Kommentar

Warnstreik bei der BVG - Verantwortung Fehlanzeige

Trotz der Corona-Krise will Verdi die BVG bestreiken. Was sonst ärgerlich ist, wird nun gefährlich, meint Philipp Siebert.

Philipp Siebert

Philipp Siebert

Foto: BM

Der Schutz des Personals geht bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) vor. Um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zu minimieren, sitzen Busfahrer seit Monaten hinter Plexiglasscheiben oder Plastikfolien – fast hermetisch von den Fahrgästen abgeschottet. Aber deren Wohl scheint der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) egal zu sein. Anders lässt sich die Verantwortungslosigkeit, inmitten der Corona-Pandemie in den Streik zu treten, kaum erklären.

Denn wenn Dienstagmorgen während der Hauptberufsverkehrszeit sämtliche Bus-, Tram- und U-Bahnfahrer Berlins die Arbeit niederlegen, werden sich Zehntausende Fahrgäste dicht an dicht in die S-Bahn drängeln müssen, um zur Arbeit zu kommen. Denn die fährt nämlich. In normalen Zeiten lässt sich das wohl mit „Nervig, aber um Himmels Willen im Namen der sozialen Gerechtigkeit notwendig“ beschreiben. Und mit dieser Haltung würden die Berlinerinnen und Berliner wohl auch am Dienstag den Weg zur Arbeit antreten – wäre da nicht dieses hartnäckige Virus, das die ganze Welt seit Monaten in Atem hält und uns zwingt, Abstand zu halten. Was sonst ärgerlich ist, wird so gefährlich.

Viele Berufszweige gehören zu den Leidtragenden der Corona-Krise. Die Beschäftigten der landeseigenen BVG gehören mit Sicherheit nicht dazu. Als zu Beginn der Corona-Pandemie Busse und Bahnen in einem dünneren Takt fuhren, es also weniger zu tun gab, bekamen Fahrer trotzdem ihr volles Gehalt. Außerdem gilt für sie erst seit dem vergangenen Jahr ein neuer Tarifvertrag. Gewerkschaften schreiben sich gern das Wort „Solidarität“ auf die Fahne. Verdi könnte auch etwas solidarischer mit den Berlinern sein.