BVG-Warnstreik

„Es könnte nicht der letzte Streik gewesen sein“

Bei der BVG blieben am Dienstag wegen eines Warnstreiks U-Bahnen, Trams und viele Busse stehen. Das erwartete Chaos blieb aus.

Bundesweite Streiks legen Nahverkehr lahm

Millionen Pendler und Schüler müssen mit massive Behinderungen auf dem Weg zur Arbeit und zum Unterricht rechnen: Bundesweit streiken Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs.

Beschreibung anzeigen
  • Am Dienstag sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestreikt worden. Bis 12 Uhr mittags fuhren keine U-Bahnen und Trams. Auch die allermeisten Buslinien wurden bestreikt. Die S-Bahn Berlin war von dem Warnstreik nicht betroffen.
  • Reporter der Berliner Morgenpost beobachteten: In den S- und Regionalbahnen war es zwar voll. Das erwartete Chaos blieb allerdings aus. Auf den Straßen kam es zu Staus, zugleich stiegen viele Berliner aufs Fahrrad um.
  • Der Tarifstreit ist weiterhin verhärtet. Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi deutete an, das es zu weiteren Warnstreiks im Berliner Nahverkehr kommen könnte.

Berlin. Ein Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben ab 3 Uhr am Morgen hat am Dienstag den öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt nahezu lahmgelegt. Busse und Straßenbahnen blieben im Depot, U-Bahn-Haltestellen wurden aus Sicherheitsgründen verschlossen. Nach der neunstündigen Aktion rollte am Mittag der Verkehr wieder an.

Auf den Einfallstraßen fuhren die Autos am Morgen dicht an dicht. Staus gab es etwa auf der A113, der Landsberger Allee und der Heerstraße. „Viele sind heute früher zur Arbeit aufgebrochen“, teilte die Verkehrsinformationszentrale des Landes mit. „Eine gute Idee, aber wenn es zu viele machen, kommt es auch früh zum Stau.“ Viele Berufstätige und Schüler stiegen aufs Fahrrad um.

Lesen Sie auch den Kommentar: Verdi-Forderungen sind in der Pandemie illusorisch

Zum Ausstand aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Die stellvertretende Bundeschefin, Christine Behle, traf am am Betriebshof an der Westfälischen Straße in Charlottenburg mit streikenden BVG-Mitarbeitern zusammen. „Wir haben den Warnstreik bereits vier Tage vorher angekündigt“, sagte sie. „Viele Beschäftigte konnten sich entsprechend darauf einstellen.“

Das Protokoll des Streiktags in Berlin.

17.48 Uhr: Streiks im Nahverkehr - So geht es jetzt weiter

Es könnte nicht nur bei dem einen Arbeitsausstand bleiben. Auf den Verband der Kommunalen Arbeitgeber (VKA) hat der bundesweite Streik im Nahverkehr offenbar wenig Eindruck gemacht. „Wir haben mehrfach deutlich gemacht, dass die VKA nicht zuständig ist, Tarifverhandlungen für den öffentlichen Nahverkehr zu führen. Daran ändert auch ein Warnstreik nichts“, teilte Hauptgeschäftsführer Niklas Benrath am Dienstag mit. Verdi warf dem VKA dagegen ein „Verwirrspiel“ vor.

Die Gewerkschaft wolle zentrale Fragen wie Urlaub und Überstundenausgleich für die bundesweit 87.000 Beschäftigten einheitlich regeln. „Das geht nur mit der VKA als Spitzenverband.“ Davon getrennt gebe es „regionalspezifische Themen“ in den Landesverhandlungen. Dass es bei dem einen Streiktag bleibt, wollte auch Verdi-Sekretär Jeremy Arndt nicht bestätigen. „Im Moment wirken die Fronten sehr verhärtet. Das könnte nicht der letzte Streik gewesen sein.“

14.36 Uhr: UVB-Chef Amsinck: "Die Streiks waren eine Zumutung"

„Die Streiks in Bussen und Bahnen waren eine Zumutung für die Unternehmen und ihre Beschäftigten. Viele tausend Menschen haben es damit nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zur Arbeit geschafft. Der Wirtschaft, die sich mühsam aus dem Pandemie-Tal hocharbeitet, hat die Gewerkschaft damit einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. In Anbetracht eines deutlich erhöhten Ansteckungsrisikos in S-Bahnen und Nahverkehrszügen hätte sich Verdi diesen Warnstreik sparen können“, kommentiert Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), den Streik im öffentlichen Nahverkehr. „Ohnehin ist es unverständlich, dass gerade die Beschäftigten streiken, deren Arbeitsplätze die sichersten überhaupt sind. In der aktuell schwierigen Lage hätten wir von der Gewerkschaft mehr Unterstützung und Gemeinsinn erwartet.“

13.56 Uhr: Warnstreik in Brandenburg dauert an

Während der Warnstreik in Berlin zu Ende gegangen ist, dauert der Ausstand in Brandenburg an: Rund 1000 Bus- und Bahnfahrer haben dort nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Arbeit niedergelegt. Vor dem Hauptquartier der Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) kamen am Morgen rund 150 Mitarbeiter zusammen. Alle Busse und Bahnen, die von dort starten, blieben ab 3 Uhr im Betriebshof, wie Jens Gröger, Verdi-Geschäftsführer für Nordostbrandenburg und dort zuständiger Verhandlungsführer in Potsdam sagte.

In Bad Belzig seien es rund 20 Mitarbeiter gewesen, so Gröger. Außer in einzelnen Landkreisen wie Prignitz und Oberhavel hätten sich landesweit Bus- und Bahnfahrer beteiligt. Man habe Beschäftigte der zwölf öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in Brandenburg zum Warnstreik aufgerufen, darunter Vip, Cottbusverkehr und Regiobus Potsdam Mittelmark. Der Warnstreik sollte den ganzen Tag dauern und erst am frühen Mittwochmorgen um 3 Uhr enden.

13.18 Uhr: Linie U2 nimmt Betrieb wieder auf

Mehr als eine Stunde nach dem offiziellen Ende des Warnstreiks fährt am Bahnhof Pankow der erste Zug der Linie U2 in Richtung Stadtzentrum ab. Straßenbahnen der Linie M1 und 50 waren bereits eine halbe Stunde früher wieder im Dienst. Auch der Busverkehr in Pankow beginnt sich zur normalisieren.

12.59 Uhr: Deutsche Bahn zieht positive Bilanz

Die Deutsche Bahn zieht eine positive Bilanz des Streiktags in Berlin. Der Verkehr der S-Bahn Berlin sei entspannt und pünktlich verlaufen. "Die Züge waren heute voller als an anderen Werktagen – was zum Teil auch daran lag, dass vermehrt Fahrräder mitgenommen wurden. Das höchste Fahrgastaufkommen gab es rund um die Knotenpunkte Ostkreuz und Friedrichstraße", heißt es in der Mitteilung. 40 zusätzliche Fahrten habe es auf den S-Bahnlinien S1 und S5 gegeben. Rund 100 Mitarbeiter seien auf den Bahnsteigen unterwegs gewesen, um Fahrgäste zu informieren. "Durch den Einsatz der größtmöglichen S-Bahn-Fahrzeugflotte wurden die Auswirkungen des Verdi-Streiks auf Hunderttausende Fahrgäste am Morgen zumindest teilweise abgefedert“, teilte die BVG mit.

12.14 Uhr: Betriebsstart auf der Linie U2 verzögert sich

Nach wie vor ist die Empfangshalle des U-Bahnhofs Pankow geschlossen. Vor den Türen warten immer mehr Fahrgäste auf den Betriebsbeginn der Linie U2 Richtung Alexanderplatz, der laut BVG ab 12 Uhr erfolgen sollte. Auch Busse und Straßenbahnen am Verkehrsknoten in Berliner Norden sind noch nicht wieder eingesetzt. Wer es eilig hat, weicht auf Taxis oder die S-Bahn aus.

12.03 Uhr: Warnstreik beendet - BVG-Verkehr startet wieder

Der Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist um 12 Uhr zu Ende gegangen. Die BVG weist jedoch darauf hin, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis Busse und Bahnen wieder planmäßig fahren. "Leider wird es daher noch zu Verspätungen und Ausfällen bei allen Verkehrsmitteln der BVG kommen", schreibt das Unternehmen bei Twitter. "Der logistische Aufwand ist enorm", hieß es von der BVG

11.17 Uhr: Staus in Berlin "fast vollständig abgebaut"

Die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) meldet, die Staus in Berlin hätten sich "endlich fast vollständig abgebaut".

