Die Diskussionen um die Folgen des Klimawandels hat nach Ansicht von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zu mehr Inlands-Gästen in Berlin geführt. „In Zeiten der Klimakrise setzen die Menschen stärker auf die Bahn. Davon profitiert Berlin“, sagte Pop am Freitag bei der Präsentation der Tourismuszahlen aus dem vergangenen Jahr. 2019 kamen insgesamt 8,5 Millionen in Hotels und Pensionen registrierte Gäste aus dem Bundesgebiet – ein Plus von 4,7 Prozent. Insgesamt kamen in die deutschen Hauptstadt 14 Millionen Touristen. Das waren 3,4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Chef von Berlins Tourismusagentur „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, nannte als Gründe für die Entwicklung auch Flugscham und bessere Bahnverbindungen nach Berlin. Die Stadt sei hervorragend an die Schiene angebunden, so Kieker.

Die Zahl der Urlauber aus Deutschland stieg damit so stark wie seit 2012 nicht. Bei den ausländischen Gästen war es hingegen die drittschwächste Wachstumsrate seit der Jahrtausendwende. Vor allem viele Briten blieben weg – die größte ausländische Besuchergruppe schrumpfte um 6,9 Prozent auf 574.000. Dafür kamen mehr US-Amerikaner, Spanier und Italiener. Mit einem Rückgang um knapp ein Achtel ging auch die Besucher-Zahl aus Israel stark zurück. Sie sank zum dritten Mal in Folge, erreichte mit 101.000 den niedrigsten Stand seit 2013. Berlins Tourismusgesellschaft führte das auf gestiegene Flugpreise nach Berlin und günstigere Verbindungen nach Osteuropa zurück. Bei preissensiblen Kunden aus Israel seien Städte wie Warschau und Budapest gegenüber Berlin im Vorteil.

Unter dem Strich hat der Berlin-Tourismus zum 17. Mal in Folge einen Rekord erzielt. Das gilt auch für die Zahl der Übernachtungen, die um 3,8 Prozent auf 34,1 Millionen stieg. Sie hat sich innerhalb von zwölf Jahren nahezu verdoppelt. Hinzu kommen die Übernachtungen in Privatunterkünften wie Ferienwohnungen, die nicht gezählt werden. „Visit Berlin“-Chef Kieker sagte, er rechne auch in diesem Jahr mit einem moderaten Wachstum zwischen anderthalb und drei Prozent. „Wir möchten nicht überrannt werden, sondern diese Industrie mit zahlungskräftigen und qualitativ hochwertigen Touristen versorgen“, erklärte er. Nach Berechnungen der Wirtschaftsverwaltung leben in Berlin rund 250.000 Menschen von der Arbeit mit Touristen.

Erste Anzeichen für Erfolg der Bezirke-Strategie

Angesichts von Anwohner-Beschwerden vor allem aus den Innenstadt-Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg hatte „Visit Berlin“ angekündigt, vor allem um Kultur-Touristen sowie um Messe- und Kongressbesucher werben zu wollen. Zudem sieht das 2018 verabschiedete Tourismus-Konzepts des Senats vor, mehr Gäste in Außenbezirke wie Spandau oder Treptow-Köpenick zu locken. Es gebe erste Anzeichen dafür, dass dieser Plan aufgehe, sagte Wirtschaftssenatorin Pop. Als Beispiel nannte sie gestiegene Übernachtungszahlen: Wachstums-Spitzenreiter im vergangenen Jahr war der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit einem Plus von 8,5 Prozent bei Übernachtungen, danach folgte Spandau mit einem Wachstum von 4,1 Prozent. Allerdings scheint die Bezirksstrategie noch nicht überall zu funken: In Treptow-Köpenick sanken die Übernachtungszahlen im zurückliegenden Jahr um 7,4 Prozent.

Kieker sagte, vor allem mit Blick auf die nahende Eröffnung des BER dürfte die Zahlen in Treptow-Köpenick perspektivisch aber deutlich steigen. „Visit Berlin“ verspricht sich durch die Inbetriebnahme Ende Oktober zudem mehr Langstreckenverbindungen nach Berlin. Das hatte angesichts von derzeit lediglich sieben Interkontinentalverbindungen von und nach Berlin auch die Wirtschaft zuletzt vehement gefordert. „Wir glauben, dass wir ein, zwei Flugplanperioden nach der BER-Eröffnung Entwicklungen sehen werden“, sagte Kieker. Er selbst werde mit Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im April zu dem Thema das Gespräch mit US-amerikanischen Airlines suchen, so Kieker an.

Auf chinesische Touristen wird Berlin angesichts der Coronavirus-Epidemie vorerst verzichten müssen, sagte der Tourismus-Manager. „Der China-Tourismus ist zum Stillstand gekommen.“ Gruppenreisen aus China und auch die Teilnahme an Kongressen würden derzeit verstärkt von Bürgern aus dem asiatischen Großreich abgesagt, so der „Visit Berlin“-Chef. Im vergangenen Jahr zählten die Statistiker noch 332.000 Übernachtungen chinesischer Gäste in Berlin. Damit hatten die China-Touristen allerdings nur einen Anteil von einem Prozent an allen Übernachtungen in Berlin.

Als touristische Höhepunkte für das laufende Jahr nannten Pop und Kieker die Feierlichkeiten zu 100 Jahre Groß-Berlin, die Eröffnung des Humboldt Forums sowie die Inbetriebnahme der U5-Strecke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor.