Ein Unbekannter hat offensichtlich Buttersäure am Standort der geplanten neuen Polizeistation am Kottbusser Tor in Kreuzberg versprüht. In der Nacht wurden Flecken an den Fenstern und am Boden vor der künftigen Kotti-Wache entdeckt. Außerdem gebe es eine „erhebliche Geruchsbelästigung“, sagte eine Polizeisprecherin.
Gegen 0.25 Uhr riefen Zeugen die Polizei, nachdem sie eine dunkel gekleidete Person an der Adalbertstraße sahen, die sich auffällig benommen haben soll. Nachdem sie in Richtung Skalitzer Straße davongelaufen war, soll es begonnen haben, zu stinken. Bei der gefundenen Flüssigkeit „könnte es sich dem Geruch nach um Buttersäure gehandelt haben“, so die Sprecherin weiter. Die Feuerwehr habe die Flüssigkeit neutralisiert.
Es wurde Strafanzeige wegen schwerer Gefährdung durch das Freisetzen von Giften gestellt. Der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Widerstand gegen die Kotti-Wache gibt es vor allem aus der linken Szene, aber auch von lokalen Initiativen, die immer wieder zu Protest aufrufen.
Mietkosten für Kotti-Wache bei monatlich 5020 Euro
Die Wache soll Anfang kommenden Jahres eröffnet werden. Seit August werden dazu Räume an der Galerie über die Adalbertstraße mit Blick auf das Kottbusser Tor umgebaut. Insgesamt stehen dafür 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Ab dem 1. Februar 2023 fallen laut Senatsinnenverwaltung monatliche Mietkosten von etwa 5020 Euro warm an. Insgesamt stehen rund 210 Quadratmeter zur Verfügung. Der Vertrag mit der landeseigenen Gewobag wurde bereits unterschrieben.
Das Kottbusser Tor und seine Umgebung gehört zu den kriminalitätsbelasteten Orten Berlins. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei dort 3624 Straftaten – vor allem Drogen- und Diebstahlsdelikte. Die Diskussion darum, dort die Polizeipräsenz durch eine eigene Wache zu verstetigen, gibt es bereits seit Jahren. Aus dem Versprechen der SPD wurden nach der Wahl im September 2021 konkrete Pläne.
Die neue Wache soll eine Außenstelle des Abschnitts 53 an der Friedrichstraße werden. Anwohnerinnen und Anwohner, lokale Gewerbetreibende sowie Grüne und Linke hatten den Standort zuletzt als „über den Köpfen der Menschen“ kritisiert. Sowohl im Abgeordnetenhaus, als auch in der Bezirksverordnetenversammlung und vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wurde zuletzt eine mangelnde Bürgerbeteiligung angemahnt.
Bezirk fordert mehr Beteiligung von Anwohnern und Zivilgesellschaft
Vergangenen Freitag lud Innensenatorin Iris Spranger (SPD) daher zu einem Runden Tisch zum Thema. „Es darf keine einmalige Veranstaltung bleiben – vielmehr muss nun echte Beteiligung ermöglicht werden“, sagte Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) im Nachgang. Nur wenn Anwohner und zivilgesellschaftliche Akteure mitreden dürfen, könne eine Polizeiwache erfolgreich zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen.