11 Uhr: Signalstörung behoben

Die Berliner S-Bahn meldet, die Signalstörung wurde behoben. Der Zugverkehr sei wieder durchgehend. Fahrgäste müssten noch mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen.

10.47 Uhr: Signalstörung bei der S-Bahn

Bei der Berliner S-Bahn gibt es eine Signalstörung im Bereich Grünauer Kreuz. Auf den Linien S45, S46, S8, S85 und S9 kommt es deshalb zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen, wie die S-Bahn bei Twitter mitteilte.

Die Linien S8, S85 und S9 verkehren nur zwischen Schöneweide und Pankow/Birkenwerder/Spandau. Die S45 und S46 fahren unverändert.

10.03 Uhr: Lage auf den Straßen normalisiert sich

Der Berufsverkehr ist durch, die Lage auf den Berliner Straßen beruhigt sich allmählich. Das meldet die Verkehrsinformationszentrale (VIZ). Die ersten Einschränkungen auf den Autobahnen seien wieder aufgehoben worden, aktuell seien noch folgende Einfahrtsperrungen zur A100 aktiv: Siemensdamm, Buschkrugallee, Britzer Damm.

9.50 Uhr: Viel los am S-Bahnhof Westkreuz

Am S-Bahnhof Westkreuz sind am Vormittag viele Menschen unterwegs, auch Kinder und Touristen. Der Mitarbeiter einer Bäckerei-FIliale am Bahnsteig berichtet, der Umsatz sei gestiegen, es kämen heute deutlich mehr Menschen.

9.41 Uhr: 4000 BVG-Mitarbeiter beteiligen sich am Warnstreik

Bei einer Kundgebung am Betriebshof Halensee formulierten die Streikenden ihre Forderungen. „Es geht nicht im mehr Geld, sondern darum Entlastung für die Beschäftigten zu schaffen“, sagte Christine Behle, die für Verdi die bundesweiten Tarifverhandlungen leitet. Gefordert werden auf Bundesebene mehr Urlaubstage. Die Beschäftigten der BVG kämpfen zudem für eine Reduzierung der Arbeitszeit auch für neuere Mitarbeiter auf 36,5 Stunden.

Behle verteidigte den Streik während der Corona-Pandemie. „Wir hätten uns das gerne gespart.“ Die Arbeitgeberseite habe ihnen jedoch keine andere Wahl gelassen. Der Streik sei zudem vier Tage vorher angekündigt worden. „Man hat gesehen, dass sich viele Menschen darauf angepasst haben.“

Zufrieden mit der Streikbeteiligung zeigte sich Jeremy Arndt, Verhandlungsführer bei Verdi für die BVG. Mit rund 4000 Mitarbeitern hätte mehr oder weniger die komplette Schichtbesetzung am Morgen die Arbeit niedergelegt. Auch er verteidigte die Forderungen. „Wir müssen die Arbeitsbedingungen verbessern und dafür noch etwas in die Hand nehmen.“

Das sei nötig, um auch künftig Mitarbeiter zu bekommen. Schon heute, so Arndt falle es der BVG immer schwerer, gutes Personal zu finden. Dass es bei dem einen Streiktag bleibt, wollte Arndt nicht bestätigen. „Im Moment wirken die fronten sehr verhärtet. Das könnte nicht der letzte Streik gewesen sein.“

9.25 Uhr: Kiosk-Verkäufer freut sich über mehr Umsatz

Haben an diesem Morgen viele Berliner lästige Umstellungen und Fahrtverzögerungen hinnehmen müssen: Zumindest einer konnte sich in Kreuzberg über die Folgen des BVG-Warnstreiks freuen. Im DB Service Store am Anhalter Bahnhof hatte Max Bade in der Rushhour mehr zu tun als sonst. "Ein gutes Drittel mehr Backwaren und Kaffee habe ich verkauft", sagt der 27-Jährige.

9.16 Uhr: U-Bahnhof Alexanderplatz verschlossen

Am U-Bahnhof Alexanderplatz bewachen BVG-Mitarbeiter den abgesperrten Zugang - und geben Ahnungslosen, an denen alle Warnungen vor dem Streik vorübergingen, einen simplen Fahrplantipp: "Erst ab 12 Uhr wieder."

