Mehrere Hundert Menschen, darunter etliche prominente Politiker, haben am Donnerstagabend in Berlin am Brandenburger Tor der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Sie bildeten eine große Menschenkette rund um das Tor. Einige hielten Kerzen in den Händen und legten Blumen an dem Bauwerk ab. Vereinzelt waren Europaflaggen zu sehen. Auf einem Schild stand zu lesen: „Wir trauern um die Opfer von Hanau, Halle, Kassel, Mölln etc. Stoppt Hass und Hetze in den asozialen Medien“.
Zuvor hatten sich rund 20 Politiker verschiedener Parteien an den Händen gefasst und eine Schweigeminute abgehalten. Zu ihnen zählten die beiden Bundes- und Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt, FDP-Chef Christian Lindner, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh. Danach gingen die Bundespolitiker geschlossen zum Bundestag zurück.
Saskia Esken (SPD): Rechter Terror greife in Deutschland immer mehr um sich
Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken sagte vor Ort der Berliner Morgenpost, die Tat von Hanau sei ein Zeichen, dass rechter Terror in Deutschland immer mehr um sich greife. "Wer Muslime und Juden bedroht, der bedroht uns alle und die Gesellschaft im Ganzen. Wir werden uns das nicht bieten lassen", sagte Esken weiter.
Zur Mahnwache vor dem Brandenburger Tor hatte die SPD aufgerufen. "Wir müssen ein Zeichen setzen. Gegen den rechten Terror, gegen den rechten Hass, gegen Faschismus", schrieb Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag auf Twitter. Bei der Solidaritätsbekundung sollte deutlich werden, "dass wir den Hetzern und rechten Terroristen nicht unser Land überlassen".
Klingbeil wertete die Tat als "Angriff auf uns alle, auf die Freiheit in unserem Land". "Mitten in Deutschland werden Menschen aus rechtem Hass und Rassismus getötet. Das macht mich wütend", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Nach Anschlag in Hanau: Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden in Berlin
Innensenator Andreas Geisel (SPD) ordnete nach dem Anschlag von Hanau ab sofort bis Freitag Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden in Berlin an. Für den Senat kam Geisel zur Mahnwache. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nahm wie geplant an der Eröffnungsveranstaltung für die Berlinale teil. „Wir wissen und ermutigen ihn dazu, dass er im Rahmen seiner Rede auch auf den Anschlag beziehungsweise die Mahnwache eingeht und die dazu richtigen Worte findet“, sagte Wieland.
Weitere Gedenkveranstaltung findet am Hermannplatz statt
Bei einer weiteren Gedenkveranstaltung wollen die Teilnehmer vom Hermannplatz in Neukölln über die Sonnenallee zum Rathaus Neukölln ziehen. In der Gegend, in der es auch viele Shisha-Bars gibt, wohnen viele Familien mit türkischen und arabischen Wurzeln.
Bei der Gewalttat in Hanau hatte ein Mann zehn Menschen getötet. Stunden nach dem Verbrechen entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung in Hanau. Noch in der Nacht übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen Terrorverdachts. Nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth gibt es Hinweise auf ein "fremdenfeindliches Motiv".
dpa







