Pandemie

Ausweitung der Corona-Tests in Berliner Schulen

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Nicole Dolif
Treten in einer Klasse zwei positive Fälle auf, sollen die anderen Schüler sich täglich testen.

Treten in einer Klasse zwei positive Fälle auf, sollen die anderen Schüler sich täglich testen.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Die Corona-Lage an den Berliner Schulen spitzt sich zu. Tägliche Tests nach positiven Fällen sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Die Corona-Lage spitzt sich weiterhin zu. Am Dienstag lag die Inzidenz in Berlin bei 349. Vor allem bei den Schülern steigt die Kurve nach wie vor steil an: In einigen Bezirken – etwa in Reinickendorf oder Neukölln – liegt sie bereits bei über 1000. Vor diesem Hintergrund verschärfen nun die Schulen in der Hauptstadt ihre Maßnahmen.

Zukünftig soll eine Woche lang täglich getestet werden, wenn in einer Klasse mindestens zwei positive Fälle aufgetreten sind. Mit dieser Entscheidung folgt die Bildungsverwaltung der Empfehlung des Hygienebeirats, der sich am vergangenen Montag noch einmal mit der Teststrategie im schulischen Bereich befasst hatte. „Wir weiten die Testungen an den Schulen und in den Kindertagesstätten aus und wollen damit mehr Sicherheit in den Einrichtungen schaffen“, erklärte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Die angepasste Testfrequenz gelte jeweils auch für das schulische Personal, das in den betroffenen Lerngruppen zum Einsatz gekommen ist. Die Umsetzung dieser Erweiterung solle schnellstmöglich erfolgen, sobald die erforderlichen materiellen Ressourcen bereitgestellt werden können. Für die besorgten Eltern sei diese Entscheidung eine kleine Beruhigung, sagte Landeselternsprecher Norman Heise.

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Corona: In Brandenburg wird die Präsenzpflicht aufgehoben

Noch dramatischer als in Berlin ist die Corona-Lage im Nachbarland Brandenburg. Dort stieg die Sieben-Tage-Inzidenz von 570,3 am Vortag auf 600,1 Fälle pro 100.000 Einwohner. Vor allem im Süden steigen die Zahlen rasant: Dort liegen drei Landkreise weiter über 1000 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen: Oberspreewald-Lausitz (1358,9), Elbe-Elster (1324,6) und Spree-Neiße (1018,5). Oberspreewald-Lausitz hat damit nach Daten des Robert Koch-Instituts den bundesweit fünfthöchsten Wert in einem Landkreis, Elbe-Elster den siebthöchsten.

Das Brandenburger Bildungsministerium reagierte mit harten Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen: An den Schulen gilt wegen der Corona-Infektionslage bald keine Anwesenheitspflicht für die Schüler mehr. „Für den schulischen Bereich werden wir die Präsenzpflicht aufheben“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) im RBB-Inforadio. „Es ist der Wunsch vieler Eltern, dass sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen.“ Die Einzelheiten – etwa Ausnahmen für Abschlussklassen – würden noch ausgearbeitet.

Außerdem plane Ernst, die Weihnachtsferien für Brandenburger Schülerinnen und Schüler um drei Tage vorzuziehen. Ursprünglich sollte der 23. Dezember der erste Ferientag in Brandenburg sein. Neuer Ferienbeginn soll jetzt Montag, der 20. Dezember, sein.

Schulen in Berlin so lange wie möglich mit Präsenzunterricht offen halten

Von solchen Einschnitten sei man in Berlin aber – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – noch entfernt, heißt es aus der Senatsbildungsverwaltung. Es sei weiterhin das Ziel, die Schulen so lange wie möglich mit Präsenzunterricht offen zu halten. „Glücklicherweise“, so Astrid-Sabine Busse, Schulleiterin der Neuköllner Grundschule Schule in der Köllnischen Heide und Vorsitzende im Interessenverband Berliner Schulleitungen. „Ich hoffe sehr, dass Berlin diese Linie so lange wie möglich beibehält.“