9.12 Uhr: Warnstreik am Hauptbahnhof kaum spürbar

Die S-Bahnsteige am Hauptbahnhof sind verwaist. Obwohl die BVG streikt, steigen nur wenige Menschen in die S-Bahnen im Zentrum. In den Zügen ist das Gedränge nicht größer als an üblichen Wochentagen, an denen auch U-Bahnen und Busse fahren. Für Fahrräder ist in den Abteilungen noch genügend Platz.

9.10 Uhr: Unterstützung durch die Aktivisten von Fridays for Future

Aktivisten von Fridays for Future (FFF) unterstützen die Streikenden. „Wenn wir eine Mobilitätswende wollen, ist der ÖPNV ein ganz zentraler Schlüssel“, sagte Helena Marschall von FFF. Es gebe jetzt schon Personalmangel. „Wenn wir die Arbeitsbedingungen nicht verbessern, können wir den ÖPNV nicht ausbauen.“

9.04 Uhr: Züge am Anhalter Bahnhof längst nicht überfüllt

Am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof ist die Menge von Fahrgästen, die mit der S25 aus dem Süden in die Stadt kommen, überschaubar. Der Zug ist voll besetzt aber längst nicht überfüllt.

8.54 Uhr: Etwas mehr Verkehr in Charlottenburg

Etwas mehr Verkehr als an anderen Morgen gibt es derzeit am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg. Von Verkehrschaos ist aber keine Spur. Auch am Bahnhof Zoologischer Garten und am Kurfürstendamm ist es eher ruhig. Hier sind auffällig viele Taxis unterwegs.

8.48 Uhr: Volle Straßen in Spandau

Auf dem Altstädter Ring vorm Rathaus Spandau sind die Busspuren leer, auf den anderen Fahrstreifen aber staut es sich. Es gebe überall Staus, beklagt ein Transporterfahrer. Dass die U-Bahnen und Busse nicht fahren, merke man stark. Auch auf der Straße Am Juliusturm am anderen Ende der Altstadt ist es stadteinwärts voll.

8.40 Uhr: Fahrrad-Chaos am Bahnhof Spandau

Wer am Bahnhof Spandau einen Platz für sein Fahrrad sucht, hat schlechte Karten. Räder werden kreuz und quer, an Laternen, Geländern oder Masten von Verkehrsschildern angeschlossen. Auffällig sind zudem die zahlreichen E-Scooter, die rund um den Bahnhof und vor den Eingängen stehen.

8.36 Uhr: Mehr Radfahrer in Kreuzberg unterwegs

Dichter Verkehr am Mehringdamn, Ecke Platz der Luftbrücke. Räder und Autos schleppen sich in Richtung Stadtzentrum. Obwohl Home-Office-Regelungen gewiss Verkehr aus den Straßen nehmen: Es sind mehr Radfahrer unterwegs als sonst um diese Uhrzeit. Weit mehr ohne Helm.

8.32 Uhr: Volle Regionalbahnen in Spandau

In Spandau setzen heute viele auf die Regionalbahnen, die ins Berliner Zentrum fahren. Die Züge sind voll, beim Einsteigen drängen sich die Menschen, allerdings gilt das auch für Tage, an denen nicht gestreikt wird. Mitfahren können alle, auch Sitzplätze sind teilweise noch zu bekommen. Pendler aus Falkensee berichten ebenfalls, dass die Bahnen nicht voller sind als an gewöhnlichen Wochentagen. Selbst für Fahrräder sei noch genügend Platz gewesen.

8.28 Uhr: Viel Gelassenheit trotz riesiger Umwege

20 Minuten länger als sonst brauchte Daniela Wiechert am Morgen. Die Steglitzerin wohnt in einer Seitenstraße der Schloßstraße und muss ins Geschäft an die Wilmersdorfer Straße. Dafür nimmt sie normalerweise die U9 und steigt dann an der Berliner Straße in die U7 um. Doch da keine U-Bahnen fuhren, musste sie mit der S1 bis Friedrichstraße fahren und dann weiter mit der S-Bahn bis Charlottenburg. Das sei zwar ein riesiger Umweg gewesen, sagt die 50-Jährige. Aber dennoch ganz entspannt.

8.27 Uhr: BVG-Mitarbeiter sammeln sich am Betriebshof Halensee

Am Betriebshof Halensee haben sich gut 50 BVG-Mitarbeiter versammelt. Hier findet ab 8.30 Uhr eine Kundgebung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi statt.

8.25 Uhr: Volle Fahrradabteile in den S-Bahnen

Volle Fahrradabteile: Viele Berliner kompensieren die Ausfälle bei der BVG, indem sie S-Bahn und Fahrrad kombinieren. So wie Studentin Clara. Sie sagt: "Das letzte Stück meines Wegs müsste ich die U-Bahn nehmen. Nun trete ich eben in die Pedale." Noch immer sind die Platzverhältnisse in den Zügen auf der Ringbahn moderat. Die befürchtete Überfüllung bleibt aus.

8.20 Uhr: Bushaltestelle am Flughafen Tegel verwaist

Gähnende Leere an der Bushaltestelle Flughafen Tegel: Mitarbeiter des Flughafens machen ankommende Fluggäste auf den Streik aufmerksam und verweisen auf die Taxistände.

8.16 Uhr: Taxen stehen am Flughafen Tegel bereit

Am Flughafen Tegel sind etliche Taxen im Einsatz und warten auf die nächsten Fluggäste - wie hier am Terminal A

8.06 Uhr: Stau auf den meisten Straßen Berlins

Der Berufsverkehr ist in vollem Gange, und die Straßen sind gut gefüllt. Wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) bei Twitter mitteilt, gebe es nun auf den meisten Straßen Stau. Die aktuelle Verkehrslage gibt es auch auf den Seiten der VIZ.

7.57 Uhr: E-Scooter-Anbieter will zusätzliche Roller anbieten

Der E-Scooter Voi hat angekündigt, seine Präsenz heute in Berlin und anderen deutschen Städten kurzfristig zu verstärken. Bis zu 300 zusätzliche E-Scooter soll es pro Standort geben. Vor allem in den Außenbezirken, wo Menschen für den Weg zur Arbeit besonders auf den ÖPNV angewiesen sind, will Voi die Rollerzahl vorübergehend erhöhen. Zudem erklärt das Unternehmen, dass Pendler und andere Neukunden, die durch den Streik kurzfristig umsteigen müssen, zwei Freifahrten für die Wege von und zur Arbeit mit dem Code “GRÜNEWELLE” erhalten.

7.55 Uhr: Staus zwischen Weißensee und Alexanderplatz

Auf der Greifswalder Straße zwischen Weißensee und Alexanderplatz bilden sich nun längere Staus an den großen Kreuzungen. Wo für Radfahrer auf den schmalen Spuren zu wenig Platz ist, da nutzen sie den Bürgersteig. Auf zwei Rädern kommt man im Osten Berlins derzeit schneller ans Ziel als auf vier.

7.47 Uhr: Ringbahn im Berufsverkehr gut gefüllt

Gut gefüllt, aber nicht übervoll ist es am Morgen im Berufsverkehr auf der Ringbahn. In Zeiten von Corona hat viele offenbar die Aussicht auf eine brechend volle S-Bahn abgeschreckt. Sie haben sich Alternativen gesucht. Eine dürfte mit der Entwicklung der vergangenen Monate direkt zusammenhängen: das Home-Office. Wer nicht zum Arbeitsplatz muss, bleibt heute vermutlich zu Hause.

7.40 Uhr: Bahnsteig am Rathaus Steglitz bleibt leer

Trotz Streik ist der S-Bahnsteig der S1 am Rathaus Steglitz leer. Aus den ankommenden Zügen steigen die Schüler aus - alles ein bisschen wie immer. Auf dem Hermann-Ehlers-Platz stehen derweil noch einige E-Roller bereit.

7.38 Uhr: Volle Fahrradständer am Bahnhof Alt-Tegel

U- und Busbahnhof Alt-Tegel ist nicht viel los. Außer an den Fahrradständern - die sind komplett voll. Leer ist hingegen der dortige Taxistand. Normalerweise stehen dort bis zu zehn Wagen.

7.36 Uhr: Leere Bushaltestelle, volle Radspur in Steglitz

Leere Bushaltestelle, dafür eine volle Radspur: An der Schloßstraße in Steglitz geht der Tag ruhiger los als sonst. An der Bushaltestelle Kieler Straße steht nur eine junge Frau, die auf ihr Handy starrt. "Meine App sagt mir, dass der Bus kommen soll, von Streik sagt sie nichts." Doch da stimme wohl etwas nicht mit ihrer App, meint sie.

7.27 Uhr: E-Scooter-Anbieter postieren ihre Roller an Haltestellen

E-Scooter-Anbieter haben ihre Roller an Straßenbahnhaltestellen der BVG postiert. Mitglieder von Carsharing-Diensten finden pünktlich zum Streik E-Mails im Postfach mit dem Tipp, auf Mietwagen umzusteigen. Die meisten Pendler in Prenzlauer Berg nutzen aber lieber ihr eigenes Fahrrad.

7.25 Uhr: Wenig Verkehr am S-Bahnhof Heiligensee

Am S Bahnhof Heiligensee ist um 7.15 Uhr fast nichts los auf der Straße. Normalerweise staut sich der Verkehr Richtung Auffahrt Schulzendorfer Straße zur A111.

7.11 Uhr: Nahezu alle Fahrgäste tragen Masken

Am S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee füllen sich die Züge. Nahezu alle Fahrgäste tragen schon am Bahnsteig Masken - eine Sicherheitsregel, die üblicherweise nicht ganz so streng befolgt wird. "Mir ist schon ein bisschen mulmig, dass man die Sicherheitsabstände heute kaum einhalten kann", sagt die Angestellte Saskia, die in Richtung Ostkreuz fährt.

7.03 Uhr: In den S-Bahnen ist vorerst noch genügend Platz

Am S- und U-Bahnhof Pankow ist die komplette Wartehalle der BVG einschließlich der Kioske und Bäcker geschlossen. Fahrgäste, die durch die Halle zum S-Bahnsteig gehen wollen, rütteln vergeblich an den Türen. Sie müssen einen Umweg laufen - und finden dann am anderen Ende des Bahnhofs in den S-Bahnen vorerst noch genügend Platz. Draußen auf der Berliner Straße fegt derweil die BSR verwaiste Bushaltestellen.

6.30 Uhr: Volle Straßen schon am frühen Morgen

Die Auswirkungen des Warnstreiks sind schon am frühen Dienstagmorgen auf den Berliner Straßen zu spüren. Wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) mitteilte, gibt es gegen 6.30 Uhr Stau auf Landsberger und Frankfurter Allee, auf der Rudolf-Rühl-Allee und der A113 und Am Juliusturm und auf der Heerstraße.

BVG-Streik in Berlin: S-Bahn wird verstärkt, einige Buslinien fahren dennoch

  • Die Verstärkerzüge der S1 (Zehlendorf – Potsdamer Platz) und der S5 (Mahlsdorf – Ostbahnhof) werden dreieinhalb Stunden länger unterwegs sein – anstatt von 5.30 Uhr bis 8.30 Uhr verkehren sie am Dienstag bis um 12 Uhr, also bis zum geplanten Streikende. Das sind laut S-Bahn rund 40 zusätzliche Fahrten und etwa 7000 Sitzplätze mehr.
  • Die Betriebsreserven werden mobilisiert und kurzfristig und flexibel eingesetzt.
  • Fahrgäste der BVG können zudem auf die Regionalzüge ausweichen
  • In Betrieb sind die BVG-Fähren sowie 23 Buslinien komplett und sieben weitere mit leichten Einschränkungen, die von privaten Unternehmen angeboten werden.

Streik bei der BVG: Manche Berliner wollen auf einen E-Scooter umsteigen

Für viele Berliner wird es an diesem Dienstag eine Herausforderung sein, pünktlich ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Bereits am Sonntag fanden sich in den sozialen Netzwerken erste Fahrgemeinschaften zusammen. Viele Arbeitnehmer sind auf U-Bahnen angewiesen, wie Maik Matischak. Der 48-Jährige wohnt in Mitte und arbeitet beim Kreuzberger Unternehmen getpress, das Öffentlichkeitsarbeit für Start-ups macht. Normalerweise fährt er mit der U-Bahn von der Französischen Straße bis Mehringdamm. Doch nun will er versuchen, die drei Kilometer lange Strecke mit dem Leih-E-Roller zurückzulegen.

Falls er keinen findet – denn mit dieser Idee wird er am Streiktag sicher nicht allein sein – bleibt nur das Home Office als zweite Option. „Ich finde es in Ordnung, wenn die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes für mehr Lohn kämpfen, denn eine gute Bezahlung haben sie sich verdient“, sagt der Mitarbeiter in leitender Funktion. Aber die BVG in Corona-Zeiten zu bestreiken, treibe die Menschen in Scharen in die S-Bahn, und das könne im Moment nicht wirklich gesund sein. „Ich denke, gerade jetzt sollte man hier eventuell sensibler sein“, sagt Maik Matischak.

