorts funktionierte es reibungsloser. Am Sommerbad Kreuzberg an der Prinzenstraße waren mehrere Flatterbänder gespannt, um die verschiedenen Schlagen zu trennen. Sicherheitsmitarbeiter fragten ankommende Gäste sofort „Online-Ticket?“ und leiteten sie bei Bejahung zum Drehkreuz. Andere Gäste mussten sich an die Kassen stellen, die alle geöffnet waren und zügig vorgingen, obwohl das Personal nun von jedem Gast den Ausweis kontrollieren muss. Eltern mit Kindern hatten teilweise Probleme, wie sie die Identität ihrer Kinder nachweisen sollten, einige hatten Schülerausweise, andere BVB-Schülertickets. Abgewiesen wurde dem ersten Augenschein nach niemand, fast jeder kam herein.

Dicht an dich stehen Menschen an den Kassen des Prinzenbades in Kreuzberg.
Dicht an dich stehen Menschen an den Kassen des Prinzenbades in Kreuzberg.© Paul Zinken/dpa

Auch wenn eine ältere Frau im Vorbeigehen kommentierte: „Die wollen einfach weniger Leute im Bad.“ Im Prinzenbad war es gegen Mittagszeit sehr voll, Menschen lagen auf Handtüchern nicht nur auf den Liegewiesen, sondern auch direkt am Pool, in dem Kinder teils eng an eng spielten. „Das Problem ist, dass das Prinzenbad und das Columbiabad einfach viel zu wenige und kleine Becken haben“, sagte eine Mutter.

Maßnahmen-Paket nach Schlagzeilen und Brandbrief

Rund um das Sommerbad Neukölln am Columbiabad hatte es zuletzt einige Schlagzeilen gegeben; das Freibad musste mehrmals von der Polizei geräumt werden, Mitarbeiter schrieben einen Brandbrief über die Zustände dort und meldeten sich krank, wodurch das Bad seit gut einer Woche geschlossen ist. Am Montag soll es wieder öffnen, teilten die BBB zusammen mit ihrem neuen Regelkatalog mit.

Die Maßnahmen hatten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Donnerstag als Reaktion auf die Aufregung rund um die Freibäder angekündigt. Es hieß, Freibad-Besucher würden registriert, Ausweisdokumente kontrolliert und Online-Tickets ausgeweitet. Dazu sollen mehr Sicherheitspersonal, mobile Polizeiwachen und Videoüberwachung eingesetzt sowie Obergrenzen für Besucher eingeführt werden. Die BBB teilten mit, dass ab diesem Wochenende der Eintritt in Freibäder nur gegen Vorlage eines Lichtbildausweises wie Führerschein, Personal- oder Schülerausweis möglich ist.

Polizei hält sich am Rand, Security organisiert resolut

Ersten Eindrücken zufolge wurden die Ausweise aber nicht an allen Freibädern genau kontrolliert. Die gestiegene Präsenz von Security-Mitarbeitern war aber sichtbar, ebenso die verstärkte Anwesenheit der Polizei. „Wir sind in erster Linie hier, um Präsenz zu zeigen“, sagte eine Beamtin am Prinzenbad, man werde in Absprache mit den Sicherheitsdiensten im Bad patrouillieren, „uns aber sonst eher am Rand halten“.

Im Bad gab es teilweise Durchsagen, nicht vom Beckenrand zu springen, vor dem Prinzenbad schienen die resolut organisierenden Sicherheitskräfte die weitgehend entspannte Menge im Griff zu haben. Der Presse wollten sie selbst keine Auskünfte geben. „Es geht recht zügig voran an den Kassen“, sagte die Beamtin. Da, wo Sicherheitskräfte und Polizei mal nicht zur Stelle waren, um Ankommende zu beraten, sprangen Jugendliche, die vor dem Bad herumlungerten, ein und wiesen freundlich auf die richtige Schlange hin.

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