Nahverkehr in Berlin

S-Bahn Berlin: Mehr Platz und eine neue Station auf der S8

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Ab sofort fahren auch auf der S-Bahn-Linie S8 die Züge der neuen Baureihe 483/484.

Ab sofort fahren auch auf der S-Bahn-Linie S8 die Züge der neuen Baureihe 483/484.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Nach den S-Bahn-Linien S47, S45 und S46 bekommt auch die S8 neue Züge – mit mehr Sitzplätzen und einer verlängerten Strecke.

Berlin.  Die Umstellung erfolgte auf den Tag genau pünktlich: Ab dem 14. Oktober, so sieht es der laufende Verkehrsvertrag zwischen S-Bahn, Berlin und Brandenburg vor, sollten auf der Linie S8 Neubaufahrzeuge eingesetzt werden – und tatsächlich sind am Freitagmorgen die ersten neuen Bahnen der Hersteller Stadler und Siemens über die Strecke zwischen Wildau und Birkenwerder gerollt. S-Bahn-Chef Peter Buchner sprach von einer „Riesenleistung, trotz Corona, trotz Lieferkettenproblemen“. Fahrgäste sollen auf der Linie nun von mehr Komfort, aber auch mehr Sitzplätzen profitieren.

Statt mit vier Wagen sind die Züge auf der S8 nun mit sechs Wagen unterwegs, sodass es laut S-Bahn nun Raum für 300 zusätzliche Fahrgäste pro Zug gibt. Schon jetzt sind dem Unternehmen zufolge 60.000 Personen täglich auf der Strecke unterwegs. Abgelöst werden auf der fast 60 Kilometer langen Route damit die Bahnen der Baureihe 485, deren Konstruktion noch aus DDR-Zeiten stammt. Deren Einsatzzeit neigt sich langsam dem Ende zu: „Im Regeleinsatz ist der letzte Tag im April nächsten Jahres“, so Buchner. Als Reserve könnten die Fahrzeuge aber noch ein paar Monate länger vorgehalten werden.

Hochschule in Wildau soll von dichterem S-Bahn-Takt profitieren

Die neuen Züge bieten neben mehr Platz unter anderem Mehrzweckabteile, in denen mehr Fahrräder oder Kinderwagen abgestellt werden können, modernere Monitore für die Fahrgastinformation, Kameras und Klimaanlagen. Eine weitere Neuerung auf der S8: In der Hauptverkehrszeit wird die Linie um eine Station verlängert, End- beziehungsweise Startpunkt ist nun Wildau statt Zeuthen. „Wildau ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsstandort in Brandenburg, sondern auch ein Wissenschaftsstandort“, betonte Rainer Genilke, Staatssekretär für Infrastruktur in Brandenburg.

In der Stadt befindet sich eine Technische Hochschule mit zuletzt rund 3500 Studierenden. „Mit der S46 werden wir dann dort einen Zehn-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit haben“, so Genilke weiter. In Wildau habe man deshalb auch viel in den Bahnhofsbereich investiert – zehn Millionen Euro seien in eine Verlängerung des Bahnsteigs geflossen.

Auch S-Bahn-Chef Buchner betonte die große Verbesserung, die der dichtere Takt bringe. „Gerade in den Verkehren zwischen Berlin und Brandenburg wissen wir, dass der Zehn-Minuten-Takt ein ganz wichtiges Qualitätsmerkmal ist, damit die Fahrgäste vor ihrer Haustür einsteigen und nicht erstmal mit dem Auto nach Berlin fahren“, so Buchner. Gehofft werde deshalb, zahlreiche neue Kunden durch die Linienverlängerung zu gewinnen.

Wie lange neue Züge noch zum Flughafen BER fahren, ist offen

Die Züge der neuen Baureihe 483/484 sind inzwischen seit mehr als anderthalb Jahren in Berlin unterwegs. Zum Januar 2021 begann der Einsatz auf der Linie S47 zwischen Hermannstraße und Spindlersfeld. Weil die Produktion schneller vorankam als gedacht, konnten seit Ende vergangenen Jahres zusätzlich neue Fahrzeuge auf der Linie S45 vom Südkreuz zum Hauptstadtflughafen BER eingetaktet werden.

Dort fahren die Züge auch weiterhin – wie lange genau, ist aber noch offen. „Das hängt vom gesamten Liniennetz ab“, so Buchner. Geplant sei etwa, dass auf der künftigen City-S-Bahn, die den Liniennamen S15 tragen soll, ebenfalls Neubaufahrzeuge eingesetzt werden. Nach mehreren Verzögerungen wird mit einer Inbetriebnahme der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen im Dezember 2023 gerechnet.

S-Bahn ist mit Qualität neuer Züge zufrieden

Seit diesem Sommer fahren die S-Bahnen der neusten Baureihe außerdem auf der Linie S46. „Wir haben inzwischen Halbzeit bei der Auslieferung der neuen Züge und ziemlich genau die Hälfte der 382 Wagen übernommen“, sagte Buchner nun, der sich mit der Qualität weiter zufrieden zeigt. „Die Fahrzeuge fahren planmäßig. Natürlich haben sie, wie alle Fahrzeuge, ein paar Kinderkrankheiten, aber sehr viel weniger, als wir es bei solch einem völlig neu konstruierten Fahrzeug erwartet hätten.“

Planmäßig sollte in einem halben Jahr, im April 2023, die nächste Umstellung zweier Linien auf die neuen Züge erfolgen – dann ist laut Verkehrsvertrag die Ringbahn dran, wo die Inbetriebnahme der Neubaufahrzeuge in zwei Schritten vorgesehen ist. Zunächst sollen die Stammzüge der Linien S41 und S42 ausgetauscht werden, danach, planmäßig im Oktober 2023, sollen die Fahrzeuge, die für eine Verdichtung auf einen Fünf-Minuten-Takt sorgen, folgen.

Einsatz neuer Züge auf der Ringbahn soll schon im Dezember folgen

S-Bahn-Chef Buchner stellte nun aber in Aussicht, dass es auf der Ringbahn auch schneller gehen könnte. „Wenn alles so erfolgreich bleibt, wie es bisher gelaufen ist, wollen wir schon zum Fahrplanwechsel im Dezember Schritt für Schritt einsteigen und damit auch auf der Ringbahn ein Drittel mehr Platz bieten“, sagte er. Künftig ist geplant, dass auf den zwei Linien Züge mit acht statt wie bislang sechs Wagen unterwegs sind.

Neben Neubaufahrzeugen kommen bei der S-Bahn seit einiger Zeit auch komplett überholte Züge zum Einsatz. Bei dem Sanierungsprogramm „Langlebigkeit“ werden diese für mindestens zehn weitere Jahre im Verkehr fit gemacht, bis Ende September wurde das 200. generalüberholte Fahrzeug zurück auf die Strecke geschickt. Nachdem das Projekt zunächst langsamer vorankam als angedacht, habe man inzwischen das angestrebte Tempo erreicht, sagte Buchner: Zwei Fahrzeuge pro Woche werden demnach nun fertiggestellt.