Der Senat hat die Maskenpflicht an Schulen bis zum 3. Oktober verlängert. „Gerade mit blick auf die Grundschüler fällt mir das schwer“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Aber durch die Maskenpflicht sei die Inzidenz in Schulen stabil gehalten worden.

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In den jungen Altersgruppen liegen die Fallzahlen derzeit deutlich über dem Durchschnitt. Bei den 10- bis 14-Jährigen liegt die Inzidenz aktuell bei 217. Der Durchschnitt liegt bei 83. Die Maskenpflicht gilt allerdings nur für geschlossene Räume, also vor allem die Klassenräume. auf dem Schulhof und beim Sportunterricht im Freien besteht sie nicht. Damit folgt die Schulverwaltung einer Empfehlung des Hygienebeirates, der die Infektionslage an den Schulen und in den Kitas regelmäßig bewertet.

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Hygienebeirat empfiehlt Verlängerung

Der Hygienebeirat, der sich für die Beibehaltung ausgesprochen habe, werde das Thema bei seiner nächsten Sitzung am 20. September noch einmal beraten, kündigte Scheeres an. Dabei sollen auch Expertinnen und Experten gehört werden, darunter Kinderärzte und Psychologen. Scheeres räumte ein, dass die Maskenpflicht bundesweit unterschiedlich gehandhabt werde. Allerdings seien auch die Inzidenzwerte in den Bundesländern unterschiedlich.

Die Bildungssenatorin kündigte außerdem den zügigen Einbau von Luftfiltern in allen Klassenräumen an. Derzeit werde die vierte Lieferung an Luftfiltern ausgeliefert, Ausschreibungen für weitere Bestellungen seien in Vorbereitung.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) verteidigte gleichzeitig die Verkürzung der Quarantäne für Kita-Kinder und in Schulen auf fünf Tage. „Ich denke, wir haben einen guten Weg gefunden, den Schulbetrieb zu sichern und auch Eltern Sicherheit zu geben“, sagte Kalayci am Donnerstag. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit trete eine mögliche Corona-Infektion in den ersten fünf Tagen auf, das Restrisiko sei durch das regelmäßige Testen in den Einrichtungen beherrschbar.

1,8 Millionen Tests für Kitas

Künftig soll auch in Kitas regelmäßig getestet werden. Der Senat schafft dafür 1,8 Millionen Tests an.
Künftig soll auch in Kitas regelmäßig getestet werden. Der Senat schafft dafür 1,8 Millionen Tests an.© Foto: Anikka Bauer / FUNKE Foto Services | Anikka Bauer

Vor der Rückkehr in die Schule oder Kita erfolge ein weiterer Test, außerdem fänden zwei Mal in der Woche regelmäßig Tests statt. Dazu hat Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) die Finanzierung von 1,8 Millionen Tests für die Kitas zugesichert, in denen bislang nicht regelmäßig getestet wurde. Nach Angaben der Bildungsverwaltung stammen die Tests aus den Beständen der Gesundheitsverwaltung, die vorsorglich im Frühjahr und sommer mehrere Millionen Tests gekauft hatte.

Die Berliner Amtsärzte hatten zuvor gefordert, ganz auf Quarantänevorschriften für Kontaktpersonen in Schulen zu verzichten. Nur positive PCR-Tests sollten zu einer Quarantäne führen. In den allermeisten Fällen würden sich Kinder nicht untereinander anstecken, hieß es. Daher sei der Nutzen einer Isolierung nicht sehr groß. Stattdessen sollten die Kinder mit engem Kontakt engmaschig getestet werden.

Im Streit mit den Amtsärzten hatte Kalayci auf die Weisungsbefugnis des Senats gepocht. Die Ärzte könnten gern eigene Anregungen formulieren, am Ende gebe der Senat aber die Richtung vor, rechtfertigte sie die neue Quarantäneregelung.

Höhere Impfquote zur Pandemie-Bekämpfung notwendig

Um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, hat der Chef-Virologe der Charité, Christian Drosten, auf ein höheres Impftempo gedrängt. Aus Sicht des Virologen sollte das bisherige Szenario des Robert-Koch-Instituts (RKI) überarbeitet werden. Das RKI war in seiner seiner jüngsten Einschätzung im Juli noch optimistisch, dass bei Erreichen bestimmter Impfquoten eine vierte Welle vermieden werden könne.

Allerdings habe die Delta-Variante, die in Deutschland inzwischen vollständig dominiert, die Lage grundlegend verändert. Würde die RKI-Modellierung nicht entsprechend aktualisiert, stünde die Einschätzung und Planung für den Herbst und Winter wissenschaftlich auf „dünnem Eis“, sagte Drosten.

Nach Ansicht der Experten müssen mindestens 85 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird. Das RKI-Papier beruhte allerdings auf damals noch unvollständigen Informationen zur Delta-Variante, die jetzt vorliegen.

In Berlin sind 65,2 Prozent der Bevölkerung inzwischen mindestens ein Mal geimpft, 60,3 Prozent verfügen über den vollständigen Impfschutz. Das entspricht 2,12 Millionen vollständig geimpfter Personen. In den kommenden Tagen wird eine neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission erwartet, die dann möglicherweise auch das Impfen der unter 12-Jährigen ermöglicht. Das könnte die Impfquote noch einmal deutlich erhöhen. Mit einem Ende der Pandemie rechnen die Experten im kommenden Frühjahr.