Wer 2020 in einer Tram der BVG einen Fahrschein kaufen will, stößt auf einen in die Jahre gekommenen Apparat. Weder Monatskarte noch Vier-Fahrten-Fahrschein kann hier gelöst werden. Und bezahlen können Kunden an den rund 30 Jahre alten Automaten nur mit Bargeld. „Da gibt es Handlungsbedarf“, sagt Rico Gast, Bereichsleiter Straßenbahn bei der BVG.

Nun soll das Ende der alten Automaten kommen. Zunächst will die BVG herausfinden, wie die neuen Geräte aussehen sollen. Dafür testet das Unternehmen in den kommenden 18 Monaten neue Ticketautomaten.

In insgesamt 36 Zügen wird je ein Apparat installiert. Die Geräte kommen von zwei unterschiedlichen Herstellern, je 18 Stück pro Anbieter. So solle möglichst breit getestet werden. „Die werden mindestens 15 bis 20 Jahre in den neuen Straßenbahnen sein“, sagt Gast. Da müsse weit vorausgedacht werden, was man künftig brauche.

Trams der BVG in Berlin: Münzen haben keine Zukunft

Tickets soll man in Zukunft auch in der Straßenbahn mit Bankkarte, Kreditkarte und per Smartphone über Apple-Pay und Google Pay bezahlen können. Anders als heute bietet die BVG dann auch Vier-Fahrten-Karten und Zeittickets wie Wochen- oder Monatskarten in der Tram an. Was hingegen nicht mehr gehen soll: mit Bargeld bezahlen. Bei der BVG ist man sich durchaus bewusst, dass die Entscheidung manche Diskussion auslösen könnte. Dennoch sieht man sich mit der Entscheidung auf dem richtigen Weg. „Wir sehen einen dramatischen Rückgang des Bargelds“, sagt Vertriebsleiter Martell Beck. Schon heute verkauft die BVG allein über ihre Apps 20 Prozent der dort angebotenen Tickets. Der Abwärtstrend bei Münzen und Scheinen, so die Annahme Becks, werde anhalten.

Festgelegt sei die BVG nicht. „Aber natürlich habe ich eine Präferenz", sagt Beck.. Schon heute mache die BVG gerade mal ein Prozent ihrer Umsätze mit den Bargeldkäufen an Automaten in der Tram. Die wenigen Münzen in den Geräten seien dann zum Teil noch einer „Serie von Automatenaufbrüchen“ zum Opfer gefallen. Bargeldautomaten würden langfristig eher Kosten verursachen, so Beck. „Das Geld würde ich lieber in kundenrelevante Themen stecken.“

Bargeldloses Zahlen: Einjährige Testphase in den Tram-Linien M5 und M10

Die neuen Geräte für die Tram seien damit auch ein Test, was künftig an den U-Bahnhöfen kommen solle. Bis es soweit ist, wird es noch dauern. Zunächst soll in den kommenden Wochen der einjährige Testbetrieb mit den ersten 36 Automaten starten. Zuerst würden die Apparate auf der Linie M5 unterwegs sein, so Beck. Ab Mai können Fahrgäste dann auch in Straßenbahnen der Linie M10 bargeldlos zahlen. „Der Kunde soll weiterhin die Möglichkeit haben, mit Bargeld zu bezahlen“, sagt der Vertriebs- und Marketingleiter. Dafür werde von zwei Geräten pro Tram im Testbetrieb immer nur eines erneuert. Der andere Automat schluckt solange weiterhin Münzen. „Wir sehen dann, wer entscheidet sich für Bargeld und wer für andere Varianten.“

Mit der Anschaffung von 500 neuen Automaten und der grundsätzlichen Umstellung sei erst in drei Jahren zu rechnen, sagt Beck. Und was passiert mit jenen Fahrgästen, die auch dann noch lieber Münzen einwerfen wollen? Es gebe künftig sicherlich noch eine Käufergruppe, die nicht mit Bargeld zahlen wolle, so Beck. „Da arbeiten wir mit einer Lösung“, verspricht er. Eine Möglichkeit sei eine Art Prepaid-Karte, die man an anderen Automaten oder Verkaufsstellen mit Bargeld erwerben könne und dann in der Tram auflege. Doch auch das hilft jenen Fahrgästen wenig, die spontan die Tram nutzen und weder bargeldlos zahlen wollen noch können.

Ein anderes Problem bemängelt Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbands Igeb: Tickets bis nach Brandenburg können Passagiere aktuell noch nicht kaufen. „Im schlechtesten Fall muss der Kunde dadurch doppelt bezahlen“, kritisiert Wieseke.