Corona-Pandemie

Neue Corona-Kampagne startet: "Maske auf. Sonst Lokal zu"

Mit einer Kampagne will das Land Berliner und Touristen auf das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln in der Gastronomie hinweisen.

Ramona Pop (M), Berliner Wirtschaftssenatorin, Christian Andresen (r), Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin (Dehoga), und Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin, stellen bei einer Pressekonferenz eine Kampagne der Wirtschaftssenatsverwaltung und visitBerlin zur Sensibilisierung für Corona-Regeln in Gaststätten vor.

Ramona Pop (M), Berliner Wirtschaftssenatorin, Christian Andresen (r), Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin (Dehoga), und Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin, stellen bei einer Pressekonferenz eine Kampagne der Wirtschaftssenatsverwaltung und visitBerlin zur Sensibilisierung für Corona-Regeln in Gaststätten vor.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Das Land Berlin will mit einer neuen Kampagne für die Corona-Regeln sensibilisieren. Vor allem Besucher von Bars, Cafés und Restaurants sollen so verstärkt auf die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und zum Abstandhalten aufmerksam gemacht werden, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bei der Präsentation der Kampagne am Montagvormittag im Brauhaus Lemke am Alexanderplatz.

Pop betonte, man dürfe die bisherigen Erfolge im Umgang mit der Pandemie nicht gefährden. „Überall gibt es Menschen, die sich nicht an die Regeln halten und denen offensichtlich nicht bewusst ist, dass sie sich und andere in gesundheitliche Gefahr bringen und die Gastronomen in eine schwierige Situation“, erklärte sie. In Berlin drohen Bar- und Restaurantbesitzern zum Teil mehrere Hundert Euro Bußgeld, etwa, wenn Lücken bei der Gästeerfassung bestehen, Abstandsregeln nicht eingehalten werden oder Hygienemaßnahmen nicht ausreichend sind.

„Visit Berlin“-Chef Kieker: „Berlin soll seine Seele behalten“

„Visit Berlin“-Chef Burkhard Kieker sagte mit Blick auf die neue Kampagne, Berlins Angebot an Restaurants, Bars und Kneipen sei legendär. „Berlin soll seine Seele behalten“, erkläre er. Der erhobene Zeigefinger komme aber nicht gut an. Deswegen hole man die Berliner mit ihrem eigenen, trockenen Humor ab, Fünf unterschiedliche Sprüche sollen zunächst stadtweit, aber besonders an gastronomischen Hotspots wie der Warschauer Straße, dem Rosenthaler Platz, am Hackeschen Markt, an der Kastanienallee und am Alexanderplatz für Aufmerksamkeit sorgen.

In schwarzen und roten Lettern ist unter anderem zu lesen: „Abstand halten. Sonst ist Deine Stammkneipe schneller dicht als Du“, „Endlich: Die Bedienung will Deine Telefonnummer“ oder „Liberté, Egalité Charité? Lieber Abstand halten“. Zunächst soll die Kampagne bis März laufen. Weitere Varianten sollen in den nächsten Wochen dazukommen. Zusätzlich gibt es bereits Bierdeckel und auch Mund-Nasen-Schutze, die mit den Sprüchen bedruckt wurden. Insgesamt stehe für die Kampagne rund eine Million Euro zur Verfügung, sagte Burkhard Kieker auf Morgenpost-Nachfrage.

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Deutliche Rückgänge bei Zahl der Gäste und Übernachtungen

Dass die deutsche Hauptstadt vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sei, habe auch das Ausland bemerkt, so Kieker. „Berlin wird von Touristen als relativ sicher wahrgenommen“, sagte er. Neuen Zahlen des Amts für Statistik zufolge ist der Einbruch durch Corona bei den Besucherzahlen dennoch erheblich: Zwischen Januar und Juli zählen die Berliner Übernachtungsbetriebe 7,8 Millionen Übernachtungen – ein Minus von 59,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Fast zwei Drittel der Besucher kamen aus anderen Bundesländern nach Berlin, 35 Prozent aus dem Ausland.

Vor allem bei Gästen aus Übersee fiel der Rückgang dramatisch aus. Angesichts zahlreicher Reisebeschränkungen und gestrichener Flugverbindungen gingen etwa zwischen Januar und Juli die Ankünfte von Touristen aus den USA um 76,6 Prozent zurück, Ankünfte aus China brachen sogar um 83,7 Prozent ein, die aus den arabischen Golfstaaten um 71,7 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte Berlin mit 14 Millionen Gästeankünfte und 34 Millionen Übernachtungen, davon über 15 Millionen aus dem Ausland, noch einen neuen Rekord aufgestellt.

Die Auslastung in den ersten sieben Monaten des Jahres habe Angaben der Statistiker zufolge bei 30,3 Prozent gelegen. Im August sei sie dann zeitweise auf gut 40 Prozent gewachsen, in den ersten Septemberwochen hingegen wieder leicht gesunken, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Berlin, Christian Andresen. „Wir bemerken jetzt vor allem, dass die Business-Gäste nicht kommen“, sagte Andresen mit Blick auf das noch immer überschaubare Messe- und Kongressgeschehen in der Stadt.

Gastronomen sollen auch selbst Teil der Kampagne werden

Wirtschaftssenatorin Pop verwies angesichts der noch immer kritischen Lage der Hotellerie und Gastronomie auch auf die Hilfsangeboten und bereits gezahlten Soforthilfen von Land und Bund. „Ich weiß allerdings, dass es auch noch Nachholbedarf gibt insbesondere bei den Überbrückungshilfe des Bundes“, sagte sie. Die Zuschüsse bemessen sich an der Höhe des Umsatzrückgangs der Unternehmen, werden bislang aber nur zögerlich abgerufen.

Mit der Kampagne sollen nun auch die Gastronomen selbst dafür sensibilisiert werden, Berlin als sichere Destination zu erhalten, hieß es. In den vergangenen Wochen hatte es auch immer wieder Kritik gegeben, dass Bars und Restaurants die Vorgaben nicht einhalten und so gegen die Hygieneauflagen verstoßen würden. Später sollen deswegen auch Restaurant-Besitzer selbst Teil der neuen Kampagne sein. Für einen griechischen Gastronomen aus Steglitz-Zehlendorf gibt es bereits einen Entwurf. „Gyros statt Vyros. Haltet Abstand“, steht auf einer ersten Werbetafel.