Berlin. Familie Schade aus Lichtenrade fragt sich, wie sie ihr Haus energetisch optimieren kann. Ein Energieberater gibt Auskunft.

Klaus und Margot sind anderen Haus- und Wohnungseigentümern ein gutes Stück voraus. Sie beschäftigen sich nicht erst, seit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ein neues Gebäudeenergiegesetz (GEG) vorschlug, mit der Frage, wie sie ihr kleines Einfamilienhaus in der Illigstraße in Lichtenrade auf umweltschonendere Energieformen umstellen können. Klaus Schade schwebte von Beginn an eine Wärmepumpe vor. Bisher waren alle Angebote ganz einfach zu teuer. Bei dem Ehepaar kommen inzwischen etliche Fragen zusammen, die nun ein Experte beantworten soll.

104 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf drei Etagen, inklusive Erdgeschoss. Dazu ein kleiner Garten. Seit die Kinder aus dem Haus sind, bewohnen Klaus und Margot Schade das Haus allein. Und gern würden sie die Zeiten, in denen sie vom Gas als Hauptenergiequelle abhängig sind, hinter sich lassen. In Berlin ist eh davon auszugehen, dass es ab etwa 2040 kein herkömmliches Gas mehr geben wird.

Dass ihre Straße an das Fernwärmenetz angeschlossen werden könnte, ist zudem unwahrscheinlich. Also wollen sie selbst aktiv werden. „Als Eigentümer fragt man sich aber, was kann eigentlich gemacht werden und was kostet das?“, so Klaus Schade.

Neues Heizungsgesetz könnte erst in Jahren wirksam werden

Nach mehr als einem Jahr, in dem der russische Angriffskrieg in der Ukraine weiter Einfluss auf die Energieversorgung mit Gas und Öl nimmt, drängen diese Fragen noch viel mehr. Die Verunsicherung ist groß und die Devise lautet: Mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieformen. Trotzdem wird der Einbau von Gasheizungen wahrscheinlich noch sehr lange erlaubt bleiben.

Denn laut dem neuen Gebäudeenergiegesetz, auf das sich die Ampel-Koalition kürzlich einigen konnte und das nun im Bundestag behandelt werden soll, ist der Einbau auch nach dem 1. Januar 2024 möglich, wenn sich das Heizsystem auf Wasserstoff umrüsten lässt oder mit Biomasse betrieben werden kann. Dies soll auch für Neubauten außerhalb von Neubaugebieten gelten.

Wichtig für Experte Kai Plischkowsky (l.): Der Blick in die Dokumente zum Haus. Die hat das Ehepaar Margot und Klaus Schade (3.+4. v.l.) vorbereitet. Matthias Pusch von der Gasag berät das Paar ebenfalls.
Wichtig für Experte Kai Plischkowsky (l.): Der Blick in die Dokumente zum Haus. Die hat das Ehepaar Margot und Klaus Schade (3.+4. v.l.) vorbereitet. Matthias Pusch von der Gasag berät das Paar ebenfalls. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Hauseigentümer müssen also nicht zwangsläufig sofort einen Heizungstausch anregen. Denn das Gesetz wird auch nach Beschluss durch den Bundestag so lange nicht gelten, bis die Kommunen eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt haben. In Berlin könnte diese bis 2026 der Fall sein. Da die Gaspreise weiter hoch bleiben werden, ist es dennoch ratsam, eine Alternative zu wählen.

Große Einsparung durch kleine Anpassungen

Damit erfährt Habecks ursprünglicher Gesetzesentwurf eine deutliche Abschwächung. Denn dieser sah vor, dass ab 1. Januar 2024 neu eingebaute Heizsystemen in Wohnhäusern zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Bei Gas- und Ölheizungen ist das nur möglich, wenn sie durch eine Wärmepumpe oder Pelletheizung ergänzt oder gar ersetzt werden.

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Wärmepumpen im Überblick

Weil die Verunsicherung bei Hauseigentümern in den vergangenen Monaten groß war, hatte die Berliner Morgenpost gemeinsam mit der Gasag Energieberatungen unter ihren Leserinnen und Lesern verlost. Bei Klaus und Margot Schade schaute in diesen Tagen Berater Kai Plischkowsky vorbei und erfuhr zunächst, was das Ehepaar im Ruhestand schon alles unternommen hat, um den Energieverbrauch zu senken.