Die Erfahrungen, die sie an ihrer Schule beim letzten coronabedingten Aussetzen der Präsenzpflicht gemacht habe, seien alles andere als positiv gewesen. Es sei eine Regelung, die nur auf dem Papier funktioniere. Im Alltag sei es einfach nicht möglich, sinnvollen Unterricht zu machen, wenn ein Teil der Klasse in der Schule und ein Teil zu Hause sitze. „Das können die ohnehin schon belasteten Lehrer einfach nicht mehr leisten“, sagt Busse. Hinzu komme noch, dass beim letzten Mal vor allem die ohnehin schon benachteiligten Schüler zu Hause geblieben seien. „Das ist fatal und diese Lernlücken kann man dann irgendwann nicht mehr schließen“, sagt Busse.

„Das Aussetzen der Präsenzpflicht wäre mit das Schlimmste"

Ganz ähnlich sieht es auch Arnd Niedermöller, Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums und Sprecher der Berliner Vereinigung der Oberstudiendirektoren (VOB). „Das Aussetzen der Präsenzpflicht wäre mit das Schlimmste, was den Schülern jetzt passieren kann“, sagt Niedermöller. Auch er hat keine guten Erfahrungen gemacht: „Es bleiben dann ausgerechnet die Schüler weg, die eigentlich jede Sekunde Unterricht bräuchten“, sagt er.

Außerdem sei das Infektionsgeschehen an den Schulen sehr unterschiedlich. Es gebe Schulen mit vielen, aber auch welche mit sehr wenigen Fällen. „Zurzeit halte ich das Infektionsgeschehen an den Schulen noch für beherrschbar“, sagt er. „So lange das so ist, sollte die Präsenzpflicht im Sinne der Schüler unbedingt bestehen bleiben.“

Normalbetrieb spaltet die Eltern

In der Elternschaft ist die Meinung dazu sehr geteilt. „Es gibt da zwei Lager“, sagt Landeselternsprecher Heise. So bekäme er in letzter Zeit immer wieder Anfragen von Eltern, die forderten, dass der Landeselternausschuss sich dafür einsetzen solle, die Präsenzpflicht an den Schulen sofort auszusetzen. „Aber es gibt eben auch die andere Gruppe Eltern, die dafür ist, dass an den Schulen so lange wie möglich Normalbetrieb herrscht“, so Heise.

Tausende Schüler seien abgetaucht und nicht mehr erreichbar gewesen, als die Präsenzpflicht ausgesetzt worden sei. Er selbst finde es auch deshalb im Moment noch vertretbar, normalen Präsenzunterricht anzubieten. Es gebe den Stufenplan, und die engmaschigeren Tests seien ein Stück Sicherheit für die Familien. „Wie es sich in den kommenden Wochen entwickelt, muss man dann sehen“, sagt Heise, „das Infektionsgeschehen ist ja sehr dynamisch.“

Lolli-Tests in Berliner Kitas

Auch in den Kitas werden die Maßnahmen verschärft: Die Einrichtungen würden verpflichtet, den Eltern zwei selbsttestfähige Schnelltests pro Woche auszuhändigen, teilte die Bildungsverwaltung mit. Außerdem sei die tatsächliche Anwendung dieser Tests durch die Eltern den Kitas schriftlich mit einem Standardformular anzuzeigen.

Dieses verbindliche Testsystem solle spätestens zum 1. Dezember 2021 in den Einrichtungen umgesetzt werden. In einem zweiten Schritt würden dann künftig sogenannte Lolli-Schnelltests eingesetzt. Durch die flächendeckende Bereitstellung dieser altersgerechten Lolli-Tests für alle in den Berliner Kindertagesstätten und Kindertagespflegestellen betreuten Kinder, solle eine höhere Inanspruchnahme der Testungen sichergestellt werden.

Dieser Schritt werde zusätzlich mit der verpflichtenden Testung dreimal pro Woche verbunden, sobald genügend Tests zur Verfügung stünden.