Sie lassen die Luft aus den Reifen, aber hinterlassen immerhin eine Entschuldigung an der Windschutzscheibe. „Sie werden wütend sein, aber nehmen Sie es nicht persönlich“, heißt es darin. „Es liegt nicht an Ihnen, sondern an Ihrem Auto.“ Dahinter steckt offensichtlich eine Gruppe von Umweltaktivisten, die sich „The Tyre Extinguishers“ nennt (deutsch: „Die Reifenauslöscher“).
„Das Phänomen des Ablassens der Reifenluft mit einem rechtfertigendem Bekennerschreiben in Hinblick auf Klimaschutz ist uns seit November 2021 bekannt“, sagt eine Sprecherin der Berliner Polizei. „Seitdem sind mehr als 600 Sachbeschädigungen in dieser Form angezeigt worden.“ Da es sich um politisch motivierte Taten handelt, ermittele der Staatsschutz beim Landeskriminalamt.
Die Klimaschützer haben es dabei besonders auf SUVs abgesehen. Die seien „eine Katastrophe für unser Klima“ und „die zweitgrößte Ursache für den weltweiten Anstieg der Kohlendioxidemissionen in den letzten zehn Jahren“, wie es in dem Bekennerschreiben heißt. Dem Besitzer oder der Besitzerin wird geraten, sich stattdessen klimafreundlich zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen.
Bekennerschreiben in insgesamt 14 Sprachen zum Herunterladen
Wer hinter der Gruppe steckt, ist unklar. Das Bekennerschreiben gibt es in 14 Sprachen im Internet zum Herunterladen. Auf der Seite finden sich auch Beschreibungen und Fotos der gängigsten SUV-Modelle sowie Anleitungen zum Luftablassen. Ein Impressum oder ähnliches findet sich nicht.
Die Polizei bestätigte zuletzt Anfang März mehrere Fälle in Prenzlauer Berg. Die „BZ“ berichtete auch von entleerten SUV-Reifen in Friedrichshain und auf der Halbinsel Stralau. Überschrieben sind die Bekennerschreiben mit den Worten: „ACHTUNG – Ihr Spritfresser ist tödlich.“
Neben dem Beitrag zum Klimawandel, durch den global bereits Millionen Menschen gestorben seien, geht es auch um die Rolle der Geländewagen im Straßenverkehr. „Bei Zusammenstößen mit SUVs werden eher Menschen getötet, als bei normalen Autos.“ Die Wagen seien „unnötig und reine Eitelkeit“.
SUV-Fahrer tötete 2019 vier Menschen auf der Invalidenstraße
Welche schrecklichen Folgen SUVs vor allem im Stadtverkehr haben können, wurde im September 2019 auf der Invalidenstraße in Mitte deutlich. Ein damals 42-Jähriger verlor infolge eines epileptischen Anfalls die Kontrolle über seinen zweieinhalb Tonnen schweren Wagen.
Der beschleunigte auf 100 Stundenkilometer, geriet auf den Bürgersteig und tötete vier Menschen – darunter einen dreijährigen Jungen. Der Fahrer wurde im Februar 2022 zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Direkt nach dem Unfall wurde eine Debatte um das Verbot von SUVs in Städten laut, die jedoch bald wieder verstummte.
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