Die S-Bahn erwartet wegen des BVG-Streiks mehr Fahrgäste. Im Zug wird es noch schwieriger, zum Schutz vor einer Corona-Infektion Abstand zu anderen Fahrgästen zu halten. „Wir appellieren an alle Fahrgäste, Mund und Nase zu bedecken und sich an die Maskenpflicht zu halten“, teilte die S-Bahn mit.

Lesen Sie auch: Warnstreik bei der BVG - Verantwortung Fehlanzeige

Noch ahnungslos ist ein Restaurantmitarbeiter am Montag. „Die U-Bahnen fahren morgen nicht?“, fragt Aldo Ceszarini. Vom BVG-Streik am Dienstagmorgen hat er nichts gewusst. Darauf angesprochen, reagiert er zunächst verblüfft – und überlegt, wie er an diesem Dienstag zur Arbeit kommt. Nachdenklich blickt er über die Tische, die er gerade auf der Terrasse des italienischen Restaurants „Inizio Berlin“ in Wilmersdorf gedeckt hat. Dort arbeitet er als Kellner.

Nach einer Weile sagt Ceszarini: „Dann werde ich wohl die S-Bahn nehmen.“ Der Weg sei zwar etwas umständlicher, ihm bliebe aber keine Wahl. Zudem müsse er seinen Freunden Bescheid sagen, die momentan bei ihm zu Besuch sind und an diesem Dienstag die Heimreise nach Polen antreten wollen. „Mit ihnen gemeinsam muss ich planen, wie sie pünktlich um 9 Uhr am Hauptbahnhof sein können, um ihren Zug zu bekommen“, sagt er. Erleichtert zeigt er sich über die Nachricht, dass zunächst nur ein Streik am Dienstag geplant ist, nicht etwa an weiteren Wochentagen.

BVG-Streik - Andere steigen auf eine Fahrgemeinschaft oder ein Taxi um

Die S-Bahn sei für sie keine Option für den Weg zur Arbeit, sagt dagegen Hülya Çetin. Um trotzdem pünktlich zu ihrem Job in der Wiener Feinbäckerei am Kranzlereck zu kommen, werde sie „entweder mit einer Fahrgemeinschaft oder einem Taxi fahren“, sagt die Verkäuferin.

Auch Çetins Kollegen Koray Bozkurt und Ahmad Mekkawi werden vermutlich ein Taxi bestellen, wie sie sagen. „Ich könnte auch zu Fuß gehen“, sagt Mekkawi, „dann müsste ich aber 30 Minuten laufen und viel früher aufstehen.“ Ein gewisses Verständnis zeigt Mekkawi für die BVG-Mitarbeiter, die streiken. Es ärgere ihn jedoch, dass sie ausgerechnet morgens unter der Woche die Arbeit niederlegen: „Das könnten ja auch am Wochenende machen, wenn Leute nicht zur Arbeit müssen.“

Streik bei der BVG umgehen - mit einer Kombination aus S-Bahn und Fahrrad

Andere Probleme hat ein Mitarbeiter von Toms Kaffeerösterei in Zehlendorf. Mehr als 30 Kilometer Entfernung liegen zwischen seinem Wohnort in Hellersdorf und seinem Arbeitsplatz in der Ladenpassage der U-Bahnstation Onkel-Toms-Hütte. Für den 26-Jährigen wird der Streik daher eine Herausforderung. „Ich werde am Dienstag das Fahrrad und die S-Bahn kombinieren“, sagt der junge Mann. Also mit dem Fahrrad losfahren, dann zwei verschiedene S-Bahnlinien nutzen und zum Schluss noch einmal das Fahrrad nehmen. Etwa eine Stunde mehr plant er für den Arbeitsweg nach Zehlendorf ein, denn es könnte ja auch passieren, dass er die S-Bahn so voll ist, dass er mit dem Fahrrad gar nicht mehr mitkommt und auf den nächsten Zug warten muss. „Ich sehe es aber gelassen, es ist ja nicht der erste Streik, den wir mitmachen“, sagt der Hellersdorfer.