Warmwasser und Heizung werden mit einer Gasheizung betrieben, die sich im Keller befindet. Allein der Einbau von elektronischen Thermostaten an den Heizkörpern und das Absenken der Raumtemperatur sowie des Wassers brachte den Schades eine Einsparung ein.

Verschiedene Firmen, unterschiedliche Ratschläge

„Im Jahr 2022 hatten wir einen Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden. Im Jahr zuvor waren es noch 22.000“, berichtete der 65-jährige Klaus Schade. Bedenken müsse man laut Berater dabei jedoch, dass der vergangene sehr milde Winter allein schon zu Einsparungen beim Energieverbrauch geführt habe. Doch Familie Schade stellte noch etwas anderes fest: „Rund um die Dunstabzugshaube über dem Herd war es immer gut sieben Grad kälter als im Rest des Hauses mit 22 Grad“, so Schade.

Die Schwachstelle behob das Paar, indem es den Abzug der Haube nach draußen besser dämmte und so das Eindringen kalter Luft verringern konnte. Für den Einbau einer Wärmepumpe hatten sich Klaus und Margot Schade bereits durch verschiedene Firmen beraten lassen, die zum Teil sehr unterschiedliche Ratschläge bereithielten. Von Energieberater Kai Plischkowsky erhoffen sie sich nun Klarheit.

Fenstertausch ist nicht nötig

Berater Kai Plischkowsky (l.) und Hausbesitzer Klaus Schade prüfen im Keller, ob statt der Gasheizung auch genug Platz für die Wärmepumpe wäre.
Berater Kai Plischkowsky (l.) und Hausbesitzer Klaus Schade prüfen im Keller, ob statt der Gasheizung auch genug Platz für die Wärmepumpe wäre. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Um einen Plan zu erarbeiten, benötigte der Experte einen genauen Überblick über das Haus. Familie Schade war gut vorbereitet und hatte Dokumente zur Baubeschreibung sowie zum Energieverbrauch der vergangenen Jahre paratgelegt.

Das Haus wurde im Jahr 1997 fertiggestellt. In den verschiedenen Etagen werden insgesamt fünf Zimmer in den kalten Monaten beheizt. Keller und Spitzboden nicht, sie sind aber gedämmt. Das Haus wurde zudem aus Blähbeton gebaut und ist mit einer acht Zentimeter dicken Styroporschicht gedämmt. „Der Vorteil ist, dass es so schon einen guten Dämmwert hat“, erklärt Experte Kai Plischkowsky.

Beim Rundgang durch das Haus klärte sich eine Frage, die vor allem Margot Schade bewegt, recht schnell: Die Fenster sind in gutem Zustand, dichten gut ab und müssen nicht getauscht werden.

Genug Platz im Keller für die gewünschte Wärmepumpe gibt es. Auch davon machte sich Kai Plischkowsky ein Bild. Laut seiner Einschätzung dürfte das Gerät nur unwesentlich mehr Platz wegnehmen als die derzeitige Gasheizung. Fragen hatte das Ehepaar Schade auch zur Außeneinheit, die die Wärmepumpe benötigt. Über den dafür geeigneten Platz hätten ihnen unterschiedlichen Firmen unterschiedliche Vorschläge gemacht.

Im Garten muss Platz für die Außeneinheit der Wärmepumpe sein

Der Experte fand schnell ein passende Stelle im Garten: Am Rande des Carports, aber nicht verdeckt durch das Dach und weit genug entfernt vom Fahrzeug, um es nicht durch die kalt austretende Luft zu beeinträchtigen. Schades sind erleichtert. Denn mit diesem Standort können beide gut leben – schließlich hat der große Kasten mit Ventilator auch optischen Einfluss.

Für Familie Schade interessant sind auch die möglichen Förderungen, um den Einbau ihrer Wärmepumpe finanzieren zu können. Gemeinsam mit der Frage, ob die Wärmepumpe tatsächlich die beste Lösung für das Ehepaar und ihr Haus ist, will sich Experte Kai Plischkowsky nun Gedanken machen. Ende Juni kommt er dann wieder nach Lichtenrade, um sein Ergebnis zu präsentieren.

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