Invalidenstraße

SUV-Unfall: Unfallermittler offenbart grausame Details

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Michael M. (Mitte) muss sich seit Ende Oktober vor dem Berliner Landgericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten (Archivbild).

Michael M. (Mitte) muss sich seit Ende Oktober vor dem Berliner Landgericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten (Archivbild).

Foto: Paul Zinken / dpa

Am vierten Prozesstag um den tödlichen SUV-Unfall vor zwei Jahren wurden am Montag grausame Bilder vom Unfallort gezeigt.

Berlin. Zerborstene Autoscheiben, Trümmerteile und jede Menge Blut waren auf den Fotos zu sehen, die am Montagvormittag in Saal 500 im Moabiter Kriminalgericht gezeigt wurden. Das Schweigen der Anwesenden wirkte erdrückend und wurde einzig vom Polizisten Maik B. unterbrochen, der im Zeugenstand Erklärungen zu einigen der Bilder vom Unfallort abgab. Die sachlichen Kommentare des Beamten machten das Grauen vorstellbarer, greifbarer und damit umso schrecklicher.

Michael M. saß währenddessen in sich versunken auf der Anklagebank. „Unter diesem Auto haben wir einen Großteil des Hirns von dem Kleinkind gefunden“, sagte B. und M. begann zu weinen. Tag vier des Prozesses um den tödliche SUV-Unfall auf der Invalidenstraße vor zwei Jahren.

Der 44-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, weil er am Abend des 6. September 2019 infolge eines epileptischen Anfalls auf der Invalidenstraße in Mitte die Kontrolle über seinen Porsche verloren haben soll. Der zwei Tonnen schwere SUV raste mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern auf den Bürgersteig und erfasste vier Menschen. Zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren, eine 64-Jährige und ihr dreijähriger Enkel starben.

SUV-Unfall an der Invalidenstraße: Ermittler gingen zuerst von einem Anschlag aus

Auf den Fotos waren auch die Handtasche der Großmutter und mehrere Sneaker zwischen den Trümmern zu sehen. „Die beiden Männer hat es wirklich komplett aus den Schuhen gerissen, die überall rumlagen“, sagte Polizist Maik B., der damals die Ermittlungen am Unfallort leitete. Der Körper eines der Männer wurde demnach zwischen dem SUV und einem Bauzaun zerquetscht. Der Kopf des Dreijährigen zerschellte an einem Poller.

„Wir sind erst einmal nicht von einem Verkehrsunfall ausgegangen, sondern von einem Anschlag“, so der Beamte weiter. Als wenige Tage später bei einer Wohnungsdurchsuchung Teile der Krankenakte von Michael M. beschlagnahmt worden seien, hätte sich die Richtung der Ermittlungen geändert. Diese mündeten schließlich in der Anklage, in der M. vorgeworfen wird, sich über die Anweisungen seiner Ärzte hinweggesetzt zu haben. Diese sollen ihm nach einem ersten epileptischen Anfall am 12. Mai 2019 davon abgeraten haben, sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs zu setzen.

Ehefrau: Niemand habe Michael M. das Autofahren verboten

Nachdem der Polizeibeamte aus dem Zeugenstand entlassen wurde, ist am Montag die Vernehmung der Ehefrau des Angeklagten fortgesetzt worden. Sie stützt im Wesentlichen die Aussage ihres Ehemannes, dass ihm das Autofahren nie explizit verboten worden sei. Bei Michael M. wurde einen Monat vor dem Unfall ein Gehirntumor entfernt. Danach waren alle EEG-Werte laut des Ehepaares unauffällig, die Epilepsie sei als überwunden angenommen worden. „Niemand hat ihm gesagt, es ist nicht erlaubt, und niemand hat ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es gefährlich sein könnte“, sagte Maria M.

Ihr Mann, der beruflich mit Autos handelt und sich für Oldtimer und Sportwagen begeistert, sei während dieser Zeit ohnehin nur selten gefahren, sagte seine Frau. Man wohne in Berlin-Mitte, wo man viel zu Fuß erledigen könne. „Laut ihrer Nachbarn ist ihr Mann immer Auto gefahren und nie gelaufen, sondern immer mit dem Auto gefahren“, sagte Christina Clemm, die als Anwältin die Eltern des getöteten Kleinkindes vertritt. „Sagt mir nichts“, gab die Ehefrau daraufhin nur knapp zurück.

Dazu, dass sein Neurologe ihrem Mann zehn Tage vor dem Unfall erneut vom Autofahren abgeraten haben soll, äußerte sie sich nicht. Der Prozess vor der 42. Strafkammer des Berliner Landgerichts wird am Mittwoch fortgesetzt.