In der Berliner Landespolitik fielen die Reaktionen auf den BVG-Streik zuletzt zurückhaltender aus. „Der Tarifabschluss im vergangenen Jahr hat Lücken im Gehaltsgefüge zu anderen Verkehrsunternehmen geschlossen“, zeigte sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) skeptisch über weitere Forderungen der BVG. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass Verdi einen bundesweiten Tarifvertrag für die Beschäftigten im Nahverkehr anstrebe, die Forderungen also nicht allein für die BVG aufgestellt werden.

Auch in den Fraktionen gibt es Vorbehalte. „Es ist das gute Recht der Arbeitnehmer, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Daniel Buchholz. „Ich hoffe aber, dass sie das mit Augenmaß machen. Die Leute sind wegen der Corona-Krise schon genug gebeutelt.“ Ähnlich äußerten sich Vertreter von CDU, Grünen und Linken.

Lesen Sie auch: Warnstreiks bei Müllabfuhr und BVG stoßen auf Kritik

FDP kritisiert Vorgehen der Gewerkschaft Verdi

Nur die FDP kritisiert das Vorgehen von Verdi offen. „Viele Menschen sind aufgrund von Corona in Kurzarbeit und kämpfen um ihre Existenz, was die Forderungen der BVG-Mitarbeiter in ein anderes Licht rückt“, sagte die stellvertretende Fraktionschefin, Sibylle Meister. „Die BVG ist bereits jetzt massiv mit öffentlichen Mitteln unterstützt worden.“ Der Verkehr in der Stadt sei schon ohne Streiks genug belastet.

Ähnlich reagierte auch der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV), der auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzt. „Erst im letzten Jahr hat es für alle Beschäftigten der BVG Einkommensverbesserungen in einem jährlichen Volumen von 102 Millionen Euro gegeben“ sagte KAV-Geschäftsführerin Anke Stier. „Erschwerend kommt hinzu, dass in Zeiten der Corona-Pandemie ein solcher Streik ein unnötiges Gesundheitsrisiko für die Fahrgäste bedeutet.“ Die Verhandlungen sollen am 13. Oktober fortgesetzt werden. Insgesamt geht es um 14.600 Beschäftigte.

Die Gewerkschaft Verdi will mithilfe der Arbeitsniederlegungen, einen bundesweiten Tarifvertrag für rund 87.000 Beschäftigte im Nahverkehr durchsetzen, wie sie am Freitag mitteilte.

BVG-Streik in Berlin: Fridays for Future unterstützt Warnstreik

Die Klima- und Umweltschutzinitiativen Fridays for future, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Campact und 20 weitere Organisationen und Verbände solidarisierten sich am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mit den streikenden Beschäftigten. Sie forderten die Politik auf, jetzt in Personal und Infrastruktur des Nahverkehrs zu investieren. Außerdem würden die Beschäftigten bei ihrem Streik am Betriebshof Cicerostraße/ Westfälische Straße 73 um 8 Uhr von Fridays for Future unterstützt werden.

Am späten Nachmittag will Fridays for future um 17 Uhr gemeinsam mit dem Bündnis "Gesundheit Ohne Profite" eine Fahrraddemonstrationen in Solidarität mit Streikenden von BVG, Charite und Vivantes Klinikum veranstalten. Helena Marschall, Aktivistin von Fridays for Future, teilte mit: "Am Freitag waren Beschäftigte vom ÖPNV mit uns beim Fridays for Future Klimastreik. Am Dienstag unterstützen wir die Beschäftigten bei ihrem Streik für gerechtere Arbeitsbedingungen im ÖPNV. Wir kämpfen alle zusammen für eine sozial-gerechte und klimagerechte Verkehrspolitik."

Warnstreik auch im Brandenburger Nahverkehr - diese Unternehmen sind betroffen

Auch die Beschäftigten einiger Brandenburger Verkehrsunternehmen wollen am Dienstag in den Ausstand gehen. Hier soll der Streik gleichzeitig mit dem in Berlin beginnen, allerdings 24 Stunden dauern. Betroffen sind laut Verdi folgende Verkehrsunternehmen:

  • Verkehrsbetriebe Potsdam
  • Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald
  • Uckermärkische Verkehrsgesellschaft
  • Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming
  • Busverkehr Oder-Spree
  • Barnimer Busgesellschaft
  • Cottbusverkehr
  • Havelbus Verkehrsgesellschaft
  • Regiobus Potsdam Mittelmark
  • Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder)
  • Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel
  • DB Regio Nord-Ost.