"Einfach mal reden": Das ist das Konzept von "Silbernetz". Die Hotline, die von der Berlinerin Elke Schilling initiiert wurde und inzwischen bundesweit agiert, will einsamen Senioren helfen und sie ermutigen - auch ohne akute Krise. Die Corona-Pandemie sorgt für immensen Zuspruch.

Im Teil-Lockdown meldeten sich wieder vermehrt Senioren beim "Silbernetz", sagt Elke Schilling. Nach einer leichten Entspannung über den Sommer verzeichne das Einsamkeitstelefon jetzt wieder mehr Anrufer. Das Thema Weihnachten und die Angst, das Fest allein zu verbringen, seien in der dunklen Jahreszeit schon sehr präsent. CSU-Chef Markus Söder hatte bereits im Oktober vor einsamen Weihnachten gewarnt. Solche Aussagen schlügen bei alten Menschen ein, sagte Schilling. Sie kündigte an, dass die Hotline über die Feiertage wieder rund um die Uhr erreichbar sei. "Es wird vermutlich brummen."

Silbernetz-Initiatorin Elke Schilling telefoniert in ihrem Büro.
Silbernetz-Initiatorin Elke Schilling telefoniert in ihrem Büro.© dpa

Die Anrufer beschäftigten in der Pandemie auch gesellschaftliche Fragen: Bilder wie am vergangenen Wochenende von der "Querdenken"-Demo in Leipzig mit laut Polizei mindestens 20.000 Teilnehmern machten vielen Senioren "richtig Angst", betonte Elke Schilling. Die Missachtung von Corona-Regeln, auch im Alltag durch jüngere Menschen, vermittle ihnen das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse nichts wert seien. "Es ist eine absolute Rücksichtslosigkeit."

"Silbernetz": Corona hat die Hotline groß gemacht

"Silbernetz" ist als Angebot für Menschen ab 60 mit Gesprächsbedarf seit März bundesweit erreichbar. Corona habe es groß gemacht, so Elke Schilling. Pro Tag gebe es im Schnitt 250 Anrufe, manche Menschen meldeten sich mehrfach täglich. Für die Hotline seien inzwischen 24 Mitarbeiter und 180 Freiwillige tätig.

Mittlerweile habe sich die Hotline auch dank eines Artikels in einer Apothekenzeitschrift bei Menschen über 80 herumgesprochen, sagte Schilling. "Kürzlich rief eine 101-Jährige an." Für sie werde zunehmend deutlich, wie abgeschnitten viele ältere Menschen von Informationsquellen sind. Meist fehle der Internetzugang und inzwischen auch das Telefonbuch. Je nach Anliegen vermittelt die Hotline Anrufer an andere Stellen in Wohnortnähe.

Am Donnerstag und Freitag veranstaltet der Verein den Online-Kongress "Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter" - weil aus Sicht Schillings ein solches Netzwerk in Deutschland dringend gebraucht wird. "Einsamkeitsprävention ist auch Gesundheitsprävention", betont sie. Geplant sind etwa Podiumsgespräche mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Gründerin des britischen "Silbernetz"-Vorbildes.

"Silbernetz": Es gibt auch Infos über Hilfsangebote in der Nachbarschaft

Silbernetz wurde als Hilfs- und Kontaktangebot für ältere Menschen gegründet. Zunächst war die Hotline nur für Anruferinnen und Anrufer aus Berlin erreichbar. Seit März 2020 ist Silbernetz bundesweit geschaltet. Die Rufnummer 0800 4 70 80 90 des Silbertelefons ist kostenfrei und von 8 bis 22 Uhr erreichbar.

Ein weiteres Angebot ist die Vermittlung von "Silbernetz"-Freundinnen oder -freunden. Das sind Menschen, die Senioren auf Wunsch regelmäßig einmal pro Woche anrufen. Außerdem vermittelt "Silbernetz" auch Informationen zu Hilfs- und Kontaktangeboten in der direkten Nachbarschat.

Silbernetz-Initiatorin Elke Schilling wurde am 1. Oktober 2020 der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen. Mehr Infos zu Silbernetz gibt es im Internet unter www.silbernetz.org.

dpa/